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Erwachsene Herbst/Winter 2026

Erwachsene Herbst/Winter 2026

Magisch (Annika Büsing)

Magisch

Annika Büsing

Von der Magie der zweiten Chance
Marie ist mit Mitte dreißig zurück auf den Hof ihrer Eltern gezogen und betreibt dort mit ihrer Freundin eine Huta, eine Hundetagesstätte. Auch Paul Magisch, ihre Jugendliebe, ist plötzlich zurück im Dorf und wohnt im Haus seiner verstorbenen Mutter. Ihr Bruder Andi ist noch da, er war nie weg. Marie liebt Magisch immer noch. Und eigentlich auch ihren Bruder Andi, obwohl sie hasst was aus ihm geworden ist. Sie spricht nicht mehr mit Andi, seit er Magisch als Teenager krankenhausreif geschlagen hat. In ihrem unverwechselbaren Ton erzählt Annika Büsing eine Liebesgeschichte, aber auch eine Geschichte über Risse in der Familie, den Rechtsruck und die Spaltung der Gesellschaft. „Magisch“ ist Annika Büsings viertes Buch in fünf Jahren. Alle Achtung, denn nebenbei ist sie noch Lehrerin.
Und alle vier Bücher kann ich von Herzen empfehlen.
Jeannine Beihofer

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Wirf einen Schatten (Elena Fischer)

Wirf einen Schatten

Elena Fischer

Den Blick nach außen richten
Josef steht vor den Trümmern seines Lebens. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und den gemeinsamen Sohn Samuel mitgenommen. An Heiligabend beschließt er, dem Leben ein Ende zu setzen. Eine konsequente Entscheidung, so erscheint es dem wortkargen Einzelgänger. Ist doch sein Leben ohnehin überschattet von einem Trauma in der Kindheit.
Die Ohnmacht, Sprachlosigkeit, die Angst, sich Wünsche und Sehnsüchte einzugestehen durchzieht wie ein undurchdringliches Gewebe seine Vergangenheit und Gegenwart.  Doch ausgerechnet jetzt erscheint eine junge Frau auf seinem Hof. „Birdie“ wie sie sich nennt, ist gesundheitlich sehr angeschlagen, auf der Flucht und braucht seine Hilfe.
Josef muss seinen Plan verschieben und wird gegen seinen Willen in die problematische Lebenswelt eines anderen gezogen. Wie diese beiden Menschen einander Hilfe und Mut zum Aufbruch geben, ist einfach wunderschön beschrieben. Birdie ist tatsächlich wie ein Vogel auf dem Weg, ihr engstirniges Elternhaus zu verlassen und fordert für sich ein eigenständiges Leben. Kann sie Josef aufrütteln und mitreißen, für sein eigenes Glück einzustehen? 
Denn es gibt da noch Ada, mit der Josef eine ganz eigene Geschichte verbindet. Sie ist immer da, ein ruhender Pol und scheint auf etwas zu warten. Doch wie lange?
Indem Elena Fischer den Roman, der Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts spielt, in verschiedenen nicht chronologischen Zeitsträngen erzählt, ist ihr ein großartiger Kunstgriff gelungen. Dadurch entblättert sich die Geschichte und dringt immer tiefer in den tragischen Kern von Josefs Leben ein.
Sehr leise und poetisch wird ein eher unspektakuläres bäuerliches Leben, geprägt vom wiederholten täglichen Gleichklang, geschildert. Wie klug und wahr am Menschlichen! 
Elena Fischer gelingt dies mit viel Einfühlungsvermögen zu vermitteln. Josef muss lernen, seinen Blick nach außen zu richten. Erst dann kann er sich auf andere Menschen einlassen und tiefe Wunden heilen lassen.
Verlässt er am Ende sein Schneckenhaus? Ob das gelingt, beschreibt die Autorin mit viel zarter Liebe für ihre Figuren. Wie bei ihrem Vorgängerroman „Paradise Garden“ verlässt man als Leser sehr ungern das Geschehen, sind einem doch die Figuren so sehr ans Herz gewachsen.
Elke Weirauch-Glauben

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Geteiltes Haus (Alice Horácková)

Geteiltes Haus

Alice Horácková

Alle Grenzen hat der Mensch gemacht
Zdenka und Anezka wachsen gemeinsam in dem Dorf Benetzko im Riesengebirge in Tschechien auf, nahe gelegen an der deutschen Grenze. Hier begleiten wir die beiden Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Tatsache, dass Zdenka einer tschechischen und Anezka einer deutschen Familie entstammt, spielte bisher eine eher untergeordnete Rolle - bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs. Von nun an ist es von großer Bedeutung, den richtigen Namen zum richtigen Zeitpunkt zu besitzen. Das Dorf wird entzweigerissen und es wird erbittert gekämpft. Die Freundinnen können sich dieser Situation nicht entziehen, finden aber immer wieder Wege, den Kontakt zu halten. Die Autorin hat für diesen Roman ihre eigene Familiengeschichte als Grundlage genommen. Sie ist durch Zufall auf zahlreiche Dokumente im Haus ihrer Großeltern gestoßen und begann daraufhin eine umfangreiche Recherche, welche sich über 10 Jahre erstreckte. Daraus ist ein sehr packender und mitreißender Roman entstanden, der uns beispielhaft die Absurdität von menschengemachten Grenzen und den daraus resultierenden Irrsinn vor Augen hält. 
Patricia Mock

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Ist doch schön hier (Miriam Burdelski)

Ist doch schön hier

Miriam Burdelski

Familienspuren
Die wichtigste Person in Liesels eher tristem Leben mit einer lethargischen Mutter ist ihre Großmutter Emmi.
Bevor Emmi, die mittlerweile im Heim lebt, sich ganz in ihrer Demenz verliert, möchte Liesel auf einer Reise unbedingt die Fluchtroute ihrer Großmutter aus dem früheren Ostpreußen verfolgen und sich so die Lebensgeschichte von Emmi und die Geschichte ihrer Familie erschließen.
Unverhofft bietet Jascha, ein junger Pfleger aus Emmis Heim, seine Begleitung an und – ganz anders als geplant, möchte auch Emmi selbst plötzlich unbedingt mitfahren.
Trotz Emmis instabiler Gesundheit wagt diese bunte Reisegesellschaft mit einem geliehenen, betagten Auto den Weg in die Vergangenheit.
Was Liesel findet, ist unerwartet und schmerzlich, und doch hilft es ihr, all das bis dahin Unausgesprochene in ihrer Familie zu verstehen und neu zu sehen.
Keine leichten Themen, jedoch mit so viel Komik und der Positivität von Jascha – „ist doch schön hier“ – eine Freude zu lesen!
Unbedingte Empfehlung – ein besonderes Buch.
Barbara Sigel-Lochner

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Das Leben, das wir nie haben werden (Timothée de Fombelle)

Das Leben, das wir nie haben werden

Timothée de Fombelle

Sehr intensiv
Das erste Buch für Erwachsene von Timothée de Fombelle, dessen Jugendbücher „Vango“ und „Tobi Loleness“ mich schon sehr begeistert haben, ist ein kleines literarisches Meisterwerk. Der Autor erzählt von einer jungen Frau in Frankreich während der deutschen Besatzung, die für einen Résistancekämpfer, in den sie sich verliebt hat ohne dass dieser davon weiß, Flugblätter tippt. Während sie eines Tages am vereinbarten Treffpunkt vergebens auf ihn wartet, malt sie sich das Leben aus, das sie nie haben werden. Ein schmales, ungemein intensives Buch, das lange nachhallt.
Sven Puchelt

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Guten Morgen, schönes Wetter heute (Tanja Kokoska)

Guten Morgen, schönes Wetter heute

Tanja Kokoska

Das Leben ist ein Fest
Beim Lesen des Romans „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ fühlt man sich unwillkürlich in einen dieser Filme hineinversetzt, die ein Groß- oder Kleinstadtmärchen erzählen, die so wunderbar unterhalten und den Alltag vergessen lassen. Mag es am Schreibstil liegen, der mit einem allwissenden Ton über der Handlung schwebt, dass einen die Figuren so sehr berühren. Man glaubt sie zu kennen, sie leibhaftig vor sich zu sehen die Inas, Henrys oder Herr Bellos dieser Geschichte. In der Siedlung „Am Kastanienbaum“ stehen hundert dreistöckige Häuser. Das macht 1584 Menschen, die dort leben.
Tanja Kokoska hat mit ihrer Geschichte voll Wärme und Humor dem anonymen, einsamen Stadtleben einen herrlich überzeichneten Gegenentwurf geformt. Am Anfang werden die einzelnen Figuren sehr empathisch mit all ihren Hoffnungen und Träumen und den leicht kauzigen Eigenheiten charakterisiert. Auch nachdenklich machende Momente werden erzählt. Begegnungen in der Siedlung sind flüchtig, man grüßt sich, bleibt aber eher für sich. Als Leser ahnt man schon früh, wie wundervoll es doch wäre, wenn sich die Menschen näherkommen könnten. Erst eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg führt sie zusammen. 
Komisch, aber niemals banal prallen hier verschiedene Lebenswelten und Kulturen aufeinander. „Ja“ will man sagen, als der Mann mit Frauenkleidern, der erst das dazusetzen üben muss, die alte vergessliche Frau mit ihrem japanischen Spielzeug oder Samy, der sich wünscht eine Ente zu streicheln, zusammenfinden. So hat man es sich gewünscht. Von Ina, Henry und Frau Aslan habe ich noch gar nicht erzählt. Wenn man nach der Lektüre dieses Romans nur mit etwas offeneren Augen seine Mitmenschen wahrnimmt, ist schon viel gewonnen. Vielleicht wird man aber auch etwas mutiger mit dem Aufeinander-Zugehen. Mal sehen was passiert! Dass man das Buch mit einem glücklichen Lächeln beendet versteht sich sowieso.
Elke Weirauch-Glauben

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Kaskaden (Louise K. Böhm)

Kaskaden

Louise K. Böhm

Was passiert, wenn eine langjährige Freundschaft plötzlich in die Brüche geht? 
In Kaskaden erzählt Louise Böhm von Jojo, einer jungen Studentin, die versucht, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und sich selbst wieder zu finden. Jojo ist Studentin der Molekularbiologie und bemüht sich, zwischen Studium, Freundschaften und ihrem eigenen Leben ihren Platz zu finden. Als sie nach längerer Zeit wieder mit ihrer früheren besten Freundin Yara konfrontiert wird, holen sie Erinnerungen und Gefühle aus der Vergangenheit ein. Was längst abgeschlossen schien, drängt nun wieder an die Oberfläche. Besonders gut gefällt mir, wie nahbar Louise K. Böhm Jojo und ihren Alltag beschreibt. Ihr Schreibstil ist einfach, direkt und sehr angenehm zu lesen, wodurch Gedanken und Gefühle von Jojo authentisch wirken. Selbstzweifel, Freundschaft, Liebe und die Frage, wo man im Leben eigentlich hingehört, werden so erzählt, dass man sich schnell mit Jojo identifizieren kann. „Kaskaden“ ist für mich deshalb ein Roman über Freundschaft, Erwachsenwerden und das Gefühl, seinen eigenen Weg finden zu müssen - besonders für alle, die sich gerne in die Lebenswelt junger Menschen hineinversetzen und mehr über die Themen Freundschaft, persönliche Entwicklung und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens erfahren möchten.
Lea Bossian (Praktikantin)

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Das Jahr der Wale (Kelly Anderson)

Das Jahr der Wale

Kelly Anderson

Natur und Mystik
Annie erlebt eine ungewöhnliche Kindheit und Jugend – sie wächst auf dem Segelboot ihrer Eltern auf und fühlt eine besonders intensive Verbundenheit zum Wasser, zum Meer.
Durch einen Tsunami wird das vertraute Leben zerstört: Annie ist das erste Mal allein bei ihrem (Jugend-)Freund an Land geblieben, ihre Eltern bleiben nach dem Tsunami verschwunden. Am Strand rettet Annie einen jungen Mann, der zunächst stumm zu sein scheint, er ist ihr seltsam vertraut.
Dann soll der ihr vertraute Ort, Hales Landing, evakuiert werden und Annie muss entscheiden, wo ihr Lebens- und Herzensweg hingehen soll…
Eine fesselnde Geschichte, in der die Verbundenheit mit der Natur eine große Rolle spielt und auch mystische Momente an Bedeutung gewinnen: so werden die Themen Trauer, Identität und Sinnsuche in Bilder übersetzt.
Ein atmosphärischer Roman – zum Beispiel für alle die „Der Gesang der Flusskrebse“ gerne gelesen haben.
Barbara Sigel-Lochner
 

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Sonnenberg (Brigitte Glaser)

Sonnenberg

Brigitte Glaser

Packendes Zeitporträt 
Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Jugendfreundinnen, Johanna und Luzie. Beide ziehen zusammen nach Freiburg, um zu studieren. Johanna muss das Studium jedoch bald abbrechen und auch die Reisepläne mit Luzie begraben, weil ihr Vater stirbt und sie im heimischen Weinbaubetrieb unterstützen muss. Luzie reist allein durch Marokko und nach ihrer Rückkehr beteiligt sie sich mit Johanna am Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk.
Der Roman entführt die Leser ins Baden-Württemberg der 70er Jahre und verknüpft gekonnt eine persönliche Frauengeschichte mit einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis der Nachkriegszeit: dem Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Whyl. 
Britta Pailer

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Der Wind kennt meinen Namen (Isabel Allende)

Der Wind kennt meinen Namen

Isabel Allende

Was hält Kinder auch in den schlimmsten Lebenssituationen, die man sich vorstellen kann, stark? 
Isabel Allende erzählt in ihrem Buch in mehreren Geschichten von Kindern, die ihre Familie verloren haben. Zuerst berichtet sie von dem kleinen Samuel Adler aus Deutschland, der 1939 mit einem Kindertransport von Deutschland nach England geflohen ist, weil er und seine Mutter kein Visum nach Chile bekommen haben, als sie als Juden nicht mehr in Deutschland bleiben durften. Parallel liest man auch noch die traurige Lebensgeschichte von Leticia aus El Salvador, die durch ein Glück im Unglück die Guerillakämpfe überlebt hat. Bei der Lektüre ihrer schockierenden Geschichte wird deutlich, wie grausam die Menschen waren. Die Hauptgeschichte handelt jedoch von Anita, die 2019 ihre Mutter zuletzt an der mexikanischen Grenze gesehen hat und dann nie wieder. Sie wird von einer Sozialarbeiterin begleitet, die sich für die Rechte von Migranten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA einsetzt. Mütter werden von ihren Kindern getrennt, und es gibt für diese alleinstehenden Kinder keine Chance, etwas zu gewinnen. Für sie setzt sich Selina Durán, Anitas Sozialarbeiterin und Menschenrechtlerin, aktiv ein. Man erfährt viel über das Schicksal von unterdrückten Menschen in der Gegenwart und der Vergangenheit. Ich konnte durch meine Reise nach Chile selbst mehr über dieses Thema erfahren, da es mich sehr interessiert und ich mich deshalb viel mit meiner Gastfamilie darüber unterhalten habe. Ich finde, es ist ein sehr wichtiges und aktuelles Thema, wenn man sich die Entwicklungen an der mexikanischen Grenze anschaut. Ich habe mir von der chilenischen Autorin auch ein Buch auf Spanisch gekauft, habe aber leider nicht so viel verstanden… 
Katharina Casper (16 Jahre)

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All die Farben, all das Licht (Cora Wucherer)

All die Farben, all das Licht

Cora Wucherer

Sehr lesenswertes Debüt
Die Kunst hat schon immer Junas Leben bestimmt. Seit sie klein ist, hat sie nur einen Traum - Künstlerin werden wie ihr berühmtes Vorbild Lotte Laserstein. Jedoch macht ihr eine Krankheit, welche ihr Stück für Stück das Augenlicht raubt, einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Juna, 17 Jahre, zieht sich immer mehr in sich zurück, braucht Hilfe bei alltäglichen Aufgaben und ist auch sonst sehr gereizt und distanziert. Martha, ihre zwei Jahre jüngere Schwester hingegen ist aufgeweckt, direkt und hat es satt, ständig auf Junas Krankheit Rücksicht zu nehmen. Sie lebt im Schatten ihrer Schwester und möchte ausbrechen. Um das zerbrechliche Verhältnis zwischen ihnen aufzubessern, erfüllt Martha Juna den Wunsch, nach Schweden zu einer Ausstellung von Lotte Laserstein zu reisen.
Kann sie die Kluft zwischen den beiden schließen oder entzweit sie sich nur umso mehr von ihrer großen Schwester? Und wird Juna jemals mehr in ihr sehen, als nur die kleine unbeholfene naive Nervensäge?
Ein fantastisches Debüt von Cora Wucherer über das Verhältnis zweier Schwestern, einer prägenden Familiengeschichte und die Frage, ob wir nicht mehr sind als unsere Erwartungen.
Nicole Heller
 

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Trost (Angelika Klüssendorf)

Trost

Angelika Klüssendorf

Bewegender Roman über Unzulänglichkeiten in Beziehungen in Zeiten globaler Krisen. Wo findet man Halt?
Die Coronapandemie ist noch nicht überwunden, der Krieg gegen die Ukraine erschüttert die Welt. Vor diesem Hintergrund lebt Rita in einer angespannten Beziehung mit Joachim und hat sich nicht nur räumlich, sondern auch emotional von ihrem Partner distanziert. Für Joachim zählt die körperliche Nähe, Rita möchte nicht völlig alleine leben. Außerdem empfindet sie eine tiefe Zuneigung zu Joachims Tochter Jane. Diese wiederum fühlt sich Rita wesentlich stärker verbunden als ihrer Mutter, die sich in eine Welt der Fernsehserien geflüchtet hat. Rita ist also gewissermaßen ein Orientierungspunkt für die anderen, wenn auch fragil. Als sie ein Insekt verschluckt, ins Koma fällt und schließlich stirbt, brechen die noch verbliebenen Gewissheiten weg und es gilt, sich im Leben neu zu orientieren. 
Mit scharfem Blick und trotzdem mit großer Menschlichkeit beschreibt Angelika Klüssendorf das Beziehungsgefüge. Trost findet sich nur in den kleinen Gesten und in Momenten, in denen es gelingt, emotional offen und ehrlich zu sein.
Ein absolut lesenswertes Buch.
Christa Seitz

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Territorium (Sabrina Janesch)

Territorium

Sabrina Janesch

Über drei außergewöhnliche Frauen auf Hawaii Ende des 19. Jahrhunderts
1893 entmachten Aufrührer die junge hawaiianische Königin Liliʻuokalani und bereiten die Annexion Hawaiis durch die USA vor. Es gibt aber auch Widerständler, die die Angliederung verhindern und Liliʻuokalani zurück zur Macht verhelfen möchten. Vor diesem Hintergrund erzählt Sabrina Janesch von drei Frauen. Der starken, unbeugsamen Königin, die auch als Musikerin bekannt war - sie schuf das berühmte „Aloha ‘Oe“, von Gertrude Wolf, einer deutschen Auswanderin, die zur Freundin und Beraterin der Königin geworden war, sowie von der Journalistin Emma Nāwahī. Alle drei müssen im Lauf der Ereignisse schwerwiegende Entscheidungen treffen. Geschickt wechselt Janesch dabei die Erzählperspektiven, lässt dabei die Königin in der ersten Person Plural sprechen, ohne dass dieses konstruiert wirkt. Fundiert recherchiert, spannend und mit sprachlicher Wucht erzählt.
Sven Puchelt

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Freunde fürs Leben (Frederik Backmann)

Freunde fürs Leben

Frederik Backmann

Lebenswege
Vier Jugendliche verbringen einen Sommer zusammen auf einem Steg am Meer und entkommen so der Verlorenheit und Einsamkeit in ihren jeweiligen Familien, sie geben sich Halt und Stärke. Einer von ihnen hält die Stimmung dieses bedeutungsvollen Sommers auf einem Gemälde fest – mit Hilfe der Freunde wird das Gemälde bekannt, es ist der Beginn seiner Karriere als Maler und wird sehr wertvoll. 25 Jahre später sieht die ähnlich verlorene 18jährige Louisa das Bild auf einer Postkarte – das berührt sie so sehr, dass sie viel daransetzt, das Bild bei einer Auktion zu sehen. Dort begegnet sie dem Maler – kurz vor seinem Tod. Die Lebensgeschichten der vier Freunde erfährt sie, während sie mit einem der vier Freunde die Asche des Malers zurück in seinen Heimatort bringt. Diese Reise eröffnet ihr neue Blicke für ihr eigenes Leben.
Fredrik Backman schreibt mit großer Empathie, Wärme und tiefem Verständnis für die jungen Menschen. Schmerz, Trauer und Humor liegen nah beieinander. Mitunter schmerzlich zu lesen, in berührender Sprache, lässt das Buch uns Lesende doch mit Zuversicht zurück nach einem bereichernden Leseerlebnis.
Barbara Sigel-Lochner    

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1999 Meter über dem Meer (Caroline Wahl)

1999 Meter über dem Meer

Caroline Wahl

Achterbahnfahrt der Gefühle
Nach einem enttäuschenden Trip nach Bali geht es für Samara, der Protagonistin in Caroline Wahls neuem Roman, nach Berlin zum ersten richtigen Job in einer angesagten Agentur – er entpuppt sich schnell als ebenso enttäuschend und wird wieder fallengelassen. Das ist es also nicht – aber was ist es denn, was Samara sucht? Sie weiß es selbst nicht, aber praktischerweise hat ihr Vater ihr zu besagtem ersten Job ein cooles Auto geschenkt und mit diesem geht es nun auf Roadtrip bzw. Selbstfindung. Über das Allgäu fährt sie nach St. Moritz – und was sie da findet, ist die Welt der Schönen und Reichen. Sie verhält sich geschickt, lernt Leute kennen und wird fast schon zufällig zu einer gefeierten Fotokünstlerin, die Ausstellungen bekommt und ihre „Werke“ teuer verkaufen kann. Somit ist sie ein bisschen reich und unabhängig – Samara (und hier erkennen wir auch ganz klar die Autorin) kann glücklich sein. Aber nun fehlt ihr doch et was...und letztlich ist sie nicht der Mensch für Schickimicki mit Kaviar, sondern schlichter gestrickt und auf der Suche nach menschlicher Verlässlichkeit.
Rasant geschrieben, in weiten Teilen eine Art Selbstgespräch, getrieben von innerer Leere und der Sehnsucht nach etwas, das sich langfristig richtig anfühlt – dieser Roman ist ein Porträt unserer Zeit mit ausgesprochen hohem Unterhaltungswert.
Andrea Theilmann

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Ultramarin (Ann-Christin Kumm)

Ultramarin

Ann-Christin Kumm

Ein Sommer, der alles verändert
Es ist mal wieder Sommer. Wie jeden Sommer fahren Lou, Raf und Sophie zu ihrem Ferienhaus an der dänischen Küste. Doch dieses Mal ist alles anders. Statt Sophie kommt die aufgeweckte Nora mit. Lou ist das gar nicht recht, denn Nora stört das fragile Verhältnis zwischen ihm und Raf, welches Lou krampfhaft versucht festzuhalten. Er würde für Raf alles tun, um seine Gunst zu erlangen. Raf weiß, dass er alle und alles haben kann und nutzt dieses Wissen schamlos aus. Der anfangs unbeschwerte Urlaub entwickelt sich für Lou immer mehr zu einem Drahtseilakt zwischen Anziehung und Ablehnung. Als dann Nora auf mysteriöse Weise verschwindet und der Verdacht auf Raf fällt, wird Lous fragiles Vertrauen zutiefst erschüttert.
Ein wohldurchdachtes Katz-und-Maus-Spiel mit Manipulation, Begehren und Angst, welches eine tiefe Verletztheit verschleiert. 
Nicole Heller 

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Broder (Dörte Hansen)

Broder

Dörte Hansen

Man bleibt immer Teil der Herde!
Eigentlich reicht schon der Name „Dörte Hansen“ als Referenz bzw. Leseempfehlung! Trotzdem ein kurzer Blick „ins Buch“. Im Mittelpunkt steht der Bahnsenhof, irgendwo in Nordfriesland. Dort wachsen die Zwillinge Broder und Henning auf. Äußerlich fast nicht zu unterscheiden, sind sie doch sehr verschieden. Henning ist selbstbewusst, hat mehr „Außenwirkung“, ist mehr an Maschinen als an Tieren interessiert. Der eher introvertierte Broder dagegen hat ein besonderes Gespür für Tiere (den „Kuhverstand“) und wollte nie etwas anderes als Bauer werden. Allerdings ist Henning ein paar Minuten älter und daher der Hofnachfolger. Broder geht nach Frankreich, wird Tierarzt. Nach 20 Jahren kehrt er zurück, übernimmt die örtliche Tierarztpraxis und kümmert sich zwangsläufig auch um die Herde seines Bruders - mittlerweile Hochleistungskühe mit Melkroboter und digitalem Herdenmanagement. 
Eine Geschichte über den Druck, einen landwirtschaftlichen Betrieb wirtschaftlich zu betreiben und dabei Klima und Tier gerecht zu werden. Eine Geschichte über eine Familie, die viel aushalten und ertragen muss und trotzdem den Hof zusammenhält. Eine Geschichte abseits von Dorfromantik und gerade deshalb sehr lesenswert.
Margret Thorwart

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Fünf, sechs, sieben,acht (Ewald Arenz)

Fünf, sechs, sieben,acht

Ewald Arenz

Was wirklich wichtig ist
Fünf, sechs, sieben, acht – das sind die Worte, die der 60jährige Anton, leidenschaftlicher Stepptänzer und tänzerischer Leiter des örtlichen Theaters, im Rahmen seiner Proben immer wieder vor sich hin spricht. Er hat eine Ex-Frau, die seine engste Freundin ist, und eine erwachsene Tochter, zu der das Verhältnis allerdings schwierig ist, seitdem Anton in ihrer Jugend eine Affäre mit einer jungen Schauspielerin gehabt hat, über der die Ehe und Familie zerbrochen sind. Anton ist zufrieden mit seinem Leben – bis ihm völlig unerwartet eröffnet wird, dass das Theater seinen Arbeitsvertrag nicht mehr verlängern wird. Noch verschlimmert wird diese Situation dadurch, dass seine Tochter Emma seinen Platz einnehmen wird. 
Daraufhin beginnt Anton, viel über sein Altern und den Verlauf seines Lebens nachzudenken. Mit Mitte 20 ist seine große Liebe Jo von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden; sie hat damit ein tiefes Loch in sein Leben gerissen und er ist nie ganz über ihren Verlust hinweggekommen. Nun stellt er sich verstärkt die Frage, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn sie ein Paar geblieben wären, wägt das ungelebte und das gelebte Leben gegeneinander ab.
Als Emma im Internet einen Hinweis auf Jos Schicksal findet, der in den Norden Irlands führt, machen Vater und Tochter sich gemeinsam auf die Reise dorthin, um endlich die drängenden offenen Fragen zu klären.
Ewald Arenz ist in einer wunderschönen Sprache ein sehr menschlicher und gefühlvoller Roman über das Älterwerden, Familie und die im Leben wichtigen Momente, Fragen und Aspekte gelungen.
Melanie Weise

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Wildboden (Constantin Lieb)

Wildboden

Constantin Lieb

Zu Besuch bei Erna Schilling und Ernst Ludwig Kirchner
Dies ist der erste Roman von Constantin Lieb und er beginnt so großartig: wir werden quasi als Gäste mitgenommen in das titelgebende Wildbodenhaus, gehen zunächst auf das Haus zu, nehmen es nach und nach mit allen Sinnen auf. Und dann sind wir auch schon mitten im Jahr 1936 und in diesem literarisch großartigen Roman über den Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebenskameradin Erna Schilling. Sie ist mit ihm dorthin gezogen, in die Schweiz nahe Davos, umgeben von Bergen und Dorfleben. Als Städterin nicht leicht für sie, aber sie ist fest entschlossen, Kirchner zur Seite zu stehen, sein Leben zu organisieren und durch ihre Unterstützung an seiner Kunst mitzuwirken. Selbst psychisch nicht immer stabil versucht sie, Kirchners Wahnhaftigkeit und seine Morphiumsucht aus- und in Schach zu halten, gibt alles für den Künstler, seine Bedürfnisse und sein Werk.
Als Kirchners Werk dann aber von den Nazis als entartet eingestuft und aus den deutschen Museen entfernt wird und schließlich auch in der Schweiz, die nicht frei war von Nazis und deren Bewunderern, die äußere Existenz in Gefahr gerät, fällt das labile Gleichgewicht aus destruktiven und konstruktiven Kräften in sich zusammen. Kirchner begeht Selbstmord, woran es historisch gesehen zwar Zweifel, aber keine alternative Erklärung gibt. Erna verliert den Menschen, dem sie bedingungslos verbunden war, nach dem sie sich immer gesehnt hat, an dem sie aber auch verzweifelt ist.
Und wir als Leser und Gäste verlassen das Wildbodenhaus – gedanklich noch ganz bei diesen besonderen Menschen, deren Zuhause es war.
Was für ein großartiger Debütroman, längst nicht nur für Kunstinteressierte! 
Andrea Theilmann

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Nach der Sonne schauen (Martina Hefter)

Nach der Sonne schauen

Martina Hefter

Rückzug und Neubeginn
Die Trägerin des Deutschen Buchpreises von 2024 („Hey Guten Morgen, wie geht es dir“) hat ihren zweiten Roman veröffentlicht, und wieder bin ich sehr begeistert!
Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich in eine alte Industriehalle im Leipziger Umland zurück, nachdem eines ihrer Kunstwerke, ein Baumhaus, das für sie persönlich eine große Bedeutung hat, mit dem Wort „Bullshit“ beschmiert worden ist. Sie braucht den Rückzug, um sich zu sammeln und herauszufinden, wie es nun weitergehen kann. Ganz allein ist sie nicht – ein virtueller Hund, von einem Freund an die Wand projiziert, leistet ihr Gesellschaft. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre in dieser Halle im ehemaligen Tagebaugebiet, in der Iona ihre inneren Kämpfe ausficht, in denen es nicht nur um sie selbst, sondern auch um unsere momentane Welt und die Hilflosigkeit, mit der wir oft vor ihr stehen, geht. Und draußen nichts als Sonne, Hitze und permanenter Wind. Das ist beim Lesen ein geradezu sinnliches Erlebnis.
Als Iona dann erst ein Hund aus Fleisch und Blut und dann eine plan- und ziellose junge Frau „zulaufen“, löst sich etwas in ihr und es geht für diese sehr spezielle Wohngemeinschaft langsam aber sicher wieder in Richtung Zukunft. Und draußen fällt endlich Regen. 
Ein starker aktueller Roman, den Sie nicht verpassen sollten!
Andrea Theilmann

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Ein ganz normales Wunder (Woody Brown)

Ein ganz normales Wunder

Woody Brown

Ungewohnte Einblicke
Woody Brown erlangte Berühmtheit als erster nichtsprechender autistischer Absolvent der University of California. Nun hat er einen Roman verfasst. Dieser spielt in "Upward Bound", einer Tagesstätte für Menschen mit unterschiedlichen - körperlichen oder geistigen - Einschränkungen. Die Kapitel wurden aus den Perspektiven vieler verschiedener Charaktere geschrieben; einige Schützlinge der Einrichtung, Mitarbeiter, aber auch Außenstehende. Brown beschreibt extrem behutsam und einfühlsam, was in den verschiedenen Personen vorgeht, und erzeugt so ein großes Verständnis und Identifikation mit Menschen, die anders sind. Insbesondere was Nicht-Sprechende bewegt, bringt er dem Leser sehr nahe. Dabei fühlt man sich nie als Voyeur oder unangenehm berührt, sondern ist froh um diese ungekannten Einsichten. Darüber hinaus zeichnet sich der Roman durch einen überaus angenehmen und fesselnden Schreibstil aus. 
Was der Geschichte wohl ihren Titel gegeben hat, sind die Wunder, die sich im ganz Kleinen und von den meisten unbemerkt in Upward Bound abspielen - wie die ganz besondere und enge Beziehung zwischen dem autistischen Jorge und dem aus schwierigen Verhältnissen stammenden, ungelernten Betreuer Carlos oder die Gefühle, die der vollständig bewegungs- und sprachunfähige Tom und die begeisternde und unorthodoxe Aushilfe Ann füreinander empfinden.
Ein besonderes Buch, das zu lesen sich lohnt. 
Melanie Weise
 

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Mein privates Glück (Michael Köhlmeier)

Mein privates Glück

Michael Köhlmeier

Ein Lebensbuch
Der Lebensroman des österreichischen Schriftstellers Michael Köhlmeier beginnt damit, dass der kleine Michael und seine Schwester Walli aus Coburg nach Vorarlberg reisen. Warum und wer sie dort erwartet, weiß Michael nicht. Ein Herr steht am Bahnhof – und Michael lernt, dass er einen Vater und eine nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmte und meist ans Bett gefesselte Mutter hat. Der Vater hatte die Kinder für zwei Jahre zur Verwandtschaft nach Coburg geschickt, weil er mit der Krankheit der Mutter und dem Hausbau für die Familie überfordert war. Nun steht das Haus und die Kinder kehren zurück. In dieser Eingangsepisode zeigt sich bereits alles, was dieses Buch ausmacht. 
Köhlmeier zeichnet sich in keinem Moment als von schweren Bedingungen und Schicksalsschlägen gezeichneten Menschen, sondern als jemanden, der die Dinge nehmen kann wie sie sind ohne sie schwer werden zu lassen. Die ihn umgebenden Menschen sind voller Unzulänglichkeiten, aber er zeichnet sie durchgängig würdevoll und vollbringt das Kunststück, alles in Glück umwandeln zu können ohne sich selbst zu belügen oder zu übergehen. Kein Hadern, keine Schuldzuweisungen, sondern schlicht die Suche danach, wie er, Köhlmeier, zu dem Menschen geworden ist, der er ist. Und so erlaubt seine Sicht auf das Leben den so passenden Titel „Mein privates Glück“. Bemerkenswert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Familientradition des Erzählens. Mit diesem Lebensbuch greift Köhlmeier sie auf, er erzählt episodenhaft, aber nicht chronologisch. Und so erleben wir, dass Personen, die eben beerdigt wurden, im nächsten Kapitel wieder lebendig sind – Erzählen überdauert also den Tod. Auch das bemerkenswert.
Köhlmeier widmet seinen Lebensroman seiner Frau Monika Helfer, die im Sommer 2026 kurz vor dem Erscheinen verstorben ist. Auch sie hat selbstverständlich ihren Platz in dem Roman.
Andrea Theilmann

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Anton und Alma (Dana Vowinckel)

Anton und Alma

Dana Vowinckel

Auf der Shortlist vom Deutschen Buchpreis 2026
Dies ist der zweite Roman von Dana Vowinkel. Ihr Debüt „Gewässer im Ziplock“ erschien 2023, für das sie mehrere Preise erhielt. Dana Vowinckel ist die Tochter eines jüdischen Vaters und einer protestantischen Mutter aus Bielefeld, die sich in Israel kennenlernten und ihre Tochter in Berlin großzogen. Diese Lebenserfahrungen sind Teil ihrer Romane. 
Dana Vowinckels zweiter Roman „Anton und Alma“ handelt nicht nur von einer Liebesgeschichte und der Trauer um deren brutales Scheitern. Es ist zunächst der literarische Versuch, sich aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren mit den Zäsuren des rechtsextremen Anschlags auf die Synagoge in Halle vom 9. Oktober 2019 und den Folgen des Hamas-Massenmords in Israel und Gaza am 7. Oktober 2023 auseinanderzusetzen. 
Anton und Alma kommen beide aus Berlin und studieren an derselben Universität. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem herzlosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Trotz aller Unterschiede verlieben die beiden sich ineinander, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich.
Das Hauptthema dieses Romans: Er handelt vom Für und Wider einer Konversion zum Judentum in Geschichte und Gegenwart. Während Anton nicht an Gott glaubt und nichts lächerlicher findet als Deutsche mit Nazihintergrund, die möglichst orthodox lebende Juden werden wollen, um dadurch ihre Schuldgeschichte abzuschütteln, geht Alma kritisch mit ihrer Familiengeschichte, in der möglicherweise NS-Täter zu finden sind um, und möchte Halt und Glauben im Judentum suchen.
Mich hat dieses Buch sehr berührt. Es erzählt die Geschichte einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt. Ein mutiger Roman darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein. Traurig, schön, zärtlich, knallhart, lustig, tragisch.
Barbara Casper

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Lori (Anousch Müller)

Lori

Anousch Müller

Die Vergangenheit lässt uns nicht los 
Leni wächst in den siebziger Jahren als eines von sechs Geschwistern auf einem ehemaligen Bahnhof irgendwo im Niemandsland der DDR auf. Als Leser wird man hineinversetzt in die freie und glückliche Kindheit und Jugend, die sie miteinander verleben. Während der Vater stets präsent ist, wenn er gebraucht wird, wirkt die Mutter seltsam abwesend und lieblos, immer nur mit dem gerade jüngsten Kind und ihren Büchern beschäftigt.
Von Klein auf weiß Leni, dass in ihrer Familie etwas nicht stimmt, ein Teil der gemeinsamen Geschichte getilgt wurde. Immer wieder tauchen diffuse Erinnerungsfetzen in ihr auf, und bald findet sie heraus, dass es eine weitere Schwester – Lori - gegeben hat. 20 Jahre später versucht sie als junge Frau aufzudecken, was in der Vergangenheit geschehen ist und welche Geheimnisse ihre Eltern verbergen.
Der Roman springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her; auch die fesselnden Lebensgeschichten der Eltern werden erzählt und man erfährt viel über Geschehnisse und Geschichte der DDR. Dieses Buch vereint ganz Vieles in sich: Familienbeziehungen, Historie, Spannung, Liebe, Psychologie, Natur – sogar Lyrik findet in Form der Gedichte von Lenis bestem Freund Eingang.
Melanie Weise

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Die Komponistin (Alissa Wenz)

Die Komponistin

Alissa Wenz

Nicht nur für MusikliebhaberInnen
Mélanie Bonis, geboren 1858 in Paris, wächst in einfachen Verhältnissen auf. Allerdings gibt es ein Klavier im Wohnzimmer, das niemand spielt, bis Mélanie sich
daran setzt, was ihre Mutter nicht gerne sieht. Sie bleibt hartnäckig und bringt sich das Spielen selbst bei. Erst mit 13 bekommt sie Klavierunterricht, denn eine Frau, die Klavier spielen kann, hat auf dem Heiratsmarkt Vorteile. Das ist alles, was sich ihre Eltern wünschen: einen angesehenen Ehemann.
Als sie 18 Jahre alt ist, lernt sie César Frank kennen, der am Konservatorium lehrt und sie dort gerne vorstellen möchte. Sie wird angenommen uns studiert mit Erik Satie und Claude Debussy. Am Konservatorium lernt sie den Sänger und Dichter
Amédée-Louis Hettich kennen. Die beiden verlieben sich und halten ihre Liebe längere Zeit geheim, aber als Amédée bei Mélanies Eltern um ihre Hand anhält, verweigern diese die Zustimmung und Mélanie muss vom Konservatorium
abgehen. Sie wird an einen deutlich älteren vermögenden Witwer verheiratet, der fünf Söhne in die Ehe mitbringt. Damit verschwindet Musik für eine ganze Zeit aus ihrem
Leben. Erst mit ihrem ersten eigenen Kind findet sie wieder Zugang zum Klavierspielen und zum Komponieren.
Nachdem Amédée wieder nach Paris zurückkommt, treffen sich die beiden, sie vertont seine Lieder, die auch unter ihrem Pseudonym Mel Bonis, einem Männernamen, veröffentlicht werden. Und die beiden beginnen eine geheime
Beziehung. In dieser Zeit ist Mel unglaublich produktiv und schreibt viele Klavierstücke.
Dies ist die Geschichte einer Frau, die in gesellschaftlichen Zwängen lebt, sie doch umgeht und sich zumindest zeitweise emanzipiert. Eine Geschichte voll Musik, Liebe, Trauer und Wut. Und die Geschichte einer Frau, deren Musik es unbedingt
lohnt, wiederentdeckt zu werden, erzählt in einer ganz besonderen Sprache und mit eigenem Rhythmus.
Sabine Müller


Eine mutige Frau steht zu ihrer Berufung
In ihrem Roman „Die Komponistin“ erzählt Alissa Wenz die Geschichte der französischen Komponistin Mélanie Bonis, die unter dem geschlechtsneutralen Namen „Mel Bonis“ ihre heute fast vergessenen Werke veröffentlichte.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert verschafft diese sich in einer dominanten Männerwelt (Kommilitonen waren z.B. Claude Debussy und Erik Satie) Gehör.
Ihre Liebe zum Sänger und Dichter Amédée-Louis Hettich wird von ihrer Familie nicht geduldet und sie heiratet einen wohlhabenden älteren Witwer mit fünf Kindern. In der Folge durchlebt sie eine künstlerische Schaffenskrise. Nach Jahren findet sie wieder zusammen mit ihrem Geliebten und er wird erneut zur Quelle ihrer Inspiration. Doch dann droht sie, an ihrem Doppelleben und einem für sie äußerst dramatischen Ereignis zu zerbrechen.
Die Du-Perspektive ist eher ungewöhnlich, schafft aber immer mehr Nähe zu Mélanies Gefühls- und Gedankenwelt. Es geht Alissa Wenz also nicht um eine sachliche Darstellung des Lebens von Mélanie Bonis, sondern um das emotionale Nachempfinden des Lebens dieser Künstlerin und der Roman enthält zahlreiche fiktionale Elemente.
Christa Seitz

Allein das Buch ist eine Empfehlung wert. Ein besonderes Highlight wird aber die Begegnung mit der Autorin selbst sein, die am 24. April 2027 im Löwensaal in Remchingen-Nöttingen aus ihrem Roman lesen wird. Außerdem wird Sontraud Speidel mit einigen Stücken von Mel Bonis den Abend bereichern.
Freuen wir uns auf ein außergewöhnliches Ereignis!
 

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Ein unglücklicher Tod (Peter Grainger)

Ein unglücklicher Tod

Peter Grainger

Ein Fall für DC Smith
Mit DC Smith hat auf dem Kommissariat in Norfolk keiner mehr gerechnet. Es wurde ihm nahegelegt, in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Was für ihn wiederum nicht in Frage kommt. So beginnt er in einem scheinbaren Routinefall zu ermitteln. Ein 17jähriger ist in einem Fluss ertrunken. Eine Fremdeinwirkung konnte bisher nicht festgestellt werden, nur die auffällige Kopfverletzung lässt den Kommissar stutzig werden. Und so nähert sich DC Smith beharrlich und hartnäckig der Wahrheit, unterstützt von dem Polizeianwärter Chris Waters. Der Autor Peter Grainger hat bereits im Jahr 2013 mit der Krimireihe begonnen und mittlerweile 17 Fälle für DC Smith geschaffen. Die ersten 3 Bände sind jetzt erfreulicherweise ins Deutsche übersetzt worden. Die Krimis kommen ohne viel Blutvergießen und Gewalt daher und überzeugen mit einem sympathischen und eigenwilligen Ermittler, den man bei seiner Arbeit gerne begleitet.
Patricia Mock
 

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Gnade vor Recht (Peter Grainger)

Gnade vor Recht

Peter Grainger

Ein neuer Fall für DC Smith
DC Smith ermittelt in seinem zweiten Fall in einem Seniorenheim. Die ältere und kränkelnde Joan Riley ist verstorben. Doch es scheint alles zu friedlich, niemand stellt Fragen oder ist verwundert. Außer DC Smith, er bohrt nach und beginnt zu ermitteln, dann stellt sich heraus: Es war kein natürlicher Tod und sie war nicht die Einzige…
Britta Pailer

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Kill for me (Steve Cavanagh)

Kill for me

Steve Cavanagh

Sie tötet deinen schlimmsten Feind. Wenn du ihren tötest...
Im Mittelpunkt stehen mit Amanda und Wendy zwei vom Leben gebrochene Frauen, die es nicht ertragen können, dass die Mörder ihrer Töchter – obwohl sie bekannt sind – nicht bestraft werden. Sie kennen nur ein Ziel - die Täter zu töten. Da der Verdacht verständlicherweise direkt auf die jeweils betroffene Mutter fallen würde, tauschen beide kurzerhand die Rollen. 
So schließen sie einen Pakt: Amanda wird den Mann töten, der Wendys Tochter vergewaltigt und ermordet hat. Und Wendy wird Wallace Crone umbringen, den Mörder von Amandas kleiner Jess. Doch der Plan geht schrecklich schief. Denn eine der beiden spielt ein falsches Spiel …
Es gibt daneben verschiedene Verbrechen und Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Wenn Cavanagh dann die Fäden zusammenführt, fällt es dem Leser wie Schuppen von den Augen.
Spannend bis zur letzten Seite!
Barbara Casper

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Das Ding der Unmöglichkeit (Belinda Bauer)

Das Ding der Unmöglichkeit

Belinda Bauer

Spannend, schräg, britisch
Wales, 2026. Nick und seine Mutter werden in ihrem Cottage überfallen, gefesselt und beraubt. Gestohlen wird jedoch nur eine, zugegeben sehr schön gestaltete, Holzschatulle mit einem roten Lummen-Ei. Nick und sein Freund Patrick, der die beiden gefunden hat, versuchen herauszufinden, was es mit diesem Diebstahl auf sich hat.
Das Ei hat hundert Jahre zuvor die sechsjährige Celie Sheppard in den Steilklippen von Bempton in Yorkshire gesammelt und damit eine Reihe von Ereignissen ausgelöst, die bis in die heutige Zeit wirken.
Was ist das für ein ungewöhnlicher, großartiger, spannender und sehr britischer Krimi und Abenteuerroman! Die Autorin verknüpft Fakten, denn das sogenannte Metland-Ei (eigentlich eine ganze Serie von Eiern einer einzigen Lumme) gibt es wirklich. Belinda Bauer erzählt auf zwei Zeitebenen von Bauern, die sich, weil reiche Sammler dafür gut bezahlen, in die Klippen abseilen, um besondere Eier zu sammeln. Sie erzählt von Missgunst und Raub, Betrug und Habgier, und von der Freundschaft zwischen Nick und Patrick. Ein außergewöhnliches Lesevergnügen. 
Sven Puchelt

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Eine zu viel (Samantha Hayes)

Eine zu viel

Samantha Hayes

Spannendes Familiendrama
Nach dem Tod ihres Mannes lädt Connie ihre drei Töchter und deren Familien noch einmal zu einem gemeinsamen Urlaub in die Familienhütte in der Einsamkeit der schottischen Highlands ein, in der man gemeinsam so viele Sommer verbracht hat. Aber natürlich geht es nicht nur um Erinnerungen, sondern um das Testament, das der Familienvater Ray hinterlassen hat und in diesem Zusammenhang um ein großes Geheimnis, das Connie lüften will und muss. 
In wechselnden Perspektiven und Zeitebenen erleben wir nun die Beziehung der Familienmitglieder untereinander und erfahren, dass es längst nicht nur das eine große immer totgeschwiegene Familiengeheimnis gibt, sondern jede und jeder einzelne sich mit Geheimnissen und Unwahrheiten umgeben hat. Nichts ist wie es scheint – das ist spannend, wendungsreich und überraschend geschrieben, das Wetter wechselt ebenso schnell wie wir als Leser neue Überraschungen erleben. Das Unwetter am Ende führt schließlich zum letzten großen Knall – ein spannender und gelungener Psychothriller!
Andrea Theilmann

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Der Prätorianer (Tobias Bukkehave)

Der Prätorianer

Tobias Bukkehave

Nichts für schwache Nerven! 
Schnee und eisige Kälte haben sich über die Stadt gelegt, als Kriminalkommissarin Sara Levin und ihr Partner Janus West zu einem schaurigen Tatort gerufen werden. Ein junger Mann wurde ermordet aufgefunden und seine Leiche auf besondere Weise inszeniert: Im Schein hunderter Kerzen sind die Augen des Opfers mit antiken Goldmünzen bedeckt und lateinische Inschriften in seine Haut geritzt, während eine feine Schicht Eiskristalle den Körper bedeckt. Diese bizarre Entdeckung entpuppt sich als der erste einer Reihe brutaler Ritualmorde. Auf der Jagd nach einem offenbar von der Antike besessenen Killer kontaktieren die beiden Ermittler Saras Bruder Adam, einen auf Serienverbrechen spezialisierten Profiler. Einst standen sich die Geschwister nahe, doch seit der Verurteilung ihres Vaters Christian Levin wegen Mordes haben sie sich entfremdet. Als sich herausstellt, dass die beiden Goldmünzen ausgerechnet Christian Levin zu gehören scheinen, droht der Fall zu Saras persönlicher Zerreißprobe zu werden.
Britta Pailer

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Seltsame Slly Diamond (Liz Nugent)

Seltsame Slly Diamond

Liz Nugent

Ungewöhnlich!
Die Geschichte beginnt sehr irritierend: Sally Diamond, eine zurückgezogen lebende Frau, verbrennt ihren Vater nach dessen Tod in einer Feuerschale im Garten – genau so hatte es ihr Vater immer gesagt: „Wenn ich sterbe, kannst du mich einfach mit dem Müll entsorgen.“ Als Sally den letzten Wunsch ihres Vaters umsetzt, löst sie damit großes Aufsehen in ihrer irischen Kleinstadt aus. Was wie eine skurrile Groteske beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tiefgründigen Drama über Traumata und eine verstörende Vergangenheit. Dank wechselnder Erzählperspektiven gelingt es Liz Nugent, eine außerordentliche Spannung aufzubauen. Besonders berührt hat mich die Entwicklung der Hauptfigur: Sally wandelt sich im Laufe der Handlung von einer naiven und unsicheren Außenseiterin zu einer starken Frau, die sich ihrer Vergangenheit stellt und lernt, echte Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt. 
Ulla Leber 

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Secret - Du sollst mich fürchten (S.T. Abby)

Secret - Du sollst mich fürchten

S.T. Abby

Einfach großartig!
In einer Kleinstadt in Virginia häufen sich die Morde an Männern.
Logan Bennett, FBI-Agent und aufstrebender Profiler, zieht alle Register um den Serienkiller
zu schnappen. Bis er auf Lana Myers trifft, die ihm auf charmante und intelligente Art den
Kopf verdreht. Lana Myers - hauptberuflich Firmenleiterin, nebenberuflich Serienkillerin.
Lana Myers, welche Rache geschworen hat an den Männern, die ihr Leben zerstört haben.
Und die Lana Myers, welche langsam beginnt, sich in den Profiler, ihren größten Feind, zu
verlieben.
Rasante Spannung und packende Details - ein Krimi, den man nicht mehr aus der Hand
legen kann.
Nicole Heller

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Kanakenkind (Luigi Toscano)

Kanakenkind

Luigi Toscano

„Gegen das Vergessen“ – von New York, Wien, Kiew, Rom, Berlin… Königsbach und Kämpfelbach!
In seinem Buch „Kanakenkind“ erzählt Luigi Toscano schonungslos offen von seiner Kindheit in den prekären Verhältnissen einer italienischen Gastarbeiterfamilie, seiner Flucht in Drogen und wie er schließlich als Fotograf seine Bestimmung fand. Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeit ist die Erstellung von Porträts von Überlebenden des Holocaust und die Dokumentation ihrer Erlebnisse im Dritten Reich, seine aufwühlenden Begegnungen mit diesen Menschen und wie es ihm gelingt, trotz oft widriger Umstände seine Bilder an prominenten Orten in Europa und Amerika auszustellen. Dabei spart er auch die unterschiedlichen Reaktionen auf diese Ausstellungen nicht aus und was diese Reaktionen emotional in ihm auslösen.
Luigi Toscano brennt für seine Arbeit, geht auch an Schulen und an weniger bekannte Orte wie Königsbach oder Kämpfelbach – vielleicht konnten Sie ihn bei seinem fesselnden Vortrag in Bilfingen im Juli dieses Jahres selbst erleben oder einige seiner Bilder auf dem Schulhof von Realschule und Gymnasium in Königsbach sehen?
Authentisch, manchmal verstörend und sehr aktuell – ein leider notwendiges Buch, dem man viele Leser wünscht.
Christa Seitz

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Gärtnern für die Artenvielfalt (Jasmin Schreiber)

Gärtnern für die Artenvielfalt

Jasmin Schreiber

Anleitung für einen lebendigen Garten
Jasmin Schreiber studierte Biologe, ist aber mittlerweile sehr erfolgreich als Schriftstellerin sowohl von Sachbüchern als auch von Romanen (z.B. Mariannengraben). In ihrem neuesten Buch beschreibt sie, wie jeder Garten – ob groß oder klein – aktiv zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen und dabei zur lebendigen Oase für Mensch, Tier und Pflanze werden kann. Mit viel Hintergrundwissen und Praxistipps aus ihrem Schreber- und Dachgartenalltag macht sie Lust, den eigenen Garten umzugestalten. Dass Jasmin Schreiber gut erzählen kann, bekommt dem Buch: es ist kein nüchternes Sachbuch, sondern liest sich sehr unterhaltsam. Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossene Themenbereiche, so dass man/frau das Buch nicht chronologisch lesen muss, sondern nach Lust und Gartenlaune. Allerdings macht es Sinn, das 1. Kapitel „Wem gehört der Garten“ zuerst zu lesen.
Margret Thorwart

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