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Erwachsene Frühjahr 2026

Erwachsene Frühjahr 2026

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen (Lisa Ridzén)

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Lisa Ridzén

Vom Wert der Erinnerungen 
Nachdem der Titel mich zunächst an einen der beliebten Herz-Schmerz-Schmöker erinnerte,
haben mich sofort die ersten beiden Sätze im Buch begeistert. „Ich spielte mit dem Gedanken, ihn zu enterben. Ich könnte dafür sorgen, dass er leer ausgeht.“
Das klang nicht nach Lore-Roman. Die Sätze stammen aus dem Mund von Bo Andersson, 89 Jahre alt, noch alleinlebend in einem abgeschiedenen Haus in Nordschweden.
Die Sätze beziehen sich auf seinen Sohn Hans, der ihn seiner Meinung nach viel zu selten besucht und ihm jetzt auch noch den letzten Gefährten, seinen Hund Sixten wegnehmen möchte. Angeblich sei er nicht mehr in der Lage, auf ihn aufzupassen. Leider schließt sich auch seine geliebte Enkelin Elinor dieser Meinung an. Bos Frau ist seit einigen Jahren in einem Pflegeheim für Demenzkranke und erkennt ihn leider nicht mehr, wenn er sie besucht.
Bo erinnert sich an sein Leben mit ihr, an seine Kindheit und Jugend bei einem viel zu harten Vater, an seinen alten Freund Tude. Täglich schaut der Pflegedienst vorbei, um beim Duschen und Kochen zu helfen. Diesen versucht Bo auf seine Seite zu ziehen, damit er den Hund behalten kann, leider ohne Erfolg. Die Berichte des Pflegedienstes zu Bos Verfassung durchziehen das Buch wie ein roter Faden. Die Idee zu diesem Buch kamen der Autorin tatsächlich, nachdem sie ein Heft mit Notizen entdeckt hat, das das Pflegeteam ihres Großvaters hinterlassen hatte.
Ein bewegendes Buch über Familie, Freundschaft und das Altwerden, voll Schmerz, aber auch voll Empathie, in Schweden erhielt es den Preis der Buchhändler*innen.
Sabine Höll 

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Heimliche Zeilen (Clare Chambers)

Heimliche Zeilen

Clare Chambers

Es ist nie zu spät fürs Leben 
Christopher Flinders ist der Held in Clare Chambers Roman „Heimliche Zeilen“ von 2007, der jetzt auf Deutsch im Eisele Verlag erschienen ist. Scheinbar im Leben gescheitert, hat es sich der Feingeist Chris in seinem zurückgezogenen Leben im tiefsten Yorkshire so richtig schön eingerichtet. Aufgemischt wird das Idyll nur gelegentlich von seiner leicht verstörenden Ex-Frau Carol und seinem exzentrischen Bruder Gerald. Allein wegen dieser beiden Protagonisten lohnt sich das Lesen dieses Romans, sorgen sie doch für einige wirklich schreiend komische Momente. Clare Chambers zeichnet ihre Figuren so liebevoll und unglaublich real, dass ich bestimmt nicht die Einzige bin, die zum Beispiel Gerald viel Ähnlichkeit zum wohl berühmtesten Mitbewohner der Filmgeschichte attestiert. Doch Chris, und damit die Autorin, führt uns beim Lesen gerne aufs Glatteis, wenn mit viel typisch englischer Selbstironie das eigene Scheitern kultiviert und die Gründe dafür in einem unbedeutenden Satz kurz angerissen werden. Wenn Chris davon spricht, warum es ihn in den Achtzigern in die Einsamkeit des Nordens verschlagen hat, wird lapidar über Enttäuschungen und Katastrophen gesprochen, aber so wenig daher gemacht, dass man als Leser die Brisanz leicht übersieht. Doch dann ändert ein Brief alles und unser Held wird gezwungen, sich mit seiner verdrängten Vergangenheit auseinanderzusetzen. Langsam entblättert sich eine neue Geschichte. Der junge Christopher kehrte als angehender Autor seinem Studium den Rücken. Er fand einen Fürsprecher im Verlagswesen und sein Mentor Owen Goddard eröffnete ihm eine völlig andere Welt, lud ihn zu sich nach Hause ein und stellte ihn anderen literarischen Größen vor. Die Zukunft sah hoffnungsvoll aus. Doch dann verliebte sich Chris in die falsche Frau. Es kam zu einer bittersüßen Liebesgeschichte, voll verstohlener Begegnungen und Schuldgefühlen und das Ganze endete tragisch. Doch die Autorin gibt ihrem Roman am Ende eine neue Wendung, eine, die der Roman, unser Held und auch wir verdient haben. Clare Chambers weiß mit feiner Sprache und klug gesetzten Rückblicken eine Geschichte zu erzählen, die begeistert. 
Elke Weirauch-Glauben 

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Trag das Feuer weiter (Leïla Slimani)

Trag das Feuer weiter

Leïla Slimani

Faszinierender Abschluss der Familientrilogie
Dieser Roman ist das hervorragende Finale der marokkanisch-französischen autobiographischen Familiengeschichte Slimanis.
Für den ersten Teil ihrer Trilogie „Dann schlaf auch du“ erhielt sie vor zehn Jahren den Prix Goncourt. Auch dieser letzte Teil verbindet gekonnt Weltgeschichte mit der persönlichen.
Die Handlung führt von 1980 bis in die heutige Zeit und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Die Protagonistin Mia Daoud, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, leidet an den Spätfolgen einer Covid-Erkrankung, kann sich nicht mehr konzentrieren und vor allem nicht mehr schreiben. Auf Anraten ihres Arztes reist sie nach Marokko, das Land ihrer Kindheit, um sich dort auf die Spuren ihrer Familiengeschichte zu begeben. Sie und ihre jüngere Schwester Ines, aus einer sehr privilegierten Schicht stammend, Mutter Gynäkologin, Vater Bankdirektor, haben früh gelernt, zwischen Außen- und Innenwelt ihres zwischen Islamisten und Modernisten zerrissenen Landes zu unterscheiden.
Während ihre Schwester sich weitgehend anpasst, bricht Mia aus, um in Paris ein neues, selbst gestaltetes Leben zu führen.
Der distanzierte Vater wird erst nahbar, als er unvermittelt seinen Job als Bankdirektor verliert und ohne Angaben von Gründen plötzlich im Gefängnis landet.
Es gibt keine platten Lösungen, große Themen wie Selbstfindung, Freiheit, Heimat und Fremde werden literarisch ohne Besserwisserei und immer mit einem liebevollen Blick auf die Menschen behandelt. Immer wieder finden sich Sätze im Buch, die man gerne unterstreichen und bewahren möchte.
Sabine Höll

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Liefern (Tomer Gardi)

Liefern

Tomer Gardi

Dem System ausgeliefert
Tomer Gardis Roman lässt uns tief in die Welt der Essenslieferanten blicken. Und das auf ganz besondere Art und Weise. Den sechs Erzählungen liegen viele Interviews zugrunde, welche der Autor vor Ort mit vielen „Ridern“ geführt hat. Hierfür ist er in die Metropolen Tel Aviv, Delhi, Istanbul, Buenos Aires und Berlin gereist. Das zeigt schon, dass es sich hier um einen weltumspannenden Roman handelt. Viele Figuren begegnen sich in den Erzählungen durch zufällige Begebenheiten. Wie zum Beispiel Filmon, der aus Eritrea vor dem Militärdienst nach Tel Aviv geflohen ist. Seine Frau und Tochter warten Jahre in Berlin auf ihn, während er versucht, ausreichend Geld mit maximalen Lieferungen zu verdienen. Und Pavan, welcher aus Indien nach Berlin gekommen ist, um Maschinenbau zu studieren. Es bleibt ihm allerdings kaum Zeit für Studium und Deutschkurs, da er zum einen versucht, ausreichend Geld durch Ausliefern zu verdienen und zum anderen seine Fernbeziehung aufrecht zu erhalten. Obwohl sich hier oft tragische Schicksale verbergen, geraten die Erzählungen nie ins Rührselige. Das Menschliche hinter dem anonymen System tritt hier stark in den Vordergrund. Ein toll komponierter Roman, welcher die eigene Privilegiertheit vor Augen führt. Sprachlich überraschend und lässig. 
Patricia Mock

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Moosland (Katrin Zipse)

Moosland

Katrin Zipse

Als junge Frau aus dem Nachkriegsdeutschland nach Island
Im Sommer 1949 kommt die junge Deutsche Elsa kriegstraumatisiert nach Island. Im Rahmen eines Anwerbeprogramms der isländischen Regierung waren knapp 300 Frauen in das ferne, unbekannte Land gezogen, um dort als Hausmädchen oder Mägde zu arbeiten. Während Elsas Freundin Gerda recht schnell Fuß fasst, hat Elsa lange Zeit Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Sie lebt und arbeitet auf einem abgelegen Bauernhof gemeinsam mit der Bauernfamilie, Bauer, Bäuerin und zwei Söhne, sowie einem Knecht. Elsa spricht zunächst nicht und so wird die Geschichte nicht in Dialogen erzählt. Katrin Zipse findet hier einen wunderbaren, kargen Erzählton, der Elsas Stimmungen, das raue Leben und die besondere Landschaft hervorragend einfängt. Elsa ist das Leben auf einem Bauernhof nicht gewohnt, sie fürchtet sich vor Hühnern und kann nicht reiten. Nur ganz langsam gewöhnt sie sich an die Rhythmen des Hoflebens und der Natur, aber ein Zuhause wird ihr der Hof lange nicht. Eines Tages findet Elsa Hinweise darauf, dass es wohl auch eine Tochter in der Familie gegeben hat und sie wüsste gerne, was aus dieser geworden ist.
Dieser wunderschöne, leise Roman entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Zipse beschreibt so klar, dass wir Lesenden uns mitten im Geschehen wähnen und sowohl die Familie und den Bauernhof wie auch die unglaubliche Landschaft Islands direkt vor uns sehen.
Sven Puchelt

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Der andere Arthur (Liz Moore)

Der andere Arthur

Liz Moore

Er steht am Rand
Zunächst lernen wir Arthur Opp kennen, einen ehemaligen Literatur-Professor Ende 50, der 250kg wiegt und das Erdgeschoss seines repräsentativen Hauses in Brooklyn seit 10 Jahren nicht mehr verlassen hat. Nicht weit von ihm entfernt lebt in schwierigen sozialen Verhältnissen der 17jährige Kel Keller mit seiner alleinerziehenden Mutter Charlene; aufgrund von deren Krankheit und Alkoholsucht sind die Rollen hier verkehrt und Kel ist es, der sich um sie und ihr gemeinsames Leben kümmert. Jeder auf seine Art fühlen sich sowohl Arthur als auch Kel sehr einsam. Verbindendes Element zwischen den beiden ist Charlene; der Professor und sie hatten vor 20 Jahren eine kurze Bekanntschaft und pflegen seitdem eine sporadische Brieffreundschaft.
Nun kommen die Männer völlig überraschend in Kontakt miteinander, was auf beiden Seiten eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt, die Arthur wie auch Kel die Chance geben herauszufinden, welcher ihr Platz im Leben ist und zu welchen Menschen sie gehören.
Ich freue mich sehr, dass dieser in den USA bereits 2012 veröffentlichte Roman der hierzulande mit „Der Gott des Waldes“ bekannt gewordenen Autorin nun auch auf Deutsch erschienen ist.
Melanie Weise
 

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Grüne Weller (Esther Schüttpelz)

Grüne Weller

Esther Schüttpelz

Schluss mit dem Selbstbetrug
Wir erleben eine junge Frau, die gerade mit ihrer besten Freundin im Kino war und nun in ihrem Auto nach Hause fährt. Durch eine Umleitung verfährt sie sich und – an der nächsten roten Ampel wird sie kurz das Handy zücken und ihrem Mann schreiben, dass sie sich verspätet. Und wenden. Aber die Ampel ist grün, die nächste auch, und auch die darauffolgende. Sie entfernt sich immer weiter von zu Hause. Dabei betrachtet sie sich selbst in ihrem Auto aus der Vogelperspektive, denkt über sich, über ihr Leben, ihre Karriere als Künstlerin und ihre Ehe nach. Und je länger sie fährt, desto unklarer wird, ob sie umkehren kann und will. Nach einer durchfahrenen Nacht, einem überfahrenen Reh und zwei Teenie-Tramperinnen, die ihrem Ego ein bisschen auf die Sprünge helfen, ist klar: so kann ihr Leben nicht weitergehen...
Ein atemloser Roman, dessen Hauptfigur mir trotz des distanzierten Stils sofort sympathisch und schnell ans Herz gewachsen war, deren Angst im Dunkeln und deren Müdigkeit in der langen Nacht mich haben mitleiden lassen – in der Hoffnung, dass sie nicht wendet. 
Ein Buch, das Sie bestimmt nicht aus der Hand legen können, wenn Sie einmal angefangen haben zu lesen!
Andrea Theilmann

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Villa Rivolta (Daniel Speck)

Villa Rivolta

Daniel Speck

Äußerst gelungenes Familien- und Zeitporträt
Viele kennen Daniel Speck bereits als brillanten Erzähler von „Piccola Sicilia“ oder „Bella Germania“. In seinem neuen Roman „Villa Rivolta“ setzt Speck diese Tradition fort. Im Zentrum der Handlung steht Valeria, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, aber ihre Kindheit und Jugend überwiegend im vornehmen Haus der Rivoltas verbringt, wo ihre alleinerziehende Mutter als Hausangestellte arbeitet. Mit den Rivoltas, die in der Nachkriegszeit vor allem mit schnellen und luxuriösen Fahrzeugen zu enormem Reichtum gelangt sind, verbindet sie ein lange gehütetes Geheimnis. Piero Rivolta, der Sohn, und Valeria wachsen zusammen auf und empfinden eine tiefe Seelenverwandtschaft füreinander. Können sie die soziale Kluft überwinden und finden sie einen gemeinsamen Weg?
Daniel Speck erzählt seine Geschichte flüssig und realitätsnah vor dem Hintergrund des wachsenden Wohlstands der Nachkriegsjahre bis zu den sozialen Spannungen in den 60er und 70er Jahren. Er stützt sich in seiner Erzählung auf Recherchen zu und mit den Rivoltas und erschafft ein äußerst gelungenes Familien- und Zeitporträt.
Absolut empfehlenswert!
Christa Seitz

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Die Riesinnen (Hannah Häffner)

Die Riesinnen

Hannah Häffner

Die Sehnsucht nach dem Gehen und Bleiben
In dem kleinen Schwarzwalddorf Wittenmoos leben die drei Riesinnen, Liese, Cora und Eva. Nicht nur optisch unterscheiden sich die drei Frauen, die drei Generationen einer Familie verkörpern, von den anderen Dorfbewohnerinnen. Keine der anderen
Frauen ist so groß und knochig, hat so seltsam helle Haare. Aus dem Nachnamen Riessberger wird schnell der Spitzname, der sich auch in der dritten Generation nicht verliert. Liese lebt in den sechziger Jahren in einer unglücklichen Ehe mit Bernhard, dem Sohn des Metzgers. Fort wollte sie, nicht im Dorf bleiben und jetzt fühlt sie sich angekettet und unverstanden. Erst die Geburt ihrer Tochter versöhnt sie mit ihrem Schicksal, gibt ihr die Kraft zum Bleiben. Die Ehe wird noch unglücklicher, als der erwartete Stammhalter ausbleibt. Bernhard richtet seinen Zorn gegen Frau und
Tochter. Als Bernhard bei einem Unfall stirbt, gilt Lieses größte Sorge, trotz stiller Erleichterung, ihrer Tochter. Für sie gestaltet und plant sie ihr Leben, ringt den Schwiegereltern die Metzgerei ab. Es kostet Liese viel, das Bleiben in Wittenmoos.
Als die Tochter Cora erwachsen wird, zieht es diese hinaus in die Welt. Sie will die Wurzeln abschütteln, den Wald verlassen und Liese lässt sie ziehen. Aber Cora kehrt zurück, schwanger und voller Zorn. Wieder ist es ein neues Leben, die kleine Eva,
das Wurzeln bildet in dem kleinen Schwarzwalddorf. Cora wandelt ihre Wut in Kraft und schafft es, sich auch eine Existenz aufzubauen. Gegen alle Widerstände eröffnet sie ein eigenes Restaurant, wird mit zähem Ringen erfolgreich. Auch sie muss viel Lehrgeld zahlen und bleibt nicht ohne Blessuren. Eva weiß von den drei Frauen am ehesten um ihre Wurzeln und überhaupt spielt der Wald in ihrem Leben eine große Rolle. Wen wundert es, dass sie den Beruf der Försterin ergreift. Das Leben für die Riesinnen ist nicht einfach und sie machen es sich auch nicht leicht. Vielleicht ist es das wunderschön gestaltete Titelbild, das einem unwillkürlich das Bild der drei Tannen eingibt, die den Stürmen trotzen und sich treu bleiben. Hochgewachsen und stolz behaupten sie sich im Leben. Ein besonderer Zauber des Romans von Hannah Häffner ist die poetische Einbindung des Waldes, die wunderschön beschriebenen Bilder, die auch die äußeren und inneren Welten der drei Riessberger Frauen widerspiegeln. Es ist ein höchster Genuss, dieses Buch zu lesen und sich auf die drei
eigenwilligen Frauen einzulassen.  Ein Roman, der nachdenklich stimmt und einen nicht so schnell loslässt.
Elke Weirauch-Glauben

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Wahnsinnszeit (Mechthild Lanfermann)

Wahnsinnszeit

Mechthild Lanfermann

Zur Wende
Mechthild Lanfermanns posthum erschienener Roman spielt in den Jahren 1989 bis 1991. Im Mittelpunkt steht die 19jährige Eliza, die gerade ihr Studium beginnt und in der faszinierenden Ava, deren filmemachendem Freund Jo, dem reichen Unternehmersohn Thies sowie der zupackenden Maria erstmals Freunde findet und sich zugehörig fühlt, nachdem sie ihr Leben lang immer Außenseiterin war. Ava ist das strahlende Zentrum der Clique, die mit ihrem Elan alles zusammenhält.
Parallel zu den Beschreibungen der völlig unterschiedlichen familiären Hintergründe der fünf Persönlichkeiten sowie ihrer Freundschaft, Entwicklung und gemeinsamen Erlebnisse werden immer wieder die politischen und gesellschaftlichen Bewegungen und Geschehnisse jener Zeit geschildert; kleine Reminiszenzen wie eine Geburtstagskerze in einem Yes-Torty machen Spaß, wenn man damals schon dabei war. Mit pointiertem Witz kommentiert die erzählende Eliza ihre Umwelt, wenn sie etwa von den mitstudierenden „Stern-und-Spiegel-Abo-Mädchen“ oder dem „Kommunikations-Schlauberger“ Paul Watzlawick spricht.
In ihrer symbiotischen Beziehung zu Ava kann und will Eli zunächst nicht sehen, dass deren Verhalten immer seltsamere Züge annimmt, sie große psychische Probleme hat, die sich mehr und mehr offenbaren. Sie ist lange der Meinung, es seien die Zeiten, die verrückt sind – und nicht Ava. Unter diesem Aspekt gewinnt der Titel des Romans eine ganz andere, wichtige Bedeutung hinzu. Besonders und lesenswert.
Melanie Weise 

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Alt genug (Ildikó von Kürthy)

Alt genug

Ildikó von Kürthy

Ehrlich & warmherzig
Sie ist endlich alt genug. Alt genug für bequeme Unterwäsche und für unbequeme Wahrheiten. Sie lacht nicht mehr über jeden blöden Witz.
"Alt genug" von Ildikó von Kürthy feiert Mut und Gelassenheit in der Lebensmitte. Mit Humor und Tiefe erzählt sie von Abschieden, Neuanfängen und Selbstakzeptanz – vom Topmodel-Versuch bis zur Nacht in New York. Ein ehrliches Buch über reifen, frei sein und ankommen: tröstlich, klug und nah für alle, die mitten im Leben stehen. Jede Frau ab 50 wird sich in diesem Buch wiederfinden.
Britta Pailer

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Die Fabrik (Hiroko Oyamada)

Die Fabrik

Hiroko Oyamada

Faszinierend & beklemmend
In einem nur „Die Fabrik“ genannten Unternehmen in Japan heuern drei mehr oder weniger gescheiterte Personen neu an. Da wäre der Wissenschaftler, der alleine die Begrünung der Dächer der Fabrikgebäude vorantreiben soll, wobei allen Beteiligten klar ist, dass es für eine Person überhaupt nicht bewältigbar ist. Die studierte junge Frau, die sich eigentlich für eine unbefristete Stelle bewirbt, dann aber vorlieb mit einer befristeten Stelle als Bedienerin mehrerer Schredder nimmt und ihr Bruder, der die ominöse Aufgabe zugeteilt bekommen hat, Texte zu korrigieren, die vollkommen wahllos erscheinen und die nach erfolgter Korrektur noch fehlerhafter wieder auf seinem Tisch landen. Und dann gibt es noch Nutrias, die sich wie eine Plage auf dem Gelände ausbreiten, Waschmaschineneidechsen und die schwarzen Vögel, die sich vermehren ohne je Eier zu legen. Dies alles erzählt Oyamada in einer erdrückenden, eindrucksvollen Sprache, die die Arbeitsverhältnisse in Japan zutage treten lässt und uns als Mahnbild dienen kann. Hier verlieren Menschen ihre Menschlichkeit beim Arbeiten, nicht durch Grausamkeiten oder explizite Gewalt, sondern durch gesellschaftliche Konventionen, die alle Freude verhindern.
Cedric Strauß

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Die Liebe später (Gisa Klönne)

Die Liebe später

Gisa Klönne

Das Leben auf dem Prüfstand
Nach einer Herz-OP findet die 60jährige Kora nicht mehr so recht zurück in ihr altes Leben als erfolgreiche Journalistin und Ehefrau. Das Herz schlägt zwar wieder regelmäßig, aber an vielem was sich vorher richtig angefühlt hat, beginnt sie plötzlich zu zweifeln. An ihrer langjährigen und glücklichen Beziehung mit Anselm, der seine Rente eingereicht hat. Die ihm verbleibende Zeit will er mit Kora genießen und endlich aufgeschobene Träume verwirklichen. Aber sind seine Träume auch ihre? Als Anselm noch in Berlin gearbeitet und nur das lange Wochenende in Köln verbracht hat, war die Mischung von Nähe und Distanz perfekt. In dem aus dem Takt geratenen Alltag findet sich Kora nicht zurecht. Mit Wehmut erfüllt sie auf einmal die Kinderlosigkeit ihrer Ehe.  Als ihr dann auch noch nahegelegt wird, in eine Art Ruhestand zu gehen, flüchtet Kora aus ihrem alten Leben. Sie begibt sich auf eine Reise zu Menschen und Orten, die sie als junge Frau geprägt haben, mit dem Ziel herauszufinden, was gut ist, was sie verändern muss und was sie akzeptieren kann.
Gisa Klönne erzählt sehr lebensnah die Geschichte einer „alten“ Liebe auf dem Prüfstand und über ein Leben im Umbruch. Ein schweres Thema, das sich trotzdem gut lesen lässt. 
Margret Thorwart

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Nahaufnahme einer Frau, die sich entfernt (Bodo Kirchhoff)

Nahaufnahme einer Frau, die sich entfernt

Bodo Kirchhoff

Eine Frau geht ihren Weg 
Bereits zu Beginn des Romans ist klar, dass seine Frau ihn verlassen haben wird. Vigo, der Erzähler, lässt uns aus der Perspektive von Terese auf ihr 50jähriges gemeinsames Leben blicken und kann dabei doch seine eigenen Empfindungen nicht immer heraushalten. So erfährt man auch – durchaus selbstkritisch – vieles über den Erzähler selbst. Ein spannendes literarisches Unterfangen!
Vigo ist alleine nach Indien gereist, wo er für ein Buchprojekt zu seiner Vision einer waffenlosen Welt recherchiert. Besorgt und wütend, da sie nichts von ihm hört, reist ihm Terese nach, findet ihn nicht und wird dann ihrerseits von Vigo gesucht. Terese hat sich in einen jüngeren Deutsch-Inder verliebt, der eine gemeinsame Zukunft mit ihr aufbauen will… 
Eine weitere schicksalhafte Wendung erfährt Tereses Leben, als sie in Mumbai eine Ukrainerin kennenlernt. Am meisten aber dürfte sie die Liebe zu ihrem ehemaligen Mentor Hans Schellenberg geprägt haben, mit dem sie auch nach dem Ende der sexuellen Beziehung intellektuell eng in Verbindung steht.
Dann ist da noch Ava, die Tochter von Terese und Vigo, die im Londoner Finanzdistrikt arbeitet und ausgerechnet einen Major der deutschen Bundeswehr heiraten will. So drängt sich immer wieder das aktuelle politische Tagesgeschehen bis in die unmittelbare Gegenwart in die persönliche Geschichte der Hauptfiguren hinein. 
Die Sprache des Erzählers ist direkt und klar und schonungslos offen, die Sätze teils länger, dem Gedankenfluss der Hauptfigur folgend. Faszinierende Bilder aus Indien und bunte Straßenszenen aus Mumbai kontrastieren mit einer kalten und verregneten Welt in Deutschland und England und schaffen ein wunderbares Lokalkolorit.
Ein fesselnder Roman, den ich nur ungern aus der Hand gelegt habe.
Christa Seitz

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Real Americans (Rachel Khong)

Real Americans

Rachel Khong

Fesselnd & vielschichtig
1999 – New York zur Jahrtausendwende: Lily, Anfang 20, Tochter chinesischer Einwanderer die viel dafür getan haben, möglichst „amerikanisch“ zu werden, ist auf der Suche nach ihrer Identität. Auf einer Party begegnet sie scheinbar zufällig Matthew, Sohn einer außerordentlich reichen amerikanischen Familie, und eine traumhafte Liebesgeschichte beginnt – sie heiraten und bekommen, nach mehreren Fehlgeburten, mithilfe künstlicher Befruchtung einen Sohn. Das Glück scheint vollkommen.
2021 – Lily lebt mit ihrem Sohn Nick allein auf einer weit abgelegenen Insel, 
sie hat den Kontakt zu Matthew abgebrochen und unterbindet Nicks Kontakt zu seinem Vater. Nick sucht nach seinem Vater und stößt auf verstörende Geheimnisse.
2030 – Mai, Wissenschaftlerin, Lilys Mutter und Nicks Großmutter, erzählt die Familiengeschichte aus ihrer Perspektive, der, der Migrantin aus dem China Maos.
Ein fesselnder und vielschichtiger Roman dreier Generationen über Herkunft, Identität, (Selbst)Bestimmung, Rassismus, Ethik und Zeitgeschichte.
Barbara Sigel-Lochner

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Laute Nächte (Anne Freytag)

Laute Nächte

Anne Freytag

Wunden und Werden
Kenni ist 19 und in tiefer Trauer, da er seine Freundin Jasmin durch einen Verkehrsunfall verloren hat. In seiner Heimatstadt München hält er es nicht mehr aus und zieht nach Wien in eine WG, in der 5 ganz unterschiedliche Leben und Charaktere aufeinandertreffen. Unter seinen Mitbewohnern findet er in Paul erstmals einen wahren Freund, während er sich zu Elif zwar hingezogen fühlt – sich das aus Loyalität seiner verstorbenen Freundin gegenüber jedoch nicht eingestehen möchte. Als Kenni und Elif zusammen die Reise antreten, die er eigentlich mit Jasmin hatte machen wollen, endet diese in einem Desaster.
Im Folgenden erfährt die Geschichte einige große Zeitsprünge; zunächst von 2002 ins Jahr 2011, in dem Kenni als Künstler seine erste Ausstellung eröffnet und die Freunde anlässlich dessen erstmalig wieder aufeinandertreffen, und letztlich in die Gegenwart.
Sehr empathisch und toll beschrieben sind die unterschiedlichsten Gefühle und emotionalen Wendungen, die Kenni im Lauf der Zeit durchlebt, sowie die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Mitbewohnern.
Ein toller Roman um Verletzungen, Verluste, Liebe, Freundschaft und Ankommen.
Melanie Weise

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Der Gesang der See (Trude Teige)

Der Gesang der See

Trude Teige

Das Meer und die Landschaft prägen die Menschen
Eine kleine Fischerinsel an der norwegischen Westküste, 19. Jahrhundert. So karg wie die Landschaft ist auch das Leben der Inselbewohner. Die dörfliche Gemeinschaft ist streng patriarchalisch geregelt. Nach dem Tod ihres Mannes muss sich die junge, schwangere Kristiane in dieser Männergesellschaft behaupten. Sie ist Schifferin, darf aber den Lotsenposten, der schon seit Generationen in ihrer Familie weitergegeben wurde, nicht selbst übernehmen. Und man lässt ihr nur wenig Zeit, eine Entscheidung zu treffen.
Mit großer Willensstärke übernimmt Kristiane die Verantwortung für ihre Mutter, ihre Schwester und den kleinen Sohn, widersetzt sich allem, was sie als ungerecht empfindet. Dabei handelt sie oft impulsiv, ohne die Folgen ihrer Worte oder Handlungen zu bedenken. In Lars findet sie einen neuen, zuverlässigen Partner, aber da ist auch noch Fredrik, der ihre Leidenschaft weckt…
Großartig erzählt werden Menschen und Landschaft für den Leser lebendig.
Christa Seitz

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Stunden wie Tage (Shelly Kupferberg)

Stunden wie Tage

Shelly Kupferberg

Eine Frau überdauert die Zeiten
Dieser großartige Roman spielt in Berlin Schöneberg und umfasst große Teile des 20. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt in den 1930er und 40er Jahren liegt. Zentrale Figur ist die aus einfachen Verhältnissen stammende „Hausbesorgerin“ Martha E., sie kümmert sich um alle Belange des Schöneberger Mietshauses des jüdischen Brüderpaars Berkowitz. Sie kennt alle Bewohner, ihre Eigenheiten, ihr Glück und ihre Sorgen. Liane ist die Tochter eines der Berkowitz-Brüder, sie lernt als kleines Mädchen Martha kennen und findet bei ihr das, was ihr zu Hause fehlt, nämlich schlichte, liebevolle Zuwendung, Zeit, Ermutigung. Die freundschaftliche Verbindung bleibt auch bestehen, als die Katastrophen von Nationalsozialismus und Krieg über alle hereinbrechen. Bewohner des Mietshauses verschwinden und bringen sich um, die Berkowitz-Brüder fliehen, aber Liane gilt als arisch und bleibt. Sie lernt in diesen furchtbaren Zeiten die Liebe kennen und wird in eine Widerstandsgruppe hineingezogen. Als sie im Gefängnis landet, ist die persönliche Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Martha macht sich die schwersten Vorwürfe, war sie es doch, die Liane immer wieder ermutigt hat, trotz allem nach draußen zu gehen und ihr junges Leben zu genießen.
Nach dem Krieg ist wenig übrig vom früheren Schöneberg und seinen Bewohnern – einzig Martha streift durch die Straßen und sucht nach bekannten Gesichtern.
Auf fantastische Weise versteht es Shelly Kupferberg, das große und schwere Thema in einem kleinen Kosmos, dem Mietshaus und dem Stadtteil, erlebbar zu machen, die große Welt im Kleinen. Da Sprache und Stil wunderbar leicht sind, liest sich der Roman so gut, dass man jederzeit gefesselt ist, aber am Ende nicht niedergeschmettert, sondern eher atemlos zurückbleibt.
Shelly Kupferberg ist eine ganz große Erzählerin, die es schafft, ihren Lesern etwas zuzumuten ohne sie zu überfordern. Großartig!
Andrea Theilmann

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Frau Zilius legt ihr erstes Ei an einem Donnerstag (Friederike Gräff)

Frau Zilius legt ihr erstes Ei an einem Donnerstag

Friederike Gräff

Kabinett der Absurditäten
Diese Sammlung von Kurzgeschichten strotzt vor herrlichen Absurditäten, sei es die Abteilungsleiterin wider Willen, die eines Tages unfreiwillig beginnt, Eier in allerlei Farben und Größen zu legen, die graue Maus Sabine Kleinhans, ihres Zeichens passionierte Kirchgängerin, die irgendwann beginnt, aus der Kirchenbank zu entschweben oder der arbeitslose Studienabbrecher, der seine Erfüllung darin findet, die Rolle des Fahrkartenkontrolleurs zu spielen und sich für diesen Zweck bei der Bank Überweisungsblöcke ausstellen lässt. All diese Figuren umgibt eine gewisse Traurigkeit, eine Einsamkeit, die sich als dissoziativ beschreiben ließe und man kann sich in der einen oder anderen Weise in ihrer Machtlosigkeit, in ihrer Ohnmacht wiederfinden, mit der sie der Welt ausgeliefert scheinen. Und dennoch ist dieses Buch beileibe kein Trauerkloß oder gar melancholisch, es ist vielmehr eine wahre Freude, die teilweise himmelschreiend komischen Situationen lesen zu dürfen, ja sogar ein Buch, bei dem Gelächter vorprogrammiert ist.
Cedric Strauß

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Der Fluss der Zeit (Pascal Mercier)

Der Fluss der Zeit

Pascal Mercier

Erzählungen aus dem Nachlass
Normalerweise bin ich kein großer Fan von Erzählungen, aber dafür ein umso größerer Fan dieses Autors. Beim „Nachtzug von Lissabon“ und dem „Gewicht der Worte“ sehe ich noch genau die Situationen vor Augen, in denen ich diese Bücher verschlungen habe. Nun ist der Autor 2023 verstorben – und in seinem Nachlass sind diese bisher unveröffentlichten Erzählungen aufgetaucht.
Es ist wirklich erstaunlich, aber Mercier schafft es, dass ich nach jeder dieser kurzen Erzählungen den Eindruck hatte, ein vollständiges Werk gelesen zu haben, in dem es um tiefgründige menschliche Themen geht, die Mercier so wunderbar beobachten und formulieren kann.
So erleben wir, wie schwer es Karl Prager fällt, sein Haus, das er aus Altersgründen verkauft hat, wirklich endgültig aufzugeben und den jungen Käufern zu überlassen. Was es mit dem Pianisten Luca Gaspari macht, als Freunde ihm die Wohnung „schenken“, deren Miete er sich nicht mehr leisten kann. Hat die Pflicht zur Dankbarkeit das Potenzial, eine Freundschaft zu zerstören? Und wir erleben Cornelius Clemens, der eine günstige Gelegenheit ergreift, Erinnerungen an seine Studentenzeit aufleben zu lassen und dabei Gefahr läuft, diese glücklichen Erinnerungen zu entzaubern. Drei von fünf Erzählungen habe ich angedeutet – diese und zwei weitere hält der letzte Band, den wir von Pascal Mercier zu lesen bekommen dürften, für Sie bereit. Lassen Sie sich diese Miniatur-Kunststücke nicht entgehen!
Andrea Theilmann

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Schattenmädchen (Frida Skybäck)

Schattenmädchen

Frida Skybäck

Der dritte Fall für Frederika Storm und Henry Calment
In diesem neuen Fall des tollen Ermittlerduos Frederika Storm und Henry Calment suchen die beiden nach der Studentin Isabelle Karlsson, die nach dem Besuch der Party einer großen Tech- Firma spurlos verschwunden und von ihrer Mutter vermisst gemeldet worden ist. Die Firmengründer haben an derselben Universität in Lund studiert wie Isabelle, und schon bald fallen bei den Ermittlungen Übereinstimmungen mit einem Mord von vor sieben Jahren auf, bei dem die Studentin Petra Olsson umgebracht worden war. Frederika beschleichen Zweifel, ob damals der richtige Täter verurteilt worden ist, sie forscht nach und sucht nach Verbindungen zwischen der Firma, die gerade an ein chinesisches Unternehmen verkauft werden soll, der Universität und deren geheimen Studentenvereinigungen...
Ein toll geschriebener, dichter Schweden-Krimi mit einem auch diesmal wieder sehr überzeugenden Ermittlerduo, dessen private Themen und Probleme immer wieder in die Handlung hineinspielen, die beiden naturgemäß ablenken, sie aber real und nahbar machen.
Im Sommer soll bereits der nächste Band erscheinen, und ich freue mich nicht nur auf den neuen Fall, sondern bin auch gespannt, wie die Dinge sich privat weiterentwickeln werden!
Andrea Theilmann

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Eden - Wenn das Sterben beginnt (Marc Elsberg)

Eden - Wenn das Sterben beginnt

Marc Elsberg

Spannender Thriller um den Klimawandel
Ein KI-Programm prognostiziert eine weltweite Krise mit verschiedenen Naturkatastrophen. Gemeinsam mit Influencer Linus Strand und der jungen Meeresbiologin Sarah Keller macht der Programmierer Piero die Warnung öffentlich. Nach der Veröffentlichung sind sie zunehmendem Druck sowie Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Als die Vorhersagen immer öfter eintreten, versuchen Regierungen und Unternehmen die Krise entweder zu bewältigen oder zu verheimlichen. Der Thriller ist eine Mischung aus „Blackout“ und „Der Schwarm“. Absolutes Lesefutter zum Runterlesen. Aber gleichzeitig wird einem bewusst, wie nahe wir an einem Kipp-Punkt beim Raubbau mit unserer Natur sind. 
Britta Pailer

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Das Gehöft (Leo Brandt)

Das Gehöft

Leo Brandt

Menschliche Abgründe
Dieser Autor kennt sich aus mit der menschlichen Psyche – ist er doch im Hauptberuf Psychotherapeut. Und so bekommen wir als Leser in diesem hochspannenden Krimi Einblicke in die Psychologie des menschlichen Miteinanders, aber auch in die grauenhaften, kranken Abgründe der menschlichen Seele, wie sie wohl nur ein Profi darstellen kann. 
Und dann spielt der Krimi noch auf einer engen Hallig in der Nordsee, natürlich ist Herbst und die Jahreszeit der Stürme und Überflutungen beginnt.
Aber zu Beginn der Handlung herrschen Glück und Vorfreude in der fünfköpfigen Gruppe um die Biologin Lara, die auf die Hallig zieht, um dort das jüngst gekaufte Gehöft ökologisch zu bewirtschaften. Kaum angekommen, macht Laras Freund ihr einen Heiratsantrag – das Glück scheint perfekt. Doch es währt nicht lange. Es gibt Anzeichen, dass sich ein Unbekannter auf der Hallig aufhält, und dann verschwindet Laras autistischer Bruder Malte – und bleibt damit nicht der Einzige...
Ich war beim Lesen von Anfang bis Ende unter Hochspannung, habe die Enge und Ausweglosigkeit auf dieser Hallig regelrecht körperlich gespürt und Sturm und Wellengang waren die Geräuschkulisse, die mich nicht mehr losgelassen hat.
Dieser Krimi bedeutet Eintauchen in die Elemente, Spannung pur, Entsetzen über das, wozu Menschen fähig sind – und nach der Lektüre Dankbarkeit für ein paar Sonnenstrahlen, einen sicheren, geschützten Raum und für die Tatsache, nicht vom Wasser eingeschlossen zu sein. Großartig!
Andrea Theilmann

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Sörensen geht aufs Haus (Sven Stricker)

Sörensen geht aufs Haus

Sven Stricker

Eigenwilliger Ermittler mit Lebenshintergrund
Kommissar Sörensen, Leiter des Dorfkommissariats Katenbühl nahe Hamburg, kämpft sich durch eine Mordermittlung und gleichzeitig durch sein Leben mit einer Angststörung, mit der Pflege seines krebskranken Vaters und mit seinen Gefühlen für seine Kollegin Jennifer.
Im aktuellen Fall wird es sehr persönlich: im Garten seines zur Schulzeit besten und einzigen Freundes werden menschliche Leichenteile gefunden - geht es um einen aktuellen Mordfall oder (auch) um einen Cold Case?
Ein verwirrender Fall, der durch die Wiederbegegnung mit dem ehemaligen Freund viele gute, aber auch schmerzhafte Erinnerungen wachruft und manch Überraschendes und Erschreckendes ans Licht bringt.
Dieser Band ist der mittlerweile siebte der ungewöhnlichen Sörensen Krimis, kann aber als abgeschlossener Fall unabhängig von den anderen gelesen werden.
Dem eigenwilligen Kommissar mit seiner direkten und trockenen Art bei der Aufklärung des Falls wie auch bei seinen Lebensschwankungen zu folgen, ist wieder außerordentlich lesenswert.
Barbara Sigel-Lochner

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Die Reise ans andere Ende der Geschichte (Kristoff Magnusson)

Die Reise ans andere Ende der Geschichte

Kristoff Magnusson

Humorvoller Spionageroman 
Der kalte Krieg ist beendet – alles scheint möglich, eine Zeit des Friedens und der unbegrenzten Möglichkeiten ist angebrochen. Dieser „Glücksfall der Geschichte“ ist ein Moment der Hoffnung für so viele – aber eine Katastrophe für den Doppelagenten Dieter Germeshausen. Nicht genug damit, dass seine Dienste nicht mehr gebraucht werden – als Doppelagent muss er schleunigst untertauchen, und dafür braucht er Geld, und zwar viel Geld, will er doch sich und seiner Freundin ein angenehmes, sorgloses Leben ermöglichen.
Also plant er einen letzten großen Coup, und für diesen braucht er den jungen, abenteuerlustigen Dichter Jakob Dreiser als Tarnung und Lockvogel. Wir lernen an dieser Stelle, dass niemand sich so unbeachtet überall aufhalten kann wie ein Dichter, da Sitzen und Beobachten dieser Menschengruppe innewohnt... Und wir erleben auf höchst unterhaltsame und amüsante Weise, wie man sich nach einer Frühlingsparty der russischen Botschaft in Rom plötzlich in Kasachstan wiederfinden kann, um dort Hubschrauberdeals abzuwickeln, für die man dann unerwartet die Dienste des dortigen Goethe-Instituts braucht...
Chaotisch, turbulent und satirisch überspitzt – beste Unterhaltung, die, so viel sei verraten, in Kasachstan nicht Halt macht, sondern weiterführt nach St. Petersburg – dort warten Atomsprengköpfe auf unsere Protagonisten!
Ich wünsche Ihnen ganz viel Vergnügen mit dieser verrückten Geschichte und den schrulligen Charakteren!
Andrea Theilmann

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Fünf Fremde (Romy Fölck)

Fünf Fremde

Romy Fölck

Ein Sturm zieht auf
Schauplatz ist die kleine Nordseeinsel Neuwerk, die zu Hamburg gehört. 
An einem stürmischen Oktobertag im Jahr 2025 befinden sich fünf Passagiere auf der Fähre Richtung Neuwerk. Vier von ihnen waren schon vor 30 Jahren hier. Damals verschwanden zwei Schüler aus einem Schullandheim. Noch bevor die Fähre anlegt, ereignet sich das erste Unglück. Als es in der Nacht einen Fund auf dem Friedhof der Namenlosen gibt und ein Sturm aufzieht, der jede Möglichkeit die Insel zu verlassen zunichtemacht, wird die Atmosphäre zunehmend düster und beklemmend. Die Spannung steigert sich unaufhaltsam und entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 2025 und 1995, sowie aus unterschiedlichen Perspektiven.
Ein hochspannender, atmosphärisch dichter Krimi, der zugleich die Faszination von Neuwerk lebendig werden lässt und uns Lust macht, die Insel selbst zu entdecken.
Jeannine Beihofer

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Die weiße Nacht (Anne Stern)

Die weiße Nacht

Anne Stern

Der erste Fall für Lou & König
Nach den spannenden historischen Romanen über die Berliner Hebamme Fräulein Gold ist „Die weiße Nacht“ als der erste Fall einer neuen Krimireihe von Anne Stern angekündigt.
Berlin 1946 – der Nachkriegswinter ist vor allem bestimmt von den Traumata der Kriegsjahre, von Hunger und von der Suche nach Neuorientierung.
Die junge Fotografin Lou Faber stößt auf eine Frauenleiche in einem Hinterhof. 
Der verschlossene Kriminalkommissar König soll das Verbrechen aufklären und gerät zunehmend unter Druck, als weitere Tote gefunden werden.
Nur widerwillig und zögernd lässt er sich auf Hilfe bei seiner Ermittlung durch Lous Fotos ein.
Eine spannende Kriminalgeschichte, die die erstarrte und beklemmende Atmosphäre der Nachkriegsjahre sowie die persönlichen Themen der ProtagonistInnen dieser Zeit fühlbar macht.
Barbara Sigel-Lochner

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Wir dachten, wir könnten fliegen (Matthias Jügler (Hsg.) & Barbara Dziadosz (Ill.) )

Wir dachten, wir könnten fliegen

Matthias Jügler (Hsg.) & Barbara Dziadosz (Ill.)

Über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur
Täglich sterben laut WWF 150 – 200 Pflanzen- oder Tierarten aus. Erschreckend! Auch für Matthias Jügler, den Herausgeber dieses ganz besonderen Buches. Sein Anliegen mit dieser Anthologie ist, den „Ausgestorbenen“ ein literarisches Denkmal zu setzen. Dafür konnte er deutsche und auch internationale Autorinnen und Autoren gewinnen (T.C. Boyle, Alex Capus, Caroline Wahl, Helen Macdonald …). Gemeinsam haben alle 19 Geschichten, dass ihre Verfasser nie das Lebewesen mit eigenen Augen gesehen haben. Herausgekommen ist eine großartige Vielfalt an Texten. Faktentreu oder frei erfunden werden der Stellerschen Seekuh, dem Riesenalk, dem Schuppenkehlmoho, dem St.-Helena-Olivenbaum usw. die letzte Ehre erwiesen.  
Großartiges Buch (super Geschenk), das zudem wunderschön illustriert ist von Barbara Dziadosz.
Margret Thorwart

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Und vor uns die ganze Welt (Andreas Babst)

Und vor uns die ganze Welt

Andreas Babst

Eine Reise über Land von Indien in die Schweiz
Der Schweizer Journalist Andreas Babst nimmt uns mit auf eine ganze besondere Reise. Auf dieser begleiten ihn seine Partnerin, die Fotografin Rebecca Conway und ein schwarzer Hindustan Ambassador (bis in die achtziger Jahre fand man in Indien ausschließlich dieses Automodell), welcher liebevoll Edwina genannt wird. Da die Route über den Iran und Afghanistan momentan nur in Teilen befahrbar ist, wich das Trio über Nepal, China, durch Zentralasien, übers Kaspische Meer, Richtung Türkei nach Europa aus. So abenteuerlich und beeindruckend wie sich die Route liest, ist auch dieser Reisebericht. Man ist durch die vielschichtigen Erzählungen von Babst ganz nah an den Menschen, staunt und erschrickt über die vorgefundenen Lebensumstände. Immer wieder versucht er, eine Brücke zu Europa zu schlagen, welches so weit entfernt zu sein scheint von den durchreisten Ländern. Begleitet wird der Text durch die authentischen Fotografien von Rebecca Conway sowie einer Karte zur Übersicht der Reiseroute. Was für eine Freude an diesem Projekt, zumindest in lesender Funktion, teilnehmen zu können.
Patricia Mock

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Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck dargestellt wird (Saša Stanišić)

Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck dargestellt wird

Saša Stanišić

Reden gegen das Nichtstun, eine Ermutigung!
Auch dieses Buch von Saša Stanišić habe ich wieder mit großer Freude gelesen, obwohl es „nur“ aus Dankesreden zu verschiedenen Literaturpreisen besteht – gehaltenen und einer ungehaltenen. Allerdings sind diese Reden mehr als das, es sind kleine Geschichten. „Sprache, Mut, Zauberei“ heißt eine seiner Reden. Dem ist nur noch erklärend hinzuzufügen, diese Reden sind voller Lebensweisheiten, traurig, klug, komisch und voller Sprachwitz. Die Sache mit dem Stromkreis, der als Rechteck dargestellt wird und immer in eine Richtung fließt, hat er nie verstanden, erklärt er Schülern an einer Weilheimer Schule. Und er ermutigt sie, dass man sich auch entscheiden kann, gegen den Strom zu schwimmen.
„Auf Literatur setzt kaum noch jemand und das nicht erst seit Handys. Trotzdem hast du grad ein Buch in der Hand und überlegst, ob du es kaufen sollst. Es sind Reden drin. Findest du das merkwürdig, weil Reden hält man und basta“. 
Trauen Sie sich dieses Buch zu kaufen, sonst verpassen Sie was!
Übrigens: Stanišić hat mit seinen Büchern die wichtigsten deutschen Literaturpreise gewonnen.
Margret Thorwart
 

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Frauenprobleme (Lina Muzur (Hrsg.))

Frauenprobleme

Lina Muzur (Hrsg.)

Lina Muzur, Verlagsleiterin des Verlages Hanser Berlin, hat ein interessantes Projekt initiiert: sie ließ sich von Frauen aus ihrem Bekannten- und Freundinnenkreis Sprachnachrichten schicken: sie sollten mindestens 15 Minuten lang sein und zum Thema haben, was die Frauen in der Mitte ihres Lebens beschäftigt, was ihre Hoffnungen, Ängste und Wünsche sind.
Die Idee zur Form der Sprachnachrichten statt schriftlicher Texte entstand durch Kleists Essay „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“: das Sprechen ist nicht die Mitteilung fertiger Ideen, sondern im Sprechen wird der Denkprozess sichtbar.
Die 33 Nachrichten von 27 Frauen hat Lisa Muzur in diesem Buch verschriftlicht.
Entstanden sind vielschichtige Nachrichten über Lebensrealitäten von Frauen, die beim Lesen eine starke Intensität entfalten, ganz nah rücken und LeserInnen berührt und nachdenklich zurücklassen.
Barbara Sigel-Lochner
 

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