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Buchtipps 2021 Frühjahr Erwachsene - Belletristik

Buchtipps 2021 Frühjahr Erwachsene - Belletristik

Hard Land (Benedict Wells)

Hard Land

Benedict Wells

Über die Euphancholie der Jugend
„Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig.“ Eben euphorisch und melancholisch zugleich. So beschreibt Kristie die ambivalenten Gefühle des Erwachsenwerdens. Kristie ist die erste Liebe von Hauptfigur Sam. Klein, schmächtig, zwei Jahre jünger und dazu noch schüchtern, rechnet Sam nicht unbedingt damit, bei der coolen Kristie zu landen. Die Geschichte spielt 1985 in Missouri in einem Kaff namens Grady und beginnt mit dem Satz:  In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb. Der schrecklichste und schönste Sommer für Sam. Er findet einen Ferienjob in einem alten Kino und trifft dort auf Kristie, Cameron und Hightower. Der Beginn einer (tatsächlich) wunderbaren Freundschaft. Ein traurig-schöner Roman über Freundschaft, Verliebtsein, Mut, Musik, Filme, Literatur, Heimat und über Trauer und Abschiednehmen.
Ein Herzenswärmer à la Benedict Wells!
Margret Thorwart

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Das Buch Ana (Sue Monk Kidd)

Das Buch Ana

Sue Monk Kidd

Ich bin der Name der Stimme und die Stimme des Namens
Ich finde, man muss nicht im kirchlichen Sinne religiös sein, um Jesus interessant zu finden. Wenn es eine Geschichte so lange Zeit wert ist, erzählt zu werden, dann ist das doch sehr beachtlich. Sue Monk Kidd erzählt die Geschichte von Ana, die privilegiert in einer wohlhabenden jüdischen Familie aufwächst und ihrer Zeit weit voraus ist. Sie lernt lesen und schreiben und ist ein absoluter Freigeist, mag sich nicht damit abfinden, dass für Frauen Bildung, Spiritualität und Selbstbestimmung nicht vorgesehen sind. Sie begegnet Jesus und dieser erkennt in ihr eine Gefährtin auf Augenhöhe. Sue Monk Kidd zeichnet einen zutiefst humanen, empathischen und radikal pazifistischen Menschen und niemals ist da auch nur ein Hauch von Blasphemie.
Dieses Buch habe ich verschlungen, es gibt so vielen Frauen eine Stimme, die wohl niemals gehört wurden oder werden und die gut vorstellbar aus den Geschichtsbüchern getilgt wurden bzw. nie zu Wort kamen. Einfach nur, weil sie Frauen waren - oder sind.
Birgit Rupp

 

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Unter Wasser Nacht (Kristina Hauff)

Unter Wasser Nacht

Kristina Hauff

Zerbrechliches Idyll
Zwei befreundete Familien haben sich nahe an der Elbe ein zauberhaftes Wohnidyll geschaffen. Das Leben scheint perfekt. Dann geschieht das Unfassbare. Aaron, eines der Kinder ertrinkt. Dieses Trauma stellt alles infrage, die Freundschaft, die Ehe der trauernden Eltern, einfach alles. Mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen schildert Kristina Hauff, wie die Gemeinschaft immer mehr erstarrt in einem Gefühlschaos aus Schuld und Trauer. War der Tod ein Unfall? Oder steckt mehr dahinter? Aaron war ein schwieriger, ja oft grausamer Jugendlicher. Darf man deshalb so etwas wie Erleichterung verspüren? Die Autorin lässt viel Raum für ihre Figuren. Doch dann taucht plötzlich scheinbar zufällig eine Fremde auf. Mara, die alle auf sehr unterschiedliche Art und Weise fasziniert, wird zum Katalysator und lässt das ohnehin fragwürdige fragile Gleichgewicht einstürzen. Dann stellt sich heraus, dass auch sie etwas verbirgt und sie viel mehr mit der Gemeinschaft verbindet   als man sich vorstellen kann. Alte Verletzungen und Geheimnisse treten ans Tageslicht. Kristina Hauff verwebt die einzelnen Erzählstränge zu einem großartigen Roman.
Elke Weirauch-Glauben

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Siegerin (Yishai Sarid)

Siegerin

Yishai Sarid

Ein Roman über die Auswirkungen des Tötens im Krieg auf die Psyche
Der israelische Autor, Spezialist für komplexe Themen, erzählt die Geschichte von Abigail, Militär-Psychologin und alleinerziehende Mutter eines gerade zum Wehrdienst eingezogenen Sohnes. Ihre Aufgabe war ursprünglich, vom Einsatz traumatisierte Soldaten und Soldatinnen zu therapieren. Mittlerweile aber ist sie Expertin darin, die Armeeangehörigen auf ihre Kampftauglichkeit zu testen, auf das Töten im Krieg vorzubereiten und dabei möglichst seelisch unberührt zu bleiben. Von ihrem Vater, einem „klassischen“ Psychologen für zivile Patienten wird sie für diese Tätigkeit heftig kritisiert. Die Härte und Effizienz, mit der sie ihren Beruf ausübt, bringt sie auch in Distanz zu den meisten ihrer Mitmenschen. Als ihr einziges Kind sich im Gegensatz zu seinen Freunden freiwillig zu einer kämpfenden Einheit meldet, gerät Abigail in einen schwerwiegenden Konflikt zwischen Professionalität und Mutterliebe... Die Spannung in diesem Buch entsteht nicht durch die Handlung, sondern durch die Brisanz des Themas. Psychologisch klug erzählt!  
Jutta Schleinkofer

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Sterben im Sommer (Zsusa Bánk)

Sterben im Sommer

Zsusa Bánk

Und niemand sagt mehr Kind zu mir
Kann ich ein Buch empfehlen, das sich um Trauer, Tod und Abschied dreht? Ein sehr persönlich geschriebenes Buch, fast schon wie Tagebuchaufzeichnungen? Ja, das kann ich. Mir wurde erst beim Lesen klar, dass Zsuzsa Bánk in diesem Buch tatsächlich über den Verlust ihres Vaters schreibt. Das tut sie auf ihre ganz eigene, wunderbare Art, die mich in jedem ihrer Romane so sehr berührt. Und so ist es auch in diesem Fall. Zsuzsa Bánk malt sprachliche Kunstwerke und nimmt mich dabei mit in die Geschichte ihrer Familie. Ihre Eltern sind 1956 aus Ungarn nach Deutschland gekommen und trugen die Heimat doch immer mit sich. Die Sommerurlaube am Balaton sind wertvolle Kindheitserlebnisse und die Familie wünscht sich 2018 einen letzten gemeinsamen Sommer in Ungarn. Doch die Krankheit des Vaters hat ihre eigenen Pläne und Zsuzsa Bánk schreibt sich ihre emotionale Reise von der Seele. So habe ich das empfunden und sie gerne begleitet. Ich empfehle die Lektüre allen, die vor so etwas nicht zurückschrecken.
Birgit Rupp

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Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (Alena Schröder)

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Alena Schröder

Ein spannendes Zeitporträt
Was als äußerst sperrige Titelgebung anmutet, ist die nüchterne Beschreibung eines wertvollen Gemäldes, welches dem jüdischen Kunsthändler Itzig Goldmann von den Nationalsozialisten geraubt wurde. Hannah, eine junge Berlinerin, findet eher zufällig beim Besuch ihrer hochbetagten Großmutter Evelyn einen Brief, worin diese als Erbin des geraubten und verschollenen Vermögens der Familie Goldmann angesprochen wird. Warum schweigt Evelyn beharrlich über die Vergangenheit? Hannah, die eher ziellos durchs Leben geht, wird neugierig und spürt ihren eigenen Wurzeln nach. Damit wird eine Familiengeschichte aufgerollt, die in den 1920er Jahren beginnt. Senta, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte, muss dafür einen hohen Preis zahlen. Sie lässt ihr Kind Evelyn zurück. In Berlin heiratet sie in zweiter Ehe Julius Goldmann, den Sohn von Itzig. Sie wird Journalistin, ihr Lebenstraum scheint sich zu erfüllen. Aber schon bald ziehen dunkle Zeiten auf. Alena Schröder hat, inspiriert vom Schicksal ihrer eigenen Großmutter, deren Leben fiktiv weitererzählt. Herausgekommen ist ein aufwühlender Familienroman, in dem vor allem die Schicksale der Frauen mit dem historischen Geschehen verknüpft sind, das ihnen große Opfer abverlangt.
Elke Weirauch-Glauben

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Und jeden Morgen das Meer (Karl-Heinz Ott)

Und jeden Morgen das Meer

Karl-Heinz Ott

Eine kurze Geschichte von Niedergang und Neuanfang
Nüchtern, aber eindringlich erzählt Karl-Heinz Ott die Geschichte von Sonja, Anfang 60. Dreißig Jahre lang hat sie zusammen mit Bruno ein Hotel am Bodensee geführt. Als Koch bekam Bruno sogar einen Stern. Als der Stern versinkt und die Schulden ins Unermessliche steigen, kommt Bruno nicht damit klar und säuft sich quasi zu Tode. Der Schwager übernimmt die Schulden und damit das ganze Anwesen. Sonjas verbleibender Besitz passt in wenige Taschen. Das erleichtert ihre Flucht nach Wales. Durch die Vermittlung eines ehemaligen Stammgastes übernimmt sie eine heruntergekommene Pension an der walisischen Küste. Genau da setzt die Geschichte ein. Mit Blick auf das oft stürmische Meer erinnert sie sich an ihr Leben, daran, wie die Arbeits- und Liebesbeziehung mit Bruno sich verwandelt hat in Sprachlosigkeit und Selbsttäuschung. Wie sie, die Prinzipalin, immer mehr zur Gefangenen des „guten Hauses am Platz“ wurde. Ein kurzer Roman (143 Seiten), der lange nachhallt.
Margret Thorwart

 

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Ada (Christian Berkel)

Ada

Christian Berkel

Eine junge Frau auf der Suche
„Ada“ von Christian Berkel schließt an die Familiengeschichte „Der Apfelbaum“ an und zeichnet neben der persönlichen Lebensgeschichte ein Bild der deutschen Gesellschaft der Nachkriegszeit aus der Perspektive der jungen Frau. Ihre Kindheit verbringt Ada in Argentinien, wohin ihre jüdischstämmige Mutter aus Nachkriegsdeutschland emigriert ist. 1954, Ada ist 9 Jahre alt, kehren die beiden nach Berlin zurück. Während Sala sich mit Otto mehr oder weniger erfolgreich in einem gutbürgerlichen Leben einrichtet, fällt es Ada schwer, in der neuen Heimat anzukommen. Sowohl in der eigenen Familie als auch in ihrem Umfeld fühlt sie sich fehl am Platz. Auf ihrer Suche nach sich selbst hinterfragt sie kompromisslos die Werte und Normen der Generation ihrer Eltern und deren Rolle in der Nazizeit. Sie stößt jedoch überwiegend auf Unverständnis und beharrliches Schweigen. Die Vergangenheit kommt nur bruchstückhaft ans Licht. In den 60er Jahren schließt sich Ada der Studentenbewegung an und nimmt uns mitten hinein in die Welt dieser jungen Menschen. Zwischen Wirtschaftswunder und Mauerbau – eine spannende Geschichte aus der jungen Bundesrepublik.
Christa Seitz

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der Garten meiner Mutter

Anuradha Roy

Flucht aus der traditionellen Ehe in Indien
"In meiner Kindheit war ich als der Junge bekannt, dessen Mutter mit einem Engländer durchgebrannt war", so beginnt die Geschichte von Myshkin und seiner Mutter Gayatri. Es sind die dreißiger Jahre, Indien hadert mit der britischen Kolonialherrschaft. Da kommen zwei Fremde in den kleinen Ort am Himalaya, der deutsche Maler Walter Spies und eine Tänzerin, und Gayatri, die immer Künstlerin sein wollte, ergreift ihre Chance, der traditionellen Ehe zu entfliehen. Ein großes zeitgeschichtliches Panorama und die ergreifende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die für ihre Kunst und Freiheit lebt. Für ihre Freiheit zahlte sie einen hohen Preis. Sie konnte ihren Sohn nicht mitnehmen. Myshkin träumte davon, ihr in die Ferne zu folgen, der Krieg machte dies unmöglich. Dennoch erzählt Myshkin einfühlsam und ohne Selbstmitleid. Das Ende ist hoffnungsvoll. Myshkin, der zusammen mit Ila wieder in seinem Elternhaus lebt, malt den Garten seiner Mutter und bricht auf ihren Spuren Richtung Bali auf.
Mir hat der Roman nicht nur wegen seiner schönen Sprache gefallen, sondern auch weil hier zwei große Emanzipationsgeschichten miteinander verschränkt werden und parallel ablaufen: die von Gayatri und die des Landes Indien.
Barbara Casper

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Die Unschärfe der Welt (Iris Wolff)

Die Unschärfe der Welt

Iris Wolff

Lebenswege im Banat
Der Roman beginnt Ende der sechziger Jahre in Rumänien. Im Mittelpunkt stehen eine Pfarrersfamilie sowie ihr neues Zuhause mit dem großen Gemüse- und Obstgarten in einem Banater Dorf. Von hier aus verzweigen sich die Wege der Familienmitglieder mit jenen Freundschaften, die die Kraft haben, ein Leben zu prägen. Iris Wolff erzählt auf nur 200 Seiten die bewegte Geschichte dieser Familie, deren Bande so eng sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Der Bogen der Erzählung spannt sich über vier Generationen. Es stehen die Menschen und nicht die geschichtlichen Ereignisse im Mittelpunkt. Ihre Gefühle, ihre Beziehungen, ihre Würde und Eigenart. Ihre Trauer und Sehnsucht ebenso wie ihre Lust und ihre Lebenstüchtigkeit. Die Geschichten werden leise, aber sehr bildstark erzählt und klingen noch lange nach.
Anja Saly

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Graue Bienen (Andrej Kurkow)

Graue Bienen

Andrej Kurkow

Zwischen den Fronten
Kurkow ist in Sankt Petersburg geboren, lebt aber seit seiner Kindheit in Kiew. Sein Roman „Picknick auf dem Eis“ war ein internationaler Bestseller. Trotz seiner Zugehörigkeit zur russischsprachigen Bevölkerungsschicht ist er ein Kritiker Putins und dessen Ukraine-Politik. In seinem neuen Buch thematisiert er den seit 2014 schwelenden Konflikt in der Ostukraine aus Sicht der einfachen Menschen. Genauer gesagt aus der Sicht des Bienenzüchters Sergej und seines Kindheitsfeindes Paschka. Sie sind die letzten verbliebenen Einwohner eines kleinen Dorfes in der Nähe von Donezk. Alle anderen sind längst geflüchtet. Das Leben in der grauen Zone ist mühsam und das ferne Grollen der Geschütze schon so sehr Teil ihres Alltags, dass es „Teil der Stille geworden ist“. Sergej und Paschka, die „Kriegseinwohner“ haben sich arrangiert und sogar ihre alte Feindschaft begraben, weil Not halt zusammenschweißt. Eines Tages beschließt Sergej mit seinen Bienen das Dorf eine Zeit lang zu verlassen und sie dahin zu bringen, wo sie in Ruhe ihren Nektar sammeln können. Bei seiner Reise durch friedlichere Gebiete der Ukraine gerät er aber immer wieder in Verdacht, ein Separatist und Verräter zu sein. Auf der Krim, die ihm erst wie ein kleines Paradies vorkommt, erlebt er die Willkür der Regierung gegenüber der tatarischen Bevölkerung.
Eigentlich war es Zufall, dass ich das Buch angefangen habe zu lesen. Inhalt und Schreibstil haben mich dann aber so beeindruckt, dass ich die Geschichte in wenigen Tagen zu Ende gelesen habe.
Margret Thorwart

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Das Verschwinden der Erde (Julia Phillips)

Das Verschwinden der Erde

Julia Phillips

Vom Glück und Unglück der Frauen auf Kamtschatka
An einem Tag im August verschwinden in Petropawlowsk an der Küste Kamtschatkas die Schwestern Sofija und Aljona. Das erste Kapitel, mit „August“ überschrieben, wird aus der Sicht Aljonas erzählt. Die folgenden Kapitel, jeweils einen Monat später, handeln von ganz unterschiedlichen Frauen. Die Geschichten hängen lose zusammen, es ergeben sich jedoch immer mehr Überschneidungen und Verbindungen. Hilfreich sind das Personenverzeichnis und die Karte am Anfang des Buches. Der rote Faden ist die Suche nach den verschwundenen Mädchen. Schon Monate vorher ist im Norden des Landes Lilija verschwunden, ein Mädchen aus der indigenen Bevölkerung. Hängen die beiden Fälle zusammen? Die amerikanische Autorin Julia Phillips hatte die Möglichkeit, durch ein Stipendium ein Jahr auf Kamtschatka zu leben. Sie erzählt von den Problemen der Frauen in dieser männerdominierten Gesellschaft. Und von den Konflikten zwischen den Ureinwohnern, wie z.B. den Ewenen, Korjaken und Tschuktschen und den „weißen“ Russen, die in der Hauptstadt leben. Durch ihren Roman bekommt man einen Eindruck vom harten Leben auf dieser dünn besiedelten russischen Halbinsel gleich neben der Arktis.
Jeannine Beihofer

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Kim Jiyoung, geboren 1982 (Nam-Joo Cho)

Kim Jiyoung, geboren 1982

Nam-Joo Cho

Der Bestseller aus Korea
„Kim Jiyoung, geboren 1982“ ist die Hauptfigur in Nam-Joo Chos Debütroman, der die Geschichte einer jungen Frau aus Seoul erzählt, die mit Anfang dreißig psychisch erkrankt. Es ist die Geschichte einer durchschnittlichen jungen Koreanerin. Kim Jiyoung wächst in behüteten Verhältnissen auf, studiert, findet einen Job und Ehemann und bekommt ein Kind. Dabei ist die junge Frau einer Menge von gesellschaftlichen Pflichten ausgesetzt, denn nicht sie allein kann über ihr Leben bestimmen. Die Männer in ihrem Umfeld beeinflussen ihre Entscheidungen zu einem großen Maß, denn sie ist nur eine Frau, wie so viele andere durchschnittliche Frauen. Wir begleiten sie durch ihr ganzes Leben, durch all die kleinen und großen Ungerechtigkeiten, die wohl jedes Mädchen und jede Frau auf der ganzen Welt erlebt, egal ob sie in Südkorea oder sonst wo lebt. Jiyoungs Geschichte weckt die verschiedensten Emotionen, angefangen bei Mitgefühl über Traurigkeit bis hin zu blanker Wut. Warum ist das so? Es geht eben nicht nur um das Schicksal irgendeiner jungen Koreanerin, sondern um das Schicksal so vieler Frauen auf der ganzen Welt und nicht nur in Korea.
Barbara Casper

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Das ferne Feuer (Amy Waldman)

Das ferne Feuer

Amy Waldman

Die Auswirkungen westlicher Hilfsangebote
Die 22-jährige Parvin Schams, Studentin der medizinischen Anthropologie, lebt in Amerika. Ursprünglich kommen ihre Eltern aus Afghanistan. Als Parvin über das Buch „Mutter Afghanistan“ von Dr. Crane stolpert, ist sie Feuer und Flamme. Dr. Crane hat in einem Dorf in Afghanistan eine Frauenklinik gebaut um zu verhindern, dass so viele Frauen dort bei der Geburt sterben. Parvin gelingt es, mit Dr. Cranes Stiftung in genau dieses Dorf nach Afghanistan zu fahren. Parvin möchte den Menschen vor Ort helfen und sich außerdem auf die Suche nach ihren afghanischen Wurzeln begeben.
Im Dorf angekommen stellt Parvin nach und nach fest, dass die in Dr. Cranes Bestseller beschriebene Situation nicht annähernd der Realität entspricht…
Amy Waldman wirft in ihrem Roman sehr viele Frage auf, unter anderem ob diejenigen, denen geholfen werden soll, denn überhaupt die Hilfe des Westens wollen – fragen wir sie danach und was sind die daraus resultierenden Konsequenzen?  
Ulla Leber

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Vati (Monika Helfer)

Vati

Monika Helfer

„Es hätte sich auch nicht gut ausgehen können!“
Monika Helfer schreibt fort, was sie mit ihrem Bestseller „Die Bagage" begonnen hat: ihre eigene Familiengeschichte. Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von dem vielen Platz und der Bibliothek im Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen, von der Armut und den beengten Lebensverhältnissen. Von dem, was sie weiß über ihren Vater, was sie über ihn in Erfahrung bringen kann. Mit großer Wahrhaftigkeit entsteht ein Roman über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, eine Suche nach der eigenen Herkunft. Ein Erinnerungsbuch, das sanft von Existenziellem berichtet und schmerzhaft im Erinnern bleibt. „Ja, alles ist gut geworden. Auf eine bösartige Weise ist alles gut geworden."
Einen besseren Klappentext für dieses schaurig schöne und anrührende Buch kann ich mir kaum vorstellen. Ähnlich gelungen ist die Umschlagsgestaltung des Artdirectors des Hanser Literaturverlages Peter-Andreas Hassiepen. Wie schon bei dem vorangegangenen Buch von Monika Helfer „Die Bagage“ entspringt auch das Cover des neuen Buches „Vati“ einem Bild des Malers Gerhart Richter und signalisiert schon auf diese Art und Weise die inhaltliche Verwandtschaft der beiden Bücher. Und in der Tat ist es auch sinnhaft „Die Bagage“ vor dem Buch „Vati“ zu rezipieren, tauchen doch viele Protagonisten aus „Die Bagage“ im neuesten Buch wieder auf und werden weiterentwickelt. Nicht wirklich zu empfehlen ist das Hörbuch „Vati“, das von der Autorin selbst eingelesen wurde. Monika Helfer ist zwar ein sehr gute Autorin, aber eine weniger gute Rezitatorin.
Rainer Brandl

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Der Mathelehrer und der Tod (Marc Hofmann)

Der Mathelehrer und der Tod

Marc Hofmann

Unaufdringlicher Humor und charmanter Ermittler
Da Marc Hofmann selbst als Lehrer in Freiburg tätig ist, liegt es nahe, dass er als Schauplatz einer neuen Krimireihe eine Schule in den Mittelpunkt stellt. Gregor Horvath ist schon einige Jahre an einem traditionsreichen Gymnasium in Freiburg als Deutsch- und Geschichtslehrer tätig, als ein Kollege auf ungeklärte Weise zu Tode kommt. Da die Ermittlungen vorschnell eingestellt werden, sieht der bekennende Hercule-Poirot-Fan sich gezwungen selbst Nachforschungen anzustellen. Mit einem unaufdringlichen Humor und seinem Blick aus der ersten Reihe ist hier eine sehr gelungene Kombination entstanden. Mit der Figur des charmanten und eigenwilligen Gregor Horvath, der etwas aus der Zeit gefallen scheint, ist Marc Hofmann ein Charakter gelungen, der einen oft zum Schmunzeln bringt, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Die Krimihandlung lädt bis zum Schluss zum Miträtseln ein.
Patricia Mock

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Olympia (Volker Kutscher)

Olympia

Volker Kutscher

Mord im Olympischen Dorf
Gereon Rath ermittelt in seinem achten Fall, und wieder hat Volker Kutscher einen packenden und penibel recherchierten Kriminalroman geschrieben. Es ist Sommer 1936 und in Berlin finden die Olympischen Spiele statt. Die Stadt ist festlich geschmückt, Naziparolen sind verschwunden und „Weltoffenheit“ wird vorgetäuscht. Leider wird die Begeisterung durch einen Todesfall im olympischen Dorf gestört. Die Machthaber befürchten, dass Kommunisten die Spiele sabotieren. Rath soll verdeckt vor Ort ermitteln. Er zweifelt stark an der Theorie und arbeitet eher lustlos, denn gerade hat er auch noch private Probleme. Er ist Gastgeber amerikanischer Olympiatouristen und seine Ehefrau Charly hat die gemeinsame Wohnung unter Protest verlassen. Dann gibt es aber doch einen Verdächtigen. Ein Angestellter mit kommunistischer Vergangenheit wird festgenommen. Kurz darauf gibt es den zweiten Toten im Dorf. Nun beginnt er fieberhaft zu ermitteln, um weitere Unschuldige vor der Verhaftung zu retten. Man taucht mit Rath immer tiefer in das bedrohliche Leben unter der Diktatur ein. Kann er sich noch retten?
Anja Saly

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Der andere Sohn (Mohlin & Nyström)

Der andere Sohn

Mohlin & Nyström

Auftakt einer neuen schwedischen Krimireihe
Kriminalromane lese ich eher selten - aber gerne, wenn sie so spannend sind wie „Der andere Sohn“. John, ein FBI-Agent im Zeugenschutzprogramm, lässt sich mit einer neuen Identität in seine alte Heimat versetzen. Dort in Schweden ermittelt er in einem sogenannten Cold Case. Vor zehn Jahren verschwand ein junges Mädchen aus der Oberschicht. Verdächtigt wurde und wird Billy, ein Underdog und was niemand wissen darf, der Halbbruder von John.
Fesselnd und nicht allzu blutrünstig erzählen Mohlin & Nyström eine Story über menschliche Abgründe.
Margret Thorwart

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