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Buchtipps 2018 Frühjahr & Sommer

Buchtipps 2018 Frühjahr & Sommer

Heute gehen wir Wale fangen (Birgit Lutz)

Heute gehen wir Wale fangen

Birgit Lutz

Eine Reise zum entlegensten Ort der Welt

Birgit Lutz liebt die Arktis. Und sie schafft es, uns diese Faszination zu den kalten Regionen und ihren Bewohnern in ihren Büchern zu vermitteln.
In ihrem neuesten Buch nimmt sie uns mit nach Ostgrönland. Grönland ist die größte Insel der Welt und Heimat der Inuit. Ostgrönland wurde erst vor etwa 130 Jahren von Europäern entdeckt.
Birgit Lutz zeigt uns, wie sehr sich das Leben dort in den vergangenen Jahren verändert hat. Sie lässt die Menschen selbst zu Wort kommen. Und so verschieden diese Menschen sind, so spannend sind ihre Geschichten. Da erzählt z.B. Caroline, die aus Isortoq kommt und alle ihre Jugendfreunde verloren hat. Oder Harald, der noch in einem Erdhaus geboren wurde, dessen Töchter heute aber alle einen Universitätsabschluss haben. Und Gerda, die einmal Gerd hieß und in Tasiilaq einen Buchladen eröffnete.
Birgit Lutz schreibt auf S.19: „Das Dasein zwischen den Welten macht diese Erzählungen so spannend und das Buch am Ende nicht zu einem Buch über Ostgrönland, sondern über Menschen, die nach einer Identität suchen in einer Welt, die sich schnell verändert und die sehr komplex geworden ist.“

Jeannine Beihofer

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Unsere unbekannte Familie (Jürgen Teipel)

Unsere unbekannte Familie

Jürgen Teipel

Erster Gedanke: Oh, nettes Cover.
Zweiter Gedanke: TIERgeschichten bei Suhrkamp?!

Ich bin ein Tiermensch, das war ich schon immer. Als Kind habe ich die erste Katze angeschleppt, die Kaninchen, Kaulquappen etc. und egal wo ich war, immer habe ich zu Tieren Kontakt gesucht, das ist einfach so. Und es ist so geblieben. Die von Jürgen Teipel gesammelten Geschichten über Begegnungen von Menschen mit Tieren haben mich sehr berührt. Es sind gänzlich unterschiedliche Menschen (vom Tierfilmer bis zum pensionierten Mediziner) und Tiere (vom Eichhörnchen bis zum Walbaby). Es geht um Wildtiere bis hin zu ausgedienten Hochleistungskühen, um Begegnungen in der Natur und in Städten. Es geht um Begegnungen auf Augenhöhe, um die Frage, weshalb wir Menschen uns den Tieren überlegen fühlen, und um einen achtsamen und respektvollen Umgang mit dem Gegenüber. Mich hat die Lektüre gefesselt, berührt und sehr nachdenklich zurückgelassen.

Birgit Rupp

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Bis zum Himmel und zurück (Catharina Junk)

Bis zum Himmel und zurück

Catharina Junk

Ein tragikomischer Familienroman mit einer tollen Hauptfigur

Katja ist Drehbuchautorin und lebt in den Geschichten anderer. Vor ihrem eigenen Leben versteckt sie sich. Bis zu dem Tag, als sie in den Nachrichten hört, dass der Kometenlander Philae sich aus dem All gemeldet hat. Er wurde von der Raumsonde Rosetta auf dem Planeten Tschurri abgesetzt, schaltete sich danach aber ab und ging für über ein halbes Jahr in den Ruhezustand über. Katja war vier Jahre alt, als die Rosetta-Mission beschlossen und das wichtigste Forschungsprojekt ihres Vaters wurde. Zuhause drehte sich alles um Raumfahrt, Sterne und Planeten. Mit ihrer kleinen Schwester Lina malte sie sich aus, wie sie als Rosetta und Philae durchs All fliegen. Aber als Rosetta und Philae sich schließlich 2004 gemeinsam auf den Weg machten und dabei dreimal an der Erde und einmal am Mars vorbeiflogen, war Lina bereits vier Jahre tot und ihre Familie gab es nicht mehr. Zu ihren Eltern hat Katja seit Jahren keinen Kontakt, doch jetzt ruft plötzlich ihre Mutter an. Ihr Vater liegt im Koma, es taucht eine Halbschwester auf, ein Hund namens Laika und Joost. Katja kann sich nicht mehr verstecken.
Wunderbar finde ich übrigens, wie die Buchhändlerin auf S. 213 Katja das letzte Buch von Catharina Junk „Liebe wird aus Mut gemacht“ empfiehlt: „Die Geschichte einer jungen Frau, die nach einer Krebserkrankung zurück ins Leben stolpert. Ganz humorvoll geschrieben. Familie, Liebe, Freundschaft – sehr lebensbejahend. Trotz des Themas.“    

Jeannine Beihofer

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Das Vermächtnis der Spione (John le Carré)

Das Vermächtnis der Spione

John le Carré

George Smiley und seine Mitstreiter müssen zurück in die Kälte

Wer kennt ihn nicht, George Smiley, den „Spion, der aus der Kälte kam“, damals, als die Mauer noch stand und der kalte Krieg tobte, als die Geheimdienste noch mit Mikrofilmen statt Mikrochips arbeiteten und Wikileaks noch nicht einmal in den Windeln lagen? Nun, das neue Buch des großen Meisters der Spionage-Thriller verstehen auch die, die ihn nicht kennen. Denn leCarré führt minutiös zurück in diese Zeit, weil die Kinder zweier Spione, die damals an der Mauer ermordet wurden, Klage gegen den englischen MI5 von heute erheben. Da es um Millionen geht, muss ein Schuldiger gefunden werden. Der Einzige, der auffindbar ist und eventuell dafür in Frage kommt, ist Peter Guilliam, Smileys Assistent und Freund, inzwischen über 70 Jahre alt. Der alte, erfahrene Spion wird vorgeladen und findet sich smarten und taffen Geheimdienstanwälten gegenüber, die versuchen, ihn auszutricksen. Doch diese Rechnung geht nicht auf. In einem spannungsgeladenen Verhör rekonstruiert Guilliam, was kurz nach dem Mauerbau in Berlin geschah. Bis George Smiley eingreift und das Geschehen in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die großen Fragen dieses Thrillers sind das Warum und das Wofür. LeCarré alias Smiley findet darauf eine überraschende Antwort.

Andrea Schubert

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Der letzte Schnee (Arno Camenisch)

Der letzte Schnee

Arno Camenisch

Warten auf Skifahrer ist fast wie Warten auf Godot

Ein kleiner Skilift irgendwo in Graubünden. Vor dem Hüttli sitzen Georg und Paul, die beiden nicht mehr ganz jungen Liftwarte. Georg ist still und sehr pflichtbewusst. Jeden Morgen richtet er seine Bigeli (Stäpelchen) mit den dreierlei Billettli. Sein Pflichtbewusstsein geht so weit, dass er von den wenigen Skifahrern sogar die abweist, die dann kommen, wenn die Revision ansteht. Das geht nun mal vor. Paul dagegen ist ein „Plauderi“ vor dem Herrn. Er hat ja sowieso nichts Besseres zu tun als zu erzählen: von den alten Zeiten, von den richtigen Wintern, von wichtigen Menschen und schlecht frisierten Präsidenten, von Helden und Nicht-Helden, vom Leben und Sterben, vom Verschwinden und Vergehen. Er tut das in einer wunderbaren Sprache mit alten rätischen Ausdrücken und romanischen Wendungen. Bis der Nebel kommt, die Uhr im Hüttli stehen bleibt und der Strom abgeschaltet wird. Ein wunderbares Buch in einer wunderbaren Sprache, das viel zu kurz und bei allem Ernst viel zu amüsant ist, um es nur ein Mal zu lesen. Kritiker nennen es „einen Beckett touristischer Nachsaison“, doch Godot kommt nicht.

Andrea Schubert

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Der Zopf (Laetitia Colombani)

Der Zopf

Laetitia Colombani

Drei mutige Frauen, drei Kontinente und drei Schicksale

Sehr berührend ist der Erstlingsroman der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Laetitia Colombani. Sie hat die Geschichten der drei Frauen Smita, Giulia und Sarah wie zu einem Zopf verflochten. Smita lebt als Unberührbare in Indien und willl, dass es ihre Tochter einmal besser hat. Deshalb opfert sie ihre Haare dem Gott Vishnu. Giulia versucht in Palermo die Perückenfabrik ihres Vaters vor dem Bankrott zu retten. Und in Montreal erschüttert eine Krankheit das Leben der erfolgreichen Anwältin und alleinerziehenden Mutter Sarah.
Die drei starken Frauen verbindet ihr Lebenswille, ihre Energie und ihr Widerstand gegen die Umstände.

Jeannine Beihofer

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Die letzte Stunde (Minette Walters)

Die letzte Stunde

Minette Walters

„Der schwarze Tod hat unser Land befallen.
Nur wenige werden verschont bleiben.“

Im Süden Englands des Jahres 1348 wütet die Pest, und schnell sind ganze Landstriche ausgestorben.
Nur die junge Lady Anne, Herrin des Anwesens Develish, schafft es, durch selbst herbeigeführte Isolation sich und ihre Bediensteten zu schützen. Außerdem versucht sie, ihre Schutzbefohlenen auf ein freies und selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.
Dann ereignet sich innerhalb der Gemeinschaft ein Mord. Um den Täter nicht preisgeben zu müssen, bricht der Verwalter mit einer Gruppe junger Männer aus der Quarantäne aus.
Unter gefährlichen Bedingungen versuchen sie zu erkunden, ob es auch außerhalb der geschützten Mauern Überlebende gibt.
Da dies der erste historische Roman von Minette Walters ist, war ich sehr gespannt. Die Autorin schaffte es jedoch wie in ihren frühen Krimis, mich von der ersten Seite an zu fesseln, und präsentiert uns eine Protagonistin, die in ihrem Denken ihrer Zeit weit voraus ist.

Sabine Schmidt-Bischoff

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Die schwere Hand (Dror A. Mishani)

Die schwere Hand

Dror A. Mishani

Still, eindringlich und doch fesselnd erzählt

In Dror Mishanis drittem Kriminalroman leitet der wortkarge, grüblerische und dennoch sympathische Polizist Avi Avraham das erste Mal die Ermittlungen in einem Mordfall. Im Mittelpunkt der Handlung steht aber zunächst Mali: Bankangestellte, zwei Kinder und Ehefrau von Coby, der sich in letzter Zeit äußerst merkwürdig und bedrohlich verhält. Mali (und die Beziehung der beiden) leidet unter Cobys Arbeitslosigkeit, vor allem aber unter den psychischen Folgen einer Vergewaltigung durch einen Fremden. Auch das Mordopfer Lea Jäger war in der Vergangenheit vergewaltigt worden…Der Autor lässt  die Erzählstränge geschickt aufeinander zu laufen, er beobachtet genau, löst den Fall schlüssig und mit einem dramatischen Finale. Allerdings ist die Bezeichnung „Tel Aviv Krimi“ irreführend: die Geschichte spielt im unspektakulären Vorort Cholon und nicht in der hippen Metropole.

Jutta Schleinkofer   

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Eine Geschichte der Wölfe (Emily Fridlund)

Eine Geschichte der Wölfe

Emily Fridlund

Verantwortlichkeiten im Land der Freien

Loose-River in Minnesota, kein wirklich spannender Ort für Jugendliche. Die 14-jährige Linda lebt dort in einer Hütte im Wald mit ihren Eltern. Sie sind der klägliche Rest einer Hippie-Kommune. Die Mutter kompensiert ihre gescheiterten Lebensträume durch überspannte Frömmigkeit. Die Teilnahme des Vaters an der Außenwelt beschränkt sich aufs Radiohören.  Eines Tages zieht eine junge Familie ans andere Seeufer. Linda fühlt sich magisch angezogen von den Gardners und ihrer schönen Familienwelt. Aber die anscheinend heile Welt der Gardners, die Mitglieder der Christian Science Church sind, ist sehr brüchig und vor allem für den kleinen Paul bedrohlich. Exzentrische Verhaltensweisen sind für Linda eher alltäglich als ungewöhnlich. Und doch spürt sie die sich steigernde Bedrohung. Hätte sie das Unheil verhindern können? Oder war sie als Vierzehnjährige überfordert mit einer Verantwortung, die die Erwachsenen nicht gesehen haben? Das sind die Fragen, die sich die erwachsene Linda stellt, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.
Der Stoff, den dieses Erstlingswerk erzählt, ist sicher nicht ganz neu. Aber so gut neu erzählt, dass es aus den vielen Neuerscheinungen heraussticht.

Margret Thorwart

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Heute gehen wir Wale fangen (Birgit Lutz)

Heute gehen wir Wale fangen

Birgit Lutz

Eine Reise zum entlegensten Ort der Welt

Birgit Lutz liebt die Arktis. Und sie schafft es, uns diese Faszination zu den kalten Regionen und ihren Bewohnern in ihren Büchern zu vermitteln.
In ihrem neuesten Buch nimmt sie uns mit nach Ostgrönland. Grönland ist die größte Insel der Welt und Heimat der Inuit. Ostgrönland wurde erst vor etwa 130 Jahren von Europäern entdeckt.
Birgit Lutz zeigt uns, wie sehr sich das Leben dort in den vergangenen Jahren verändert hat. Sie lässt die Menschen selbst zu Wort kommen. Und so verschieden diese Menschen sind, so spannend sind ihre Geschichten. Da erzählt z.B. Caroline, die aus Isortoq kommt und alle ihre Jugendfreunde verloren hat. Oder Harald, der noch in einem Erdhaus geboren wurde, dessen Töchter heute aber alle einen Universitätsabschluss haben. Und Gerda, die einmal Gerd hieß und in Tasiilaq einen Buchladen eröffnete.
Birgit Lutz schreibt auf S.19: „Das Dasein zwischen den Welten macht diese Erzählungen so spannend und das Buch am Ende nicht zu einem Buch über Ostgrönland, sondern über Menschen, die nach einer Identität suchen in einer Welt, die sich schnell verändert und die sehr komplex geworden ist.“

Jeannine Beihofer

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Idaho (Emily Ruskovich)

Idaho

Emily Ruskovich

Das Unbegreifliche in uns

Es ist ein heißer Sommertag in Idaho. Jenny und Wade fahren mit ihren Töchtern in den Wald, um Brennholz für den Winter zu holen. Doch plötzlich endet dieser Ausflug in einer Tragödie. Eines der Mädchen ist tot und das andere spurlos verschwunden. Jenny wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Was ist an diesem Tag passiert? Ann, die Frau, mit der Wade nun seit 8 Jahren verheiratet ist, versucht es zu erkunden. Wade hat es ihr nie erzählt und wird es bald auch nicht mehr können, da er an einer Frühdemenz leidet. Aber in diesem Roman geht es vordergründig nicht um Aufklärung, sondern vielmehr darum, was Menschen miteinander verbindet, wie Beziehungen sich ändern und wie das Vergangene die Gegenwart beeinflusst.
Durch die besondere Geschichte und den außergewöhnlichen Erzählstil von Emily Ruskovich wird dieses Buch zu einem berührenden Leseerlebnis.

Anja Saly

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Kranichland (Anja Baumheier)

Kranichland

Anja Baumheier

80 Jahre deutsche Zeitgeschichte in einer bewegende Familiengeschichte erzählt

Als Theresa unerwartet ein Haus von ihrer Schwester Marlene erbt, die angeblich schon vor Jahren gestorben ist, begibt sie sich auf Spurensuche in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie. Dabei findet sie heraus, dass alles, was sie über ihre Familie und auch über sich selbst zu wissen glaubte, falsch ist.
Theresas Vater, Johannes Groen, nach dem Krieg aus Schlesien vertrieben, findet in Rostock eine neue Heimat und lernt seine zukünftige Frau Elisabeth kennen. Gemeinsam ziehen beide nach Ost-Berlin. Johannes brennt für die DDR und den Sozialismus und macht am Ministerium für Staatssicherheit Karriere. Doch als seine Tochter Marlene offen gegen die DDR rebelliert, hat dies furchtbare Konsequenzen für die ganze Familie…

Ulla Leber
 

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Olga (Bernhard Schlink)

Olga

Bernhard Schlink

Ein Frauenleben

Schlink erzählt in seinem neuesten Roman die Geschichte von Olga. Geboren im ausgehenden 19. Jahrhundert in Breslau und früh verwaist, wächst Olga in ärmlichen  und lieblosen Verhältnissen bei ihrer Großmutter in Pommern auf. Sie ist ein stilles, aber sehr willensstarkes Kind. Allen Widrigkeiten ihrer Lebensumstände zum Trotz erkämpft sie sich eine Schulausbildung, wird Lehrerin und lebt - ihrer Zeit weit voraus  - ein selbstbestimmtes Frauenleben. Zeitlebens verbindet sie eine große Liebe mit Herbert, ihrem Freund aus Kindertagen. Eine Liebe, die sie aber  nicht  wirklich miteinander leben können. Zum einen, weil Olga nicht standesgemäß ist. Zum anderen, weil der schon als Kind ruhelose Herbert rastlos um die Welt reist.
Olgas Geschichte wird aus wechselnden Erzählperspektiven in drei Teilen sehr spannend (durch immer wieder unerwartete Wendungen) erzählt. Der dritte sehr bewegende Teil besteht aus Briefen, die Olga an den in der Arktis verschollenen Herbert postlagernd geschrieben hat.
Schlinks „Olga“ ist eine bemerkenswerte Frau, die mich sehr berührt hat. Dass Bernhard Schlink schreiben kann, ist allseits bekannt. Aber nicht alle seine Bücher sind so gut gelungen wie „Olga“.

Margret Thorwart

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Strafe (Ferdinand von Schirach)

Strafe

Ferdinand von Schirach

Verbrechen. Schuld. Strafe.

Nach den beiden ersten überaus erfolgreichen Erzählbänden „Verbrechen“ und „Schuld“ gibt es nun zwölf neue Kurzgeschichten über menschliche Untiefen. Es geht um Menschen, die sich selbst bestrafen, die ihre gerechte Strafe bekommen oder eben auch nicht. Diese teilweise verstörenden Geschichten sind keine leichte Kost; Schirach schreibt karg und auf die Fakten beschränkt, die hohe Emotionalität der Personen scheint dazu nicht zu passen. Genau das macht die Faszination des Buches aus.

Elisabeth Nagel

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Über uns (Eshkol Nevo)

Über uns

Eshkol Nevo

Drei Etagen eines Wohnhauses – drei Menschen in Bedrängnis

Der israelische Autor Eshkol Nevo lässt den Leser in seinem neuesten Buch, einem Episodenroman, hinter die Türen eines Wohnhauses und in die Psyche seiner Bewohner blicken. In drei aufeinanderfolgenden Kapiteln (entsprechend den Stockwerken) schreibt oder spricht sich die jeweilige Hauptperson ihren drückenden Kummer und ihre Geheimnisse von der Seele: Arnon, ein junger Familienvater, hegt einen Verdacht gegen seinen betagten Nachbarn und richtet damit großen Schaden an. In der zweiten Etage erwachen die Lebensgeister der tief unglücklichen Chani, als ihr von der Polizei gesuchter Schwager vor der Tür steht. Die pensionierte und verwitwete Richterin Dvorah schließlich leidet unter einem Zerwürfnis mit ihrem Sohn, das noch zu Lebzeiten ihres Mannes entstanden ist, und geht nun neue Wege…
Einfühlsam und psychologisch packend erzählt!

Jutta Schleinkofer

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Unter der Drachenwand (Arno Geiger)

Unter der Drachenwand

Arno Geiger

Anti-Held auf Fronturlaub

Veit Kolbe, ein österreichischer Soldat, kehrt 1944 aufgrund einer Verletzung von der Ostfront nach Wien zurück. Nachdem er bei seiner Familie keinen Rückhalt findet, entschließt er sich, seinen Genesungsurlaub bei seinem Onkel in Mondsee zu verbringen. Dieser kleine ländlich gelegene Ort unter der Drachenwand bietet Veit die Möglichkeit, seine Erlebnisse, vor allem die seelischen, zu reflektieren und sein Leben unter andere Gesichtspunkte zu stellen. Neben Veits Geschichte begleitet man Margot, Veits Zimmernachbarin, die mit ihrem Baby aus Darmstadt geflohen ist; den „Brasilianer“, der sich die Freiheit seiner Gedanken nicht nehmen lassen möchte; Margarete, die ihre Verantwortung für eine Gruppe von „verschickten Mädchen“ als Last empfindet; Nanni und Kurt, die nicht zueinander finden, und Oskar Meyer, der um das Überleben seiner verfolgten Familie kämpft. Zum Ende hin wird klar, dass Veit seiner Rolle als Soldat nicht entkommen kann und sich erneut seinen Albträumen stellen muss. Und doch mit der Gewissheit, in sein neu gefundenes Leben zurückzukehren.
Arno Geiger hat für seinen Roman zahlreiche Briefe und Tagebucheinträge gesichtet und diese bearbeitet. Gerade durch die Tagebuchform und die banalen Schilderungen des Alltags schrumpft die Distanz zu den Geschehnissen und man folgt gebannt den einzelnen Schicksalen der Protagonisten.

Patricia Mock

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Was nie geschehen ist (Nadja Spiegelman)

Was nie geschehen ist

Nadja Spiegelman

Gibt es eine subjektive Wahrheit?

Nadja Spiegelman wächst als Tochter des Pulitzerpreisträgers Art Spiegelman und der Kunsthistorikerin Françoise Mouly in einem intellektuellen Künstlerhaushalt in New York auf. In ihrem autobiographischen Debütroman spürt sie der schillernden Persönlichkeit ihrer Mutter nach. Den verklärten Blick der Kindheit kann die erwachsene Nadja nicht mehr aufrecht- erhalten, zeigen sich doch auch viele dunkle Seiten im Wesen der Mutter. Die Suche nach deren Ursprung in der Vergangenheit wird für die Autorin immer dringlicher.
In vielen Gesprächen mit der Mutter und später mit der Großmutter nähert sie sich der eigenen spannenden Familiengeschichte und muss feststellen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern viele Versionen davon. Je mehr sie über das Leben ihrer Mutter erfährt, umso deutlicher wird, dass Nadja Spiegelman auf dieser Suche auch sich selbst begegnet. Die Autorin stellt eine sehr universelle Frage nach Familie und welche Auswirkungen sie auch Generationen später für den Einzelnen hat. “Was nie geschehen ist” ist ein faszinierender Generationenroman aus überwiegend weiblicher Sicht, der eine große Sogwirkung auf den Leser hat.

Elke Weirauch-Glauben

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Wenn Martha tanzt (Tom Saller)

Wenn Martha tanzt

Tom Saller

"Wenn die Musik zu Kreisen, Dreiecken und Quadraten wird"

Es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich in den Stil von Tom Saller hineinfand, doch dann hat mich die Geschichte von Martha und ihrem Leben völlig in ihren Bann gezogen. Martha Wetzlaff wird 1900 in Pommern geboren, im "großen Haus“, umgeben von Musik und Menschen, die sie lieben. Hundert Jahre später findet ihr Urenkel Thomas ein Notizbuch mit Marthas Aufzeichnungen und bisher unbekannten Zeichnungen berühmter Bauhauskünstler.
Thomas reist nach New York, um das Notizbuch versteigern zu lassen - parallel dazu begleiten wir Martha durch ihr bewegtes Leben.
Für mich ein Buch zum Eintauchen in diese spannende Zeit, in eine Welt voll Musik, Kreativität und mit ganz besonderen Beziehungen.

Birgit Rupp

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Der volllkommmen normale Herr Gnirzdefrrrtz (Martin Fuchs & Frederic Bertrand)

Der volllkommmen normale Herr Gnirzdefrrrtz

Martin Fuchs & Frederic Bertrand

ab 3 Jahren

Sind wir nicht alle ein bisschen Gnirzdefrrrtz?

Was für ein langweiliges Buch. Es handelt von einem völlig normalen Menschen mit einem Bart aus grünen Würmern, einem 12, nein, 10 Meter hohen Hund (mit Spitznamen Sausemaus), karierten Zähnen und weiteren ganz alltäglichen Eigenarten und Hobbys. Die herrlich überdrehten Bilder und sehr überzeugenden Erklärungen, warum nun wirklich alles an Herrn Gnirzdefrrrtz vollkommen normal ist, machen dieses Buch zu einem Vorlesespaß sondergleichen. Lachgarantie!

Sven Puchelt

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Hasentage (Daphne Louter)

Hasentage

Daphne Louter

ab 3 Jahren

Ein Bilderschatz

Ganz ohne Worte erzählt Daphne Louter in diesem nostalgisch anmutenden und doch modernen Bilderbuch vom Tagesablauf zweier Hasenkinder. Aufstehen, frühstücken, spielen, einkaufen, fernsehen, lesen, zubettgehen – alles wird in pastelligen, detailverliebten und doch nie überfrachteten Bildern dargestellt. Immer dabei ist das Haustier der beiden Hasenkinder, das Huhn. Ein Buch, das zum Erzählen und Beobachten anregt.

Sven Puchelt

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Die Bibel (Barbara Barthos-Höppner & Britta Teckentrup)

Die Bibel

Barbara Barthos-Höppner & Britta Teckentrup

für alle

„Eine Familienbibel zwischen künstlerischer Erwachsenenbibel und klassischer Kinderbibel“

Die Sprache von Barbara Bartos-Höppner ist klar, einfach, reduziert und so, dass sie für heutige Kinder gut verständlich ist. Es wurden über siebzig Geschichten aus dem alten und neuen Testament ausgewählt.
Die Bilder von Britta Teckentrup sind so schlicht, stimmungsvoll und voller Zauber, dass sich unsere zweieinhalbjährige Tochter spontan in sie verliebt hat - und ich mich noch dazu.
Nun bin ich mir absolut sicher: diese Bibel wird uns bis ins hohe Alter begleiten.

Birgit Rupp

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Im Gefängnis (Thomas Engelhardt & Monika Osberghaus)

Im Gefängnis

Thomas Engelhardt & Monika Osberghaus

ab 8 Jahren

Leben hinter Gittern

Der Papa von Sina muss drei Jahre ins Gefängnis gehen. Er hat einen Raubüberfall begangen. Sina ist darüber natürlich sehr traurig. Sie darf ihn aber dort mit ihrer Mama besuchen. Für Sina ist es eine schwere Zeit und ihre Mama ist oft traurig und muss nun auch mehr arbeiten.
Das Buch erklärt auf vielen Extraseiten, wie es im Gefängnis aussieht, wer dort alles arbeitet und wie die Gefangenen leben. Ich fand die Geschichte sehr interessant, da ich bisher nicht viel über das Gefängnis wusste.

Fabian Saly (10 Jahre alt)

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Robin Hood (Birge Tetzner)

Robin Hood

Birge Tetzner

ab 8 Jahren

Kindgerechtes Hörbuch über den edlen Räuber

Der Robin-Hood-Stoff ist schon in vielen Büchern, Hörspielen und Filmen verarbeitet worden. Braucht es da wirklich noch eine weitere Version? Wenn sie so gut gemacht ist wie diese inszenierte Lesung, auf jeden Fall! Birge Tetzner hat Legenden über den edlen Räuber aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und in ein kurzweiliges, spannendes Hörspiel verpackt. Der Spielmann Alan-a-Dale, selbst eine Figur aus den Legenden, erzählt davon, wie Robin von Locksley zu Robin Hood wurde, wie er seine Gefährten um sich scharte und dem Sheriff von Nottingham immer wieder ein Schnippchen schlug. Andreas Fröhlich verleiht Alan-a-Dale einen tollen Erzählton und die Rahmeninszenierung mit weiteren Sprechern, Musik und Geräuschen schafft viel Atmosphäre. Besonders hervorzuheben ist auch das informative Booklet der CD, das viel Hintergrundwissen zu Robin Hood liefert.

Sven Puchelt

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Für immer Alaska (Anna Woltz)

Für immer Alaska

Anna Woltz

ab 10 Jahren

Wie weit geht Parker, um ihre Hündin zurückzubekommen?

Im Leben der dreizehnjährigen Parker läuft gerade nicht alles rund. Die geliebte Hündin Alaska musste wegen einer Allergie von Parkers Bruder weggegeben werden, der Vater traut sich nach einem Überfall auf sein Fotogeschäft nicht mehr aus dem Haus und in der neuen Klasse sitzt mit Sven ein sehr unangenehmer Mitschüler. Als Parker mitbekommt, dass Alaska inzwischen als Assistenzhund bei Sven lebt (warum sei hier nicht verraten), ist für Parker klar: Sie muss Alaska dort wegholen. Wieder beweist die niederländische Autorin ihre Meisterschaft darin, große Geschichten leicht und charmant zu erzählen.

Sven Puchelt

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Der Pfad (Rüdiger Bertram)

Der Pfad

Rüdiger Bertram

ab 12 Jahren

Flucht in die Freiheit

Der zwölfjährige Rolf steht im Mittelpunkt des Romans von Rüdiger Bertram. Rolf flieht mit seinem Vater vor dem Naziregime nach Frankreich. Das Ziel der beiden ist New York, wo bereits Rolfs Mutter wartet. Nachdem der Fluchtweg beschlossene Sache ist, machen sich Vater und Sohn 1941 auf den Weg. Ihr Fluchthelfer Manuel ist ein Hirtenjunge, kaum älter als Rolf, der sich in den Bergen bestens auskennt. Durch einen von Rolf verschuldeten Vorfall wird der Vater festgenommen. Die beiden Jungen können entkommen und machen sich allein auf die abenteuerliche Reise durch die Pyrenäen nach Spanien. Die anfängliche Abneigung der beiden entwickelt sich zu einer engen Freundschaft.
Ein berührendes Jugendbuch, welches auf historischen Fakten beruht und auch für Erwachsene zu empfehlen ist. Die Geschichte ist spannend, humorvoll, aber auch traurig und liefert historisches Wissen, welches sehr gekonnt und kindgerecht in der fesselnden Story verpackt wurde, ohne dabei moralisch zu wirken.

Patricia Mock

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Ocean City - Jede Sekunde zählt (R. T. Acron)

Ocean City - Jede Sekunde zählt

R. T. Acron

ab 13 Jahren

Schöne neue Welt

Ocean City ist eine schwimmende Megacity irgendwann in der Zukunft. Bezahlt wird hier mit Zeit. Da ist es natürlich verlockend, an den Zeitkonten herumzumanipulieren, um sich selbst oder den Eltern etwas mehr freie Zeit zu verschaffen. Als  Crockie, Jackson und Henk genau das machen, rufen sie mächtige Gegner auf den Plan. Nie ist ganz klar, wer hier zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Dieser spannende Auftakt der Ocean-City-Trilogie schafft es garantiert, auch überzeugte Nichtleser zu fesseln. Hinter dem Pseudonym R.T. Acron verbergen sich übrigens die Autoren Christian Thielmann und Frank Maria Reifenberg.

Sven Puchelt

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Pheromon - Sie riechen dich (Rainer Wekwerth & Thariot)

Pheromon - Sie riechen dich

Rainer Wekwerth & Thariot

ab 14 Jahren

Was bezweckt das Human Future Project?

Noch ein spannender Auftakt zu einer Trilogie. 2018: Der siebzehnjährige Jake stellt eines Tages fest, dass sich sein Geruchssinn extrem verändert hat. Er riecht Gefühle von anderen. Außerdem ist seine Kurzsichtigkeit plötzlich weg und in Mathe machen ihm die schwierigsten Aufgaben keine Probleme mehr. Gleichzeitig wird er auf die soziale Organisation Human Future Project (HFP) aufmerksam, die immer mehr Zulauf erhält. 2118: Im zweiten Erzählstrang umspannt das HFP-Netzwerk den ganzen Erdball und der Arzt Travis findet heraus, dass HFP die Welt klammheimlich verändert - und das nicht zum Guten. Geschickt arbeiten die Autoren in diesem Science-Fiction-Thriller mit Cliffhangern und verschiedenen Erzählsträngen. Auch wenn die Darstellung der Charaktere zeitweise etwas tiefgründiger hätte sein können, liest man das Buch atemlos und wartet gespannt auf die Fortsetzung, die im Juli erscheint.

Sven Puchelt

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Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken (John Green)

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green

ab 14 Jahren

No way out

„Unsere Herzen sind an der gleichen Stelle gebrochen. Das ist so etwas wie Liebe, aber vielleicht nicht ganz dasselbe“, sagt Aza Holmes, die Hauptfigur im Roman. Hätte ihre Geschichte nicht John Green geschrieben, wäre sie vielleicht kitschig geworden: die Liebesgeschichte zwischen der zwangsgestörten Aza und dem wohlstandsverwahrlosten Davis. Beide sind Halbwaisen und gefangen in ihrem Leben bzw. ihren Gedanken. Aza in ihrer zwanghaften Angst vor Bakterien, die jeglichen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen verhindert, und Davis in seinen kaputten Familienverhältnissen.
Dass es John Green gelungen ist, nach Hazel Grace aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“  gleich wieder eine so intensive Figur wie Aza zu erschreiben und auf hohem Niveau ihre Geschichte (die er wohl aus eigener Erfahrung  kennt) zu erzählen, zeugt von großer schriftstellerischer Begabung. Ein Happy End gibt’s in seinen Geschichten meistens nicht, trotzdem ist man glücklich, sie gelesen zu haben.

Margret Thorwart

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