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Buchtipps 2017 Herbst & Winter

Buchtipps 2017 Herbst & Winter

Das Leben des Vernon Subutex (Virginie Despentes)

Das Leben des Vernon Subutex

Virginie Despentes

Geschichte eines sozialen Abstiegs

Wer romantische Geschichten mit Happy End mag, sollte um dieses Buch einen großen Bogen machen. In dieser Geschichte geht es ganz nach unten, sozusagen in die finstersten Abgründe der Gesellschaft. Vernon Subutex, hipper Plattenladenbesitzer, muss aufgrund der kostenlosen Streamingplattformen seinen Laden schließen. Ende. Aus. Seine Odyssee zu ehemaligen Freunden, um ein Bett für eine Nacht zu ergattern, führt durch alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten der Grande Nation.
Eine radikal erzählte Geschichte über zerbrochene Jugendträume und über alle aktuellen Themen der französischen Gesellschaft (Digitalisierung, Islamisierung, Aufstieg der Rechten etc.).

Margret Thorwart   


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Kleines Wörterbuch für Liebende (Xialou Guo)

Kleines Wörterbuch für Liebende

Xialou Guo

Kulturschock einer jungen Chinesin

Die junge Zhuang aus China kommt nach London, um Englisch zu lernen. Nicht nur die Sprache ist für sie fremd und schwierig, auch Zwischenmenschliches stellt sie vor so manches Problem. Was sie erlebt und wie es ihr ergeht, schreibt sie in ihr Notizbuch. Als sie sich in einen Engländer verliebt, zieht sie Hals über Kopf bei ihm ein – dazu ist es eigentlich nur durch ein sprachliches Missverständnis gekommen. Es bleibt nicht das einzige zwischen ihr und ihrem Liebsten, der nicht bloß einem anderen Kulturkreis angehört, sondern auch um einiges älter ist. Viel Situationskomik ergibt sich aus Zhuangs Naivität und ihren mangelnden Sprachkenntnissen. Ein amüsanter Roman, auch wenn die Beziehung einer naiven junge Chinesin mit einem zivilisationsmüden, alternden Engländer von vorneherein aussichtslos ist.

Elisabeth Nagel

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Der Geruch des Paradieses (Elif Shafak)

Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak

Glaube und Zweifel, Tradition und Moderne

Peri wächst in den 80er Jahren in Istanbul auf. Ihr Vater ist säkular, ihre Mutter hingegen eine strenggläubige Muslima. Peris Suche nach einem eigenen Weg führt sie zum Studium nach Oxford. Hier begegnet sie zwei jungen Frauen, die von einem ähnlichen Kulturkreis geprägt wurden. Mona, die streng religiös lebt, sich jedoch auch für Frauenrechte engagiert, und Shirin, die sich westlich orientiert hat. Sie besuchen ein Seminar mit dem Titel «Gott». Dieses Seminar wird Peris weiteres Leben prägen. Jetzt im Jahr 2016 ist sie verheiratet und Mutter von drei Kindern. Doch ein altes Foto aus ihrer Studienzeit wirft bei ihr Fragen auf. Ist sie mit ihrem Leben zufrieden? Möchte sie noch in ihrer Heimat leben?
Elif Shafak schreibt sehr klug und spannend über die Stellung der Frau im Islam und die gegenwärtige türkische Gesellschaft.

Anja Saly

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Durch alle Zeiten (Helga Hammer)

Durch alle Zeiten

Helga Hammer

„Ein echtes ganzes Leben“

Helga Hammer erzählt in ihrem Debüt „Durch alle Zeiten“ ein Frauenleben in einem österreichischen Bergdorf, von den 50er Jahren bis in die Gegenwart:
Elisabeth ist eine einfache Frau. Mit siebzehn Jahren verliebt sie sich in Niklas. Aufgrund gesellschaftlicher Zwänge darf diese Liebe jedoch nicht sein.
Sehr bewegend und mitreißend schildert Helga Hammer ein Leben, das geprägt ist von harter Arbeit und bigotter Moral. Doch Elisabeth lässt sich nicht unterkriegen und geht trotzdem ihren Weg!

Ulla Leber

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Swing Time (Zadie Smith)

Swing Time

Zadie Smith

Beschwingter Roman über schwarze Identität

Zwei kleine Mädchen treffen bei einem Tanzkurs in einem Londoner Gemeindezentrum aufeinander und eine erkennt sich in der anderen wieder, weil sie die einzigen „braunen“ Kinder unter Weißen sind. Ihren Weg durch Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter beschreibt die Autorin in diesem äußerst leichtfüßig erzählten Roman. Während Tracey eher aus prekären Verhältnissen kommt, aber aufgrund ihres großen Talents eine professionelle Bühnenkarriere beginnen kann, bleibt die Icherzählerin in der Geschichte die Suchende, Fragende und sich auf Umwegen durchs Leben Bewegende. Mit einer auf Bildung und sozialen Aufstieg versessenen Mutter im Hintergrund wird sie für einige Zeit persönliche Assistentin (oder bezahlte „Leibeigene“?) der Popdiva Aimee und jettet mit ihr durch die Welt. Die Reise führt auch immer wieder nach Westafrika, wo Aimee Kinder adoptiert und Schulen baut.
Mir gefällt, wie es Zadie Smith gelingt, einen überaus leicht lesbaren Roman zu schreiben und Fragen wie Herkunft, Identität, Hautfarbe und sogar die Folgen des Kolonialismus und Entwicklungshilfe zum Thema zu machen.

Jutta Schleinkofer


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Ein irischer Dorfpolizist (Graham Norton)

Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton

Unblutiges von der Grünen Insel

Sergeant Collins ist beleibt, mittelalt und schüchtern. In seiner vielleicht nicht ganz freiwilligen Ruhe wird er gestört, als in Duneen – dem kleinen Dorf, in dem er seinen Dienst versieht − bei Bauarbeiten menschliche Überreste gefunden werden. Er beginnt zu hoffen, dass die Dorfbewohner ihm mit mehr Respekt begegnen, sollte er diesen Fall lösen können. Doch zunächst läuft es nicht gut und zu allem Überfluss werden im Laufe der Ermittlungen zwei Frauen für ihn wichtig, obwohl er eigentlich mit diesem Kapitel abgeschlossen hatte. Dummerweise sind beide in den Fall verwickelt. Dieser Krimi ist eher ein melancholischer „Roman mit Leiche“, bei dem die Figuren und ihre persönlichen Schicksale im Mittelpunkt stehen. Sergeant Collins, Hauptfigur und Titelgeber, war mir auf Anhieb sympathisch; von Beginn an wünscht man ihm, dass er doch nochmal etwas aus seinem Leben macht. Und man wird nicht enttäuscht!

Elisabeth Nagel

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Die Gleichung des Lebens (Norman Ohler)

Die Gleichung des Lebens

Norman Ohler

Friedrich II., Leonhard Euler und die Trockenlegung des Oderbruchs

Im Sommer 1747 plant Friedrich II., das Oderbruch in Ackerland zu verwandeln und dort neue, willfährige Untertanen anzusiedeln. Das Mathematikgenie Leonhard Euler soll  die dafür nötigen Berechnungen durchführen. Das Oderbruch ist zu dieser Zeit eine unwegsame Landschaft mit einem unfassbar riesigen Fischaufkommen, Schildkröten und Wasservögeln. Die Wenden, die hier als Fischer leben, fürchten nun den Untergang ihrer Welt und rufen zum Widerstand auf.  Als ein Ingenieur  tot am Oderstrand angetrieben wird, soll  Euler die Ermittlungen in diesem Fall übernehmen. Der Ingenieur ist an einem rätselhaften Fieber verstorben, an dem nun auch Euler erkrankt. Nur die Begegnung mit Oda, der Tochter des Anführers der Wenden, kann sein Leben noch retten.

Anja Saly

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Die Farbe von Milch (Nell Leyshon)

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon

„Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.“

Mary ist 14 und lebt mit ihren Eltern und ihren Schwestern auf einem Bauernhof. Ihr Leben ist arbeitsreich und hart. Der Vater ist brutal, die Mutter unbarmherzig und kalt. Als Mary 15 wird, ändert sich ihr Leben grundlegend. Mary zieht in den Haushalt des Dorfpfarrers, um dessen schwerkranker Frau Gesellschaft zu leisten. Die kranke Frau ist mitfühlend und wohlwollend,
Mary kommt zum ersten Mal mit Bildung und einem bürgerlichen Leben in Berührung. Doch die Pfarrersfrau stirbt und Mary bleibt allein mit dem Hausherrn im Haushalt zurück, wodurch sich ihr Schicksal wiederum dramatisch wendet.
Nell Leyshons Roman ist ein eindringliches Kammerspiel über Klassenunterschiede, Armut und das hoffnungslose Leben einer standeslosen Frau in einer patriarchalen Welt. Die Autorin hat die passende Sprache für diese ungewöhnliche Hauptfigur gefunden: einfach, unverblümt und fesselnd.

Birgit Rupp

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Betrunkene Bäume (Ada Dorian)

Betrunkene Bäume

Ada Dorian

Eine berührende Geschichte in wundervoller Sprache

Ada Dorian erzählt in ihrem Debüt die Geschichte des Baumforschers Erich. Dieser war als junger Mann für ein Forschungsprojekt in der Taiga, wo er unter anderem das Phänomen der „betrunkenen Bäume“ erforschte. Dort lädt er Schuld auf sich, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet. Nun, als 80-jähriger, ist er in einer Sackgasse der Einsamkeit gelandet und verliert nach und nach seine Unabhängigkeit. Er findet Trost und Halt, indem er unter strenger Geheimhaltung einen kleinen Wald in seinem Schlafzimmer züchtet. Als die junge Ausreißerin Katharina plötzlich und unerwartet in sein Leben tritt, entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft.
Die poetische Sprache in dieser stillen und unaufgeregten Erzählung kommt auf eindrucksvolle Weise zur Geltung und man wird regelrecht in ihren Bann gezogen. Ein Lesegenuss.

Patricia Mock

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Der gute Mörder (William Shaw)

Der gute Mörder

William Shaw

Außergewöhnlicher Plot, außergewöhnlicher Ermittler, außergewöhnlich guter Krimi

Streifenpolizist William South lebt zurückgezogen an der Küste Kents. Als ein Nachbar und Freund ermordet wird und seine neue Vorgesetzte South zu den Ermittlungen hinzuzieht, ist dieser nicht begeistert. South möchte nichts mit einer Mordermittlung zu tun haben, denn er hat, wie der Leser gleich auf der ersten Seite des Romans erfährt, selbst schon einen Mord begangen, was aber sonst niemand weiß. William Shaw schreibt packend und schnörkellos. Wir leiden mit William South und fiebern auf die Lösung des Mordfalls hin, wissend, dass auch Souths Geheimnis aus seiner Jugend während der Troubles in Belfast aufgedeckt werden könnte.  

Sven Puchelt

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Qualityland (Marc-Uwe Kling)

Qualityland

Marc-Uwe Kling

Lustige Dystopie ohne Känguru

Müller, Schneider, Wagner, Schuhmacher – in Qualityland werden Namen, die auf Berufe hinweisen, modernisiert. Man heißt nun nach dem Beruf des Vaters oder der Mutter, also zum Beispiel Peter Arbeitsloser oder Mildred Bürokraft. Auch sonst ist in Qualityland alles auf höchste Qualität ausgelegt. Drohnen von „The shop“ liefern Ware, von der man noch gar nicht weiß, dass man sie möchte, bezahlt wird per TouchKiss; Autos fahren natürlich autonom (und hören, wenn sie alleine unterwegs sind, Musik – am liebsten „Industrial“) und jeder hat einen persönlichen digitalen Assistenten. Was der Unterschied zwischen der dunklen und der hellen Einbandvariante ist? Schauen Sie selbst, oder fragen Sie uns. Auf jeden Fall sei „Qualityland“ allen Marc-Uwe-Kling-Fans wärmstens ans Herz gelegt, auch wenn kein Känguru darin vorkommt. Das Hörbuch wurde natürlich wieder vom Autor selbst eingelesen!

Sven Puchelt

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Die Geschichte der Bienen (Maja Lunde)

Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde

„Eine Art ökologische Tragödie“

Das emsige Volk der Bienen, das uns durch seine Arbeit viele Nahrungsmittel und eine schöne, blühende Welt sichert, wird immer kleiner. Doch angesichts der vielen anderen Katastrophen, die den Menschen direkter betreffen, findet man dieses Unheil nur sehr selten in den Schlagzeilen. Anders in der Literatur. Hat schon Laline Paull vor einiger Zeit mit ihrem Buch „Die Bienen“ den kleinen Geschöpfen ein Denkmal gesetzt, so widmet sich jetzt auch die Norwegerin Maja Lunde dem Thema, allerdings aus einem ganz anderen Blickwinkel. Denn sie erzählt „Die Geschichte der Bienen“ nicht wie Paull aus Sicht einer Biene, sondern aus Sicht der Menschen, die unmittelbar mit Bienen zu tun haben. Raffiniert baut sie ihren Roman dabei auf drei Zeitebenen mit drei Protagonisten auf: 1852 lebt in England der Biologe und Samenhändler William. Als es ihm wieder einmal ganz schlecht geht, kommt er auf die Idee, einen neuen, idealen Bienenstock zu erfinden. 2007 arbeitet in Ohio in den USA George mit solchen Bienenstöcken. Er ist ein mobiler Imker und bringt seine Völker dorthin, wo sie gebraucht werden. Doch eines Tages sind die Stöcke leer. 2098 gibt es in China längst keine Bienen mehr. Wie in manchen Regionen schon jetzt, übernehmen Tausende von Menschen das Bestäuben der Obstbäume. Eine von ihnen ist Tao, die sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen wünscht. Alle drei scheitern mit ihren Vorhaben, ihre Lebensträume gehen nicht in Erfüllung. Doch Maja Lunde findet ein tröstliches Ende für ihren Roman. Das Unglück Taos ist letztlich Garant für die Zukunft der Menschheit.
Ein schönes Buch, das man in einem Zug zu Ende lesen möchte.

Andrea Schubert

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Max (Markus Orths)

Max

Markus Orths

Das Leben Max Ernsts in einem großartigen Roman

Anhand der sechs wichtigen Frauen in Max Ernsts Leben, Luise Straus-Ernst, Marie-Berthe Aurenche, Gala, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim und Dorothea Tanning, erzählt Markus Orths faktenreich und trotzdem mit schriftstellerischer Freiheit von einem Künstlerleben und gleichzeitig von 70 Jahren Weltgeschichte. Der Beginn des Dada, die wilden Zwanziger, Verfolgung und Internierung während des Nazi-Regimes, die Flucht aus Europa und der Lebensabend in den USA werden von Markus Orths in einen prallen, leidenschaftlichen Roman verpackt. Der ewige Kampf, als Künstler anerkannt zu werden, zieht sich ebenso durch Ernsts Leben wie die exzessiven, manchmal zerstörerischen Liebesbeziehungen des Künstlers. Ein Roman, der viel erzählt und lange nachhallt.

Sven Puchelt

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Underground Railroad (Colson Whitehead)

Underground Railroad

Colson Whitehead

Ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte, das bis in die Gegenwart hineinreicht

Mitte des 19. Jahrhunderts gelang Sklaven immer wieder die Flucht aus den Südstaaten der USA in den „freien“ Norden. Unterstützung erhielten viele von ihnen durch die „Underground Railroad“, ein Fluchthelfer-Netzwerk, das sich in der Kommunikation Begriffen aus dem Eisenbahnverkehr bediente. Vor diesem Hintergrund erzählt Colson Whitehead in seinem ungemein bewegenden Roman von der Flucht der jungen Cora von einer Baumwollplantage in Georgia. Schon Coras Mutter gelang vor einigen Jahren die Flucht, und so setzen der Farmbetreiber Randall und der Sklavenjäger Ridgeway alles daran, Cora wieder einzufangen. Whiteheads erzählerischer Kunstgriff dabei ist, die „Underground Railroad“ wörtlich zu nehmen, also als ein weit verzweigtes Tunnelnetzwerk zu beschreiben. Es ist keine leichte Kost, die Whitehead dem Leser präsentiert, Grausamkeiten gegenüber den angeblich minderwertigen, zu bloßen Besitztümern erklärten Schwarzen, aber auch gegenüber weißen Fluchthelfern schildert der Autor erbarmungslos. Trotzdem zieht sich auch eine Hoffnung auf bessere Zeiten durch den Roman. Dass der Rassismus auch in heutiger Zeit in den USA und anderswo salonfähig ist, zeigen viele Beispiele. Umso wichtiger ist dieses Buch.

Sven Puchelt

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Die Wurzel alles Guten (Mika Nousiainen)

Die Wurzel alles Guten

Mika Nousiainen

Roadtrip mit Zahnarzt

Als Pekka im Zahnarztstuhl sitzt, hat er das Gefühl, der Zahnarzt Esko, der den gleichen außergewöhnlichen Nachnamen trägt wie er selbst, könnte sein Halbbruder sein. Und so machen sich Pekka und Esko nach einigem Hin und Her auf, ihren Vater zu suchen, an den sie beide nur vage Erinnerungen haben. Es bleibt nicht bei den zwei Halbgeschwistern, so viel sei verraten, aber was den beiden auf ihrer Reise um den halben Erdball alles zustößt und wer ihnen begegnet und wie sich durch diese Reise ihrer beider Leben verändert, das ist so liebevoll, witzig und verschroben erzählt, dass jedes weitere Wort den Lesegenuss schmälern würde.

Sven Puchelt

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Das Genie (Klaus Cäsar Zehrer)

Das Genie

Klaus Cäsar Zehrer

„Ich bin der einzig Normale, das merkt nur keiner, weil die Welt verrückt ist.“

Zwischen Genie und Wahnsinn liegt nur ein schmaler Grat. Auf diesem balanciert Claus Cäsar Zehrer in seinem Debütroman mit Eleganz, Grazie und Empathie. Er erzählt die wahre Lebensgeschichte des William James Sidis, dem „Wunderjungen von Harvard“, der aufgrund der besonderen Erziehung durch seinen Vater Boris zum Genie heranwuchs, schon mit elf die Professoren verblüffte und mit 16 seinen Hochschulabschluss machte. Doch William scheitert an seiner Konsequenz, an seinen Prinzipien. Denn er ist nicht bereit, Anfang des 20. Jahrhunderts seine Genialität in den Dienst der Profitsucht, der Ausbeutung, der Kriegsgewinnler und damit Mörder zu stellen. Er träumt von einer „gleichen“, gerechten Gesellschaft. Lieber arbeitet er als einfacher Bürohelfer mit einer schlichten Rechenmaschine und lebt einsam in ärmlichsten Verhältnissen, als sich beim berühmten Massachusetts Institute of Technology, MIT an der Entwicklung einer Kriegswaffe zu beteiligen und Geld zu scheffeln. Zehrer hat das Leben der Familie Sidis genau studiert und daraus diesen wunderbaren Roman gemacht. Wer ihn liest, wird hineingesogen in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, von einer neuen, ungewohnten Seite aus gesehen. Und vielleicht werden auch Sie von Seite zu Seite mehr feststellen, dass William vielleicht wirklich der einzig Normale und die ganze Welt verrückt ist.

Andrea Schubert

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Die hässlichen Fünf (Julia Donaldson & Axel Scheffler)

Die hässlichen Fünf

Julia Donaldson & Axel Scheffler

ab 4 Jahren

Donaldson /Scheffler in Bestform

Quasi die Bilderbuchausgabe zum Thema des Jugendbuchs „Die Königinnen der Würstchen“, das ich in diesem Flyer ebenfalls bespreche. Das Gnu, die Hyäne, der Ohrengeier, das Warzenschwein und der Marabu wissen, dass sie nicht zu den hübschesten, niedlichsten Tieren gezählt werden, und singen gemeinsam ein Lied über ihre Hässlichkeit. Für ihre Kinder aber sind sie die schönsten, stärksten und liebevollsten Eltern, die man sich vorstellen kann. Salah Naoura hat die englischen Reime von Julia Donaldson kongenial ins Deutsche übertragen und die Illustrationen von Axel Scheffler sind einfach herrlich!

Sven Puchelt

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Kalle Komet (Susanne Glanzner)

Kalle Komet

Susanne Glanzner

ab 5 Jahren

MARSmallows und Niesschnuppen

Paul ist der Meinung, immer viel zu früh ins Bett zu müssen, wo er doch noch so viel zu spielen hat. Natürlich will ihm das Einschlafen einfach nicht gelingen. Da hört er ein Klopfen an seinem Fenster. Es ist Kalle Komet, der ihn gerne in seiner feuerroten Rakete mit ins Weltall nehmen möchte. Da überlegt Paul nicht lange und steigt ein. Auf den nächtlichen Reisen lernt Paul Kalles Freunde Krissie Kristall und All-Fred kennen. Zudem müssen die Freunde unbedingt das perfekte Orange für den Regenbogen finden, das blöderweise aufgrund einer Niesschnuppenkollision kaputtgegangen ist.
Für diese Geschichten geht man doch gerne ins Bett und freut sich auf das nächste Abenteuer mit Paul und Kalle. Und ein kleines bisschen wartet man darauf, dass es auch am eigenen Fenster klopft...

Patricia Mock

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Das Liebesleben der Tiere (Katharina von der Gathen & Anke Kuhl)

Das Liebesleben der Tiere

Katharina von der Gathen & Anke Kuhl

ab 8 Jahren

Von Wal-Liedern, rätselhaften Aalen und Rabeneltern

„Ich krieg dich!“ – „Ich hab dich!“ – „Wenn der Nachwuchs kommt“. In diese drei Themenbereiche ist dieses ebenso witzige wie spannende und informative Sachbuch eingeteilt. Die Sexualpädagogin Katharina von der Gathen wurde von Kindern immer wieder gefragt, wie Tiere zu ihrem Nachwuchs kommen. Was liegt dann näher, als sich mit der Illustratorin Anke Kuhl zusammenzutun und sich, nachdem schon das gemeinsame Buch „Klär mich auf“ ein großer Erfolg war, nun dem Liebesleben der Tiere zu widmen. Und da geht es ganz schön zur Sache. Blut fließt, wenn Spitzmaulnashornbullen im Kampf um ein Weibchen aufeinandertreffen; Pandas wollen fast nie und Bonobos fast immer; und junge Siamesische Kampffische müssen aufpassen, dass sie nicht vom Vater gefressen werden, der sich doch liebevoll um sie gekümmert hat, als sie noch im Ei steckten. Anke Kuhl hat das Buch detailreich und sehr witzig illustriert. Ein besonderes Sachbuch für Klein und Groß!

Sven Puchelt

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Hochgradig unlogisches Verhalten (John Corey Whaley)

Hochgradig unlogisches Verhalten

John Corey Whaley

ab 13 Jahren

Freundschaft mit einem psychisch kranken Teenager

Solomon ist seit über drei Jahren aufgrund von Panikattacken nicht vor die Tür gegangen. Er lebt und lernt mit Erlaubnis seiner verständnisvollen, aber auch ratlosen Eltern zu Hause. Lisa, eine überehrgeizige, zielstrebige Schülerin seiner ehemaligen Highschool muss für eine Bewerbung zum Psychologiestudium einen Aufsatz über ihre persönliche Erfahrung mit psychisch Kranken schreiben. Sie „erschwindelt“ sich Zugang zu Solomon, und es entwickelt sich eine von Höhen und Tiefen geprägte Freundschaft, die bei beiden so einiges in Bewegung bringt.  

Jutta Schleinkofer

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Die Königinnen der Würstchen (Clémentine Beauvais)

Die Königinnen der Würstchen

Clémentine Beauvais

ab 14 Jahren

Roadtrip mit Fahrrad, Rollstuhl und Würstchen

„Die Wurst des Jahres“, diese Auszeichnung wird per Internet-Voting an einer Schule im französischen Bourg-en-Bresse vergeben. „Ausgezeichnet“ werden damit die hässlichsten Mädchen der Schule. Die sechzehnjährige Mireille war die letzten zwei Jahre Gold-Wurst, holt in diesem Jahr aber „nur“ Bronze. Astrid (Gold) ist neu an der Schule und geht nicht mit dem Galgenhumor Mireilles mit dem Titel um. Gemeinsam mit der jüngeren Hakima (Silber) planen sie eine außergewöhnliche Aktion. Sie wollen mit Fahrrädern nach Paris fahren und, aus unterschiedlichen Gründen, die Gartenparty im Elysée-Palast besuchen. Unterwegs möchten sie sich durch Würstchenverkauf etwas dazuverdienen. Hakimas großer Bruder, der als Soldat beide Beine verloren hat und im Rollstuhl sitzt, begleitet die drei. Auch wenn die Autorin vieles in die Geschichte hineinpackt, „Die Königinnen der Würstchen“ ist ein bittersüßes Buch, eine Geschichte über den eigenen Weg, Freundschaft, Mut und Selbstbewusstsein. Und noch dazu bisweilen urkomisch.

Sven Puchelt

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The hate U give (Angie Thomas)

The hate U give

Angie Thomas

ab 14 Jahren

„I´m a reflection of the community.“ Tupac Shakur

THUG LIFE – das sind die Buchstaben des Tattoos, das der Rapper Tupac Shakur auf seinem Bauch trug. Die Liedzeile dazu lautet „The Hate U Give Little Infants Fucks Everbody“, was so viel bedeutet wie „Den Hass, den ihr kleinen Kindern entgegenbringt, macht jeden kaputt“.
Diese Lyrics von Tupac haben Angie Thomas zu ihrem Roman inspiriert.
Die 16-jährige Starr lebt in Amerika in einem sogenannten schwarzen Problemviertel. Sie geht jedoch auf eine überwiegend von Weißen besuchte Privatschule und versucht diese zwei Welten so gut wie möglich zu trennen. Das funktioniert jedoch nicht mehr, als ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen erschossen wird und sie die einzige Zeugin ist. Die Polizei behauptet, er hätte Waffen und Drogen dabei gehabt, was jedoch nicht stimmt.
Durch ihre Aussage droht es zu Ausschreitungen in ihrem Viertel zu kommen.
Sie lernt ihren Standpunkt zu vertreten und dass es sich lohnt, für Gerechtigkeit zu kämpfen.
THUG thematisiert den Umgang mit Vorurteilen, Rassismus und Gewalt und ist ein Plädoyer für mehr Empathie.      

Jeannine Beihofer

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Freedom Highway (Rhiannon Giddens)

Freedom Highway

Rhiannon Giddens

Folk, Rock und Old-Time mit einer Ausnahmesängerin

You can take my body
You can take my bones
You can take my blood
But not my soul…

Am liebsten möchte ich diese tolle CD immer zusammen mit dem Buch “Underground Railroad” verkaufen. Nachdem Rhiannon Giddens auf ihrem Debütalbum „Tomorrow is my turn“ mit umwerfenden Coverversionen überzeugt hat, singt sie auf „Freedom Highway“ in erster Linie eigene Songs. Und diese beschäftigen sich vornehmlich mit der Situation der „people of color“ in der Geschichte wie in der heutigen Zeit. Die musikalische Bandbreite reicht dabei wieder von Folksongs über Blues bis zu rockig-funkigen Stücken.

Sven Puchelt

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Magnolia (Trio Larsson Mayr)

Magnolia

Trio Larsson Mayr

Schwedisch-deutsches Crossover

Maria Larsson (Geige, Nyckelharpa, Flöten, Gesang) und Anders Larsson (Gesang, Gitarre, Cister) aus Südschweden sowie Johannes Mayr (Akkordeon, Nyckelharpa, Harmonium, Gesang) aus dem Westerwald legen mit „Magnolia“ ihre erste Trio-CD vor. Und was ist das für ein Debüt! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Mit dem ausdrucksstarken Fiddlespiel, der besonderen Gesangsstimme, dem treibenden Akkordeon, den großartigen Nyckelharpa-Duetten, dem mehrstimmigen Gesang oder den durchdachten Arrangements, die die Musik nie statisch wirken lassen. Ein wunderschönes nordisches Folk-Album zwischen Tradition und Moderne.

Sven Puchelt

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Last Leaf (Danish String Quartet)

Last Leaf

Danish String Quartet

Klassisches Quartett auf den Spuren skandinavischer Folkmusik

Das Quartett aus drei Dänen und einem Norweger widmet sich auf seiner neuen CD einmal mehr dem musikalischen Erbe seiner Heimat. Traditionelle Tanzmusik und Instrumentalversionen alter Lieder stehen neben Eigenkompositionen oder Werken befreundeter Folkmusiker. Was die Musiker des Danish String Quartet dabei aus dem zumeist traditionellen Material machen, ist großartig. Den Rahmen bildet die Melodie eines bekannten dänischen Weihnachtsliedes, das eigentlich auf einen Trauerchoral Luthers zurückgeht. Und so zeigen die vier Musiker, die Konzertsäle auf der ganzen Welt füllen, wie unterschiedlich Melodien interpretiert werden können, spielen dabei ebenso mitreißend wie gefühlvoll und haben mit „Last Leaf“ für mich die CD des Jahres veröffentlicht.

Sven Puchelt

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Handgemachte Musik für Klein und Groß (Mami und die PapperlaPapis)

Handgemachte Musik für Klein und Groß

Mami und die PapperlaPapis

ab 3 Jahren

So muss Kindermusik sein!

Wenn man als Erwachsener nur mal eben in eine neue Kinder-CD hineinhören möchte und dann die ganze CD begeistert vom ersten bis zum letzten Ton anhört, will das etwas heißen. Mami und die PapperlaPapis stechen aus dem Kindermusik-Einheitsgedudel wohltuend heraus. Witzige Arrangements, eine gute Mischung aus eigenen und gecoverten Liedern und eine unbändige Spielfreude zeichnen diese CD aus. Die Affen hat man selten so durch den Wald rasen hören, das Kaminkehrerlied aus „Mary Poppins“ kann durchaus auch von einer Kaminkehrerin gesungen werden und Tee ist überhaupt das beste Getränk! Was für ein Glück für uns, dass die Musiker der Karlsruher Band Groove Incorporation, nachdem sie in den letzten Jahren fast alle Eltern geworden sind, festgestellt haben, dass man nach guter Kindermusik ganz schön suchen muss, und daher Eigeninitiative ergriffen haben!

Sven Puchelt

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