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Buchtipps 2016 Herbst & Winter

Meine geniale Freundin (Elena Ferrante )

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante

Porträt einer Frauenfreundschaft
Elena Ferrante ist eine italienische Autorin, von der man bis vor Kurzem fast nichts wusste, weil sie das Rampenlicht meidet. Was man aber weiß: Ihre Bücher wurden in Italien und allen weiteren Ländern, in denen sie erschienen sind, Bestseller. Mit Verspätung werden sie nun auch ins Deutsche übersetzt und die Rezensionen sind fast ausnahmslos voll des Lobes. Bei einem solchen Hype bin ich immer skeptisch und habe gleichzeitig hohe Erwartungen. Hier ist meine Skepsis gleich auf den ersten Seiten in Begeisterung umgeschlagen. Die Geschichte – insgesamt wird es vier Bände geben – ist groß angelegt, große Oper sozusagen, voller detailreicher Milieuschilderungen. Viele unterschiedliche Charaktere bevölkern das Buch auf so lebendige Art, dass man glaubt, sie persönlich zu kennen.
Es geht um zwei Freundinnen im Neapel der 50er Jahre. Lila und Elena wachsen in einem ärmlichen Stadtviertel auf, umgeben von gewaltbereiten Männern und keifenden Frauen. Beide Mädchen sind sehr intelligent, doch nur Elena darf die weiterführende Schule besuchen. Lila ist der Sprung aus ihren begrenzten Verhältnissen durch Bildung verwehrt; vermeintlich macht sie das Beste daraus und heiratet mit sechzehn einen jungen Mann mit Geld aus ihrem Viertel. Mit dieser Hochzeit endet der erste Band. Das Ende, der letzte Absatz lässt die vorherigen Ereignisse in einem so gänzlich anderen Licht erscheinen und erzeugt so viel Spannung, dass ich den zweiten Teil, der Ende Januar erscheinen wird, schon ungeduldig erwarte.

Elisabeth Nagel

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Nora Webster (Colm Toibin)

Nora Webster

Colm Toibin

Der Ire Tóibín hat eine Art, die Dinge zu beschreiben, ohne zu erklären oder zu psychologisieren, die ich schon bei „Brooklyn“ sehr mochte. Auch in seinem neuesten Buch berichtet er, ohne zu kommentieren, schildert er ohne Aufregung. Manches bleibt einfach so stehen, bleibt offen.
Es ist die Geschichte eines Verlusts: Nora Webster, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und zwei halbwüchsigen Söhnen, hat ihren Mann nach kurzer, schwerer Krankheit verloren. Das Buch erzählt von den ersten Jahren nach seinem Tod; davon, wie Nora mit ihrer Trauer lebt, sie annimmt und bewältigt. Es geht dabei auch um ganz praktische Dinge: den Verkauf des Ferienhauses z.B. oder die Tatsache, dass sie wieder arbeiten gehen muss, um finanzielle Probleme abzuwenden. Es gibt Schwierigkeiten mit den beiden jüngeren Kindern, die ebenfalls den Tod des Vaters verkraften müssen. Sie wird mit dem Alleinsein konfrontiert, mit dem sie sich schließlich sogar anfreundet. Eine Art Rettung tut sich in der Musik auf, als Nora, die eine schöne Stimme hat, Mitglied eines Chors wird. Nora selbst erlebt man nicht nur als rundum sympathische Person, sie hat auch Ecken und Kanten und kann arrogant sein, aber gerade das macht sie umso glaubwürdiger.

Elisabeth Nagel

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Unterleuten (Juli Zeh )

Unterleuten

Juli Zeh

Manchmal kann Idylle auch die Hölle sein
Unterleuten ist ein ganz normales Dorf in Brandenburg, das die DDR-Hierarchien nicht ganz abgelegt hat, weil sie halt immer noch funktionieren. Nach Unterleuten kommen Leute aus der Stadt und wollen das einfache Landleben genießen. Doch das ist nicht einfach. Juli Zeh erzählt von den Problemen, die beim Aufeinandertreffen zweier Welten entstehen, aus immer anderen Blickwinkeln: dem des „Königs“ des Dorfes, dem seines erbittertsten Feindes, dem des Vogelschützers, der Pferdezüchterin, ihrer Partner. Als ein Investor Grundstücke für eine Windkraftanlage sucht, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Neid, Missgunst, Rache, Hass – gnadenlos lässt Juli Zeh nichts aus, was in einem Dorf in dieser Konstellation passieren kann. So entwickelt sich ein Gesellschaftsthriller der Sonderklasse.

Andrea Schubert

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Suburra (Carlo Bonini & Giancarlo De Cataldo )

Suburra

Carlo Bonini & Giancarlo De Cataldo

Schwarz, schwärzer, Rom
Rom im letzten Jahr der Berlusconi-Herrschaft. Der Bürgermeister plant ein gigantisches Bauprojekt, die Waterfront von Ostia. Eine Vergnügungswelt im Stil von Dubai samt Kasinos, künstlichem Schnee und Skilift. Nicht nur ein Netzwerk aus Bauunternehmern, korrupten Politikern und Würdenträgern des Vatikans, sondern auch die Unterwelt Roms möchte gewinnbringend daran teilhaben. An deren Spitze steht Carminati, genannt „Samurai“, ein Neofaschist mit Vorliebe für alles Japanische. Ein brutaler Bandenkrieg beginnt auf den Straßen zwischen Ostia und Cinecitta. Kommissar Malatesta, unerschrocken und integer, soll die Morde aufklären. Bei seinen Ermittlungen stößt er schnell auf das mafiöse Geflecht rund um das Bauprojekt. Dieser harte und rasante Politthriller wurde leider 2014 von der Wirklichkeit eingeholt und enthüllt eine bittere Wahrheit um Italiens Realität.

Anja Saly

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Rabenfrauen (Anja Jonuleit )

Rabenfrauen

Anja Jonuleit

Ein Stück Zeitgeschichte - spannend verpackt
Anne kehrt nach dem Tod ihres Lebensgefährten Maximilian ins Heimatdorf ihrer Mutter zurück. Dort lernt sie ehemalige Mitglieder der Colonia Dignidad kennen. Als ihre Mutter Ruth davon erfährt, reagiert sie abweisend. Ruth erinnert sich an den Sommer 1959, als sie ihre beste Freundin Christa an die Freikirchler verlor.
Anja Jonuleit, die die Hintergründe der totalitären Sekte gut recherchiert hat, zeigt am Beispiel  zweier junger Frauen, wie schmal der Grat zwischen Entkommen und Gefangensein verläuft. Zudem gelingt es ihr, über diese verbrecherische Organisation zu informieren und gleichzeitig eine packende Familien- und Freundschaftsgeschichte zu erzählen.

Jeannine Beihofer

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Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens (J. Ryan Stradal)

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

J. Ryan Stradal

Mehr als nur ein kulinarischer Leckerbissen
Das Buch beginnt mit Stockfisch und endet mit einem der legendären Pop-up-Dinner von Eva, für das man vierstellige Beträge zahlt und mehrere Jahre warten muss. Dazwischen liegt eine bezaubernde Geschichte über das Leben von Eva, deren Mutter die Familie verlässt, deren Vater früh stirbt, die bei Onkel und Tante aufwächst und in Cousin und Cousine ihre besten Freunde findet. Die Kapitel ihres Lebens heißen superscharfes Chili oder Wild, Zander oder Paprikamarmelade. Erzählt werden sie als Geschichten von völlig unterschiedlichen Menschen, die mit Eva irgendwie verbunden sind oder waren. Der Reigen schließt sich bei einem dieser legendären Dinner, die einzige Chance für Evas Mutter, einen schrecklichen Fehler wiedergutzumachen. Nebenbei: die Rezepte machen Lust aufs Nachkochen.

Andrea Schubert

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Die Nachtigall (Kristin Hannah )

Die Nachtigall

Kristin Hannah

"In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen. Im Krieg finden wir heraus, wer wir sind."
Das besetzte (und zuerst geteilte)  Frankreich im zweiten Weltkrieg. Hier leben die Schwestern Vianne und Isabelle. Da sie ohne Mutter aufgewachsen sind, versuchen sie nun ihr Leben auf der Erfahrung des Verlustes aufzubauen. Vianne gründet selbst eine Familie, Isabelle probt den Aufstand und rebelliert immer wieder. Der Krieg verändert alles: Vianne möchte ihre Familie beschützen, Isabelle durch ihren Anschluss an den Widerstand etwas bewegen. Dieser Roman ist keine Weltliteratur, doch die Geschichte hat mich für sich eingenommen und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Mir wurde wieder einmal bewusst, dass Krieg so viele Einzelschicksale bedeutet und ich unmöglich sagen könnte, welche Entscheidungen ich selbst treffen würde.

Birgit Rupp

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Und damit fing es an (Rose Tremain )

Und damit fing es an

Rose Tremain

„Manchmal geschehen Dinge erst spät im Leben."
Schweiz in den 1940er Jahren, das Städtchen Matzlingen. Hier lebt Gustav Perle mit seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater Erich Perle starb kurz nach seiner Geburt. Emilie hat ihrem einzigen Sohn Gustav nicht viel zu geben und so wächst er eher freudlos in kühler Atmosphäre heran. Doch dann tritt Anton in sein Leben und Gustav erhält Einblick in eine ihm bisher völlig verschlossene Welt. Gustavs Familie ist wohlhabend, seine Eltern umsorgen ihn liebevoll und fördern sein musikalisches Talent. Auch Anton wird bis zu einem gewissen Grad aufgenommen und verbringt viel Zeit mit Anton. Seine Mutter Emilie kann ihre Abneigung gegen die jüdische Familie schlecht verbergen.
Nach und nach entfaltet sich beim Lesen die Vergangenheit von Emilie und Erich, parallel dazu werden Gustav und Anton erwachsen und eines Tages verlässt Anton Matzlingen. Für Gustav bricht eine Welt zusammen, doch er führt sein Leben fort und bleibt sich selbst treu. Er führt sein Hotel Perle, hält nur wenige Kontakte und ist immer für Gustav da, falls dieser ihn braucht. So vergehen die Jahre und erst spät im Leben der beiden Freunde wird klar, wie nahe das Glück schon immer lag. Ein feines, leises Buch und für mich ein großer Lesegenuss.

Birgit Rupp

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Was ich sonst noch verpasst habe - Stories (Lucia Berlin )

Was ich sonst noch verpasst habe - Stories

Lucia Berlin

Wiederentdeckte Kurzgeschichten
Erst im letzten Jahr wurden die Erzählungen der 2004 verstorbenen Amerikanerin Lucia Berlin wiederentdeckt und von ihrer deutschen Übersetzerin so klug angeordnet, dass sie sich wie ein autobiographischer Roman lesen und ich sie ausdrücklich auch Lesern empfehle, die Kurzgeschichten eher nicht mögen. Die Autorin schreibt über tragische Schicksale, gebeutelte Mädchen und Frauen. Dies gelingt ihr sprachlich brillant mit einem untrüglichen Sinn für Details, schonungsloser Offenheit, gleichzeitig leisem Humor und großer Zärtlichkeit für ihre Figuren. Wer den Blick in den Abgrund nicht scheut, wird mit einem wunderbaren Leseerlebnis belohnt: Er trifft auf sogenannte „gescheiterte Existenzen“, dargestellt ohne Bitterkeit, ohne Kitsch, sondern mit einem trotzigen inneren Leuchten.

Jutta Schleinkofer

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Lügen Sie, ich werde ihnen glauben (Anne-Laure Bondoux & Jean-Claude Mourlevat)

Lügen Sie, ich werde ihnen glauben

Anne-Laure Bondoux & Jean-Claude Mourlevat

Lassen Sie sich sinnlich verführen!
Pierre-Marie Sotto, ein bekannter Schriftsteller, ist zunächst völlig ahnungslos. Er fühlt sich angezogen vom Wesen einer Frau, die er nur aus E-Mails kennt. Aus einem Missverständnis heraus entsteht dieser Kontakt und nimmt mit der Zeit immer mehr Raum in beider Leben ein. Die geheimnisvolle Dame ergeht sich in Andeutungen, scheint ihn zu kennen, und verwirrt und bezaubert Sotto immer mehr. Mit der typisch leichten französischen Hand skizzieren die Autoren einen wunderbaren Dialog aus Mails, der vor Wortwitz nur so überquillt und die Liebe zur Sprache auf jeder Seite zeigt. Das Geschehen nimmt immer wieder unerwartete Wendungen. Neben Frivolem und Leichtem wird auch Ernstes wie Verlust und Tod thematisiert. Gebannt fragt der Leser, ähnlich wie der männliche Protagonist, nach Wahrheit und Lüge. Voll Spannung erwartet man die Auflösung eines Geheimnisses, das uns in kleinen „Wort-Puzzel-Häppchen“ serviert wird.

Elke Weirauch-Glauben

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Geronimo (Leon De Winter )

Geronimo

Leon De Winter

Die Achse des Bösen und der Satan USA
Dieses Buch ist echt der Hammer! Es geht um Osama bin Laden (im Buch nur UBL genannt), Amerika und die CIA, Israel, die undurchsichtige arabische Welt, die tragische Geschichte eines Paares, Männerfreundschaften und nicht zuletzt um die Wirkung von Musik. Also um Vieles, das nicht so einfach in wenigen Sätzen nacherzählt werden kann. Nur so viel: Fast 10 Jahre  nach 9/11 erhält eine Spezialeinheit der CIA den Auftrag, UBL zu finden und zu töten (Codewort:Geronimo). Diese beschließt jedoch, UBL wegen seines Wissens über die Al Kaida nicht zu töten, sondern gefangen zu nehmen. Diese Geschichte bildet den Rahmen um einen genial erzählten Roman über den Irrsinn von Terror und Gegenterror. Endlich mal  wieder ein richtig guter Leon de Winter.

Margret Thorwart

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Bella Germania (Daniel Speck )

Bella Germania

Daniel Speck

Ein deutsch-italienisches Familienepos
Anfang der 50er Jahre: Der junge Vincent fährt im Namen von BMW nach Mailand. Sein Auftrag: Verhandlungen über ein Patent für einen spektakulären neuen Kleinwagen, der späteren Isetta. Er lernt die Sizilianerin Giulietta kennen und lieben. Unglücklicherweise ist diese bereits einem anderen versprochen.
Mailänder Fashion Week 2014: Nach ihrem ersten internationalen Erfolg wird die Mode-Designerin Julia von einem älteren Herrn angesprochen. Dieser behauptet ihr Großvater zu sein und dass ihr Vater nicht, wie ihr erzählt wurde, tot ist, sondern lebt. Widerwillig, aber entschlossen begibt sich  Julia auf  die Suche nach ihrer Herkunft.
Das könnte eine banale Geschichte sein, ist es aber nicht. Es ist vielmehr eine gelungene Mischung aus Liebesgeschichte und Zeitgeschichte und dabei spannend wie ein Krimi.

Margret Thorwart

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Cox oder Der Lauf der Zeit (Christoph Ransmayr )

Cox oder Der Lauf der Zeit

Christoph Ransmayr

Wie misst man Zeit?
Der englische Uhrmacher und Erbauer mechanischer Wunderwerke Alister Cox reist im 18. Jahrhundert auf Einladung des Kaisers Qiánlóng nach China. Der ebenso mächtige und despotische wie sensible und feinsinnige Herrscher beauftragt ihn mit der Konstruktion dreier besonderer Chronometer. Der erste soll das kindliche Zeitempfinden anzeigen; über die beiden anderen möchte ich hier nichts verraten. Cox, der auf dieser Reise auch versucht, den plötzlichen Tod seiner geliebten Tochter und die Entfremdung von seiner Frau zu verarbeiten, erlebt die Zeit in China wie einen Rausch oder einen Traum. Christoph Ransmayr erzählt zugleich kraftvoll und feinfühlig von den Versuchen, Zeitempfinden zu messen und darzustellen. Ein Meisterwerk. Der historische Cox hieß übrigens James und hat tatsächlich auch bis nach China geliefert, war aber selbst nie dort.

Sven Puchelt

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Das Nest (Cynthia D'Aprix Sweeney )

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney

Geschwisterbande?
Wunderbar trocken, bitterböse und witzig erzählt die amerikanische Autorin in ihrem Debüt von vier Geschwistern mit völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen. Alle stecken sie aber derzeit in finanziellen Schwierigkeiten und alle hoffen sie auf das Ende derselben durch das Erbe nach dem Tod der Mutter. Diese hat allerdings kurz vor ihrem Tod einem der vier aus einer Notlage geholfen und nun ist kein Erbe mehr zu verteilen...
Sehr fein lotet D'Aprix Sweeney die Beziehungen zwischen den Geschwistern aus, beschreibt pointiert, ohne zu übertreiben, und bereitet ganz großes Lesevergnügen.

Sven Puchelt

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Die Vegetarierin (Han Kang )

Die Vegetarierin

Han Kang

Eine Frau rebelliert
Die Koreanerin Han Kang hat mit "Die Vegetarierin" den Man Booker International Prize gewonnen. Der Roman erzählt von einer Frau, die eine neue Vorstellung vom Körper sucht. Yeong-Hye beschließt nach fünf Jahren reibungsloser Ehe, kein Fleisch mehr zu essen. Sie löst damit eine Familientragödie aus. Am liebsten möchte sie zu einer Pflanze werden.  Dies ist symbolisch zu verstehen, und zwar als Ausbruch aus dem äußeren Gefängnis der Konventionen. Durch ihre Weigerung, Fleisch zu essen, wird sie zu etwas Besonderem. Sie möchte nicht mehr in der Menge untergehen, sondern ausbrechen. Am Ende will sie nicht einmal mehr Mensch sein. Dieses plötzliche Aufbegehren löst bei Ehemann und Verwandten solche Erschütterungen aus, dass nach 190 Seiten das Leben aller Beteiligten in Trümmern liegt. Mich hat das Buch sehr fasziniert, weil es viele Probleme unsere Zeit anspricht.

Barbara Casper

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Die endlose Stadt (Ulla Lenze)

Die endlose Stadt

Ulla Lenze


Ein Roman voller Spiegelungen und Verflechtungen
Zwei Frauen  begeben sich auf Spurensuche in der abenteuerlichen Fremdheit zweier Städte, Istanbul und Mumbai. Holle ist Künstlerin, sie fotografiert Städte, deren verborgene Energie sie auf leeren Plätzen einfängt. Ein Stipendium führt sie nach Istanbul, einer schmerzhaft schönen Stadt, wo sie eine Affäre mit dem Türken Celal beginnt. Doch existenziell wird für Holle die Begegnung mit Christoph Wanka. Der reiche Geschäftsmann repräsentiert alles, was Holle ablehnt, und doch kann sie sich nicht von ihm lösen. Als Holle schließlich einwilligt, dass Wanka ihr eine Reise nach Mumbai finanziert, beginnt ein Kräftemessen, das sie zwingt, ihren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. In Holles verlassene Wohnung zieht Teresa, eine deutsche Journalistin. Auch sie trifft auf Wanka.
Christoph Wanka, der die Künstlerin bewundert und ihr hilft, sie aber ebenso wenig versteht wie sie ihn, und den die Journalistin unter Vorspiegelung einer falschen Identität treffen wird. Vertrackte Verhältnisse und Begegnungen, an deren Ende niemand glücklich ist, aber wohl alle zurück nach Deutschland fliegen.

Barbara Casper

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Alles Licht, das wir nicht sehen (Anthony Doerr )

Alles Licht, das wir nicht sehen

Anthony Doerr

Zwei  junge Menschen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Das blinde Mädchen Marie-Laure muss mit ihrem Vater das besetzte Paris verlassen. Beide fliehen zu einem Onkel in die Bretagne, in die Stadt Saint-Malo.
Der Waisenjunge Werner Hausner aus dem Ruhrgebiet ist technisch so begabt, dass er gefördert und auf eine nationalsozialistische Eliteschule geschickt wird. Von dort aus landet Werner schließlich in einer Wehrmachtseinheit, die mit Peilgeräten Sender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Werner gelangt an die Kriegsfront, zuerst im Osten, später in Frankreich…
Anthony Doerr erzählt ein erschütterndes Stück Zeitgeschichte aus der Sicht zweier junger Menschen, die in diesen Krieg hineingeschlittert sind und deren Lebenswege sich schließlich kreuzen. Mich hat dieser Roman sehr berührt und ich wünsche ihm viele Leser.

Ulla Leber

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Das schrecklichste Monster der Welt (Andreas Német & Hans-Christian Schmidt )

Das schrecklichste Monster der Welt

Andreas Német & Hans-Christian Schmidt

ab 4 Jahren

Wer schafft es, die Monster im Buch zu erschrecken?
Das „schrecklichste Monster der Welt“ merkt am Anfang des Buches, dass es gar nicht alle Zuschauer in die Flucht geschlagen hat. Der Leser (das Kind) ist ja noch da. Und dieses Kind ist wirklich furchtlos. Es lässt sich einfach nicht erschrecken, selbst wenn man es ablenkt. Das Monster und sein Kompagnon ziehen alle Register, aber nichts hilft. Und dann wollen die beiden den Spieß auch noch umdrehen und fordern das Kind auf, sie zu erschrecken. Ob das klappt? Ein herrlicher Spaß!

Sven Puchelt

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1, 2, 3, 4 Lieblingstier (Sabine Lohf)

1, 2, 3, 4 Lieblingstier

Sabine Lohf

ab 2 Jahren

Schauen, Basteln, Lernen
Zu jedem Buchstaben des Alphabets hat Sabine Lohf sich ein Tier ausgesucht, es aus Materialien, die in einem Haushalt mit Kindern fast immer zur Hand sind, gebastelt, fotografiert und die Herstellungsschritte gleich auch noch fotografisch festgehalten. Herausgekommen ist ein Buch, das man als ABC-Buch, Tierbilderbuch oder Bastelbuch betrachten kann – oder man freut sich einfach über die tollen Ideen dieser kreativen Künstlerin und Autorin.

Sven Puchelt

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Der Nachtgärtner (Terry & Eric Fan)

Der Nachtgärtner

Terry & Eric Fan

ab 5 Jahren

Ein Buch zum Träumen
In einer kleinen, trostlosen Straße ändert sich das Leben, als über Nacht Tierfiguren in Baumkronen geschnitten werden. Der Waisenjunge William beobachtet diese Veränderungen ebenso erstaunt wie freudig und trifft schließlich den „Nachtgärtner“.
Die wunderbar altmodischen Illustrationen erzählen Geschichten weiter, die im Text nur angedeutet sind.

Sven Puchelt

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Worauf wartest du? (Britta Teckentrup )

Worauf wartest du?

Britta Teckentrup

ab 6 Jahren

Das große Buch der Fragen
Es gibt so viele Fragen. „Wenn ich wachse, ist das so ähnlich, wie wenn Blumen wachsen?“, „Werden wir uns wieder vertragen?“, „Ob ich mal so klug werde wie meine Oma?“, „Warum behaupten die Leute, es geht uns zu gut, wenn wir toben?“, „Kann es einem überhaupt zu gut gehen?“
Britta Teckentrup hat Fragen gesammelt, aufgeschrieben und unnachahmlich schön illustriert. Ein ganz besonderes Nachdenk- und Gesprächsbuch für alle.

Sven Puchelt

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Unter der Erde - Tief im Wasser (Aleksandra Mizielinska & Daniel Mizielinski)

Unter der Erde - Tief im Wasser

Aleksandra Mizielinska & Daniel Mizielinski

ab 5 Jahren

Wunderbare Entdeckungsreise
Nach „Alle Welt“ gibt es nun ein neues wunderbares Entdeckerbuch des polnischen Illustratoren-Duos. Die jungen Leser begeben sich in diesem Wendebuch auf eine Reise in faszinierende Unterwelten. Unter der Erde ist es nämlich nicht weniger spannend als darüber. Es beginnt mit Würmern und Maulwürfen, Knollengewächsen und Wurzeln und führt weiter zu Leitungen und Kabeln. Dann geht es weiter in Höhlen und Tunnel, vorbei an Fossilien und Bodenschätzen, über Vulkane und Geysire bis ins Innerste der Erde.  Bei  „Tief im Wasser“ geht es vom See ins Meer und hinab über Korallenriffe und Fische zu rauchenden Schloten in die Tiefsee mit ihren geheimnisvollen Bewohnern. Die originellen, detailverliebten Illustrationen machen auch dieses Buch wieder zu einem wahren Leseerlebnis für die ganze Familie.

Anja Saly

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Sally Jones - Mord ohne Leiche (Jakob Wegelius)

Sally Jones - Mord ohne Leiche

Jakob Wegelius

ab 10 Jahren

624 Seiten Lesegenuss
Was für ein toller, toller Abenteuerroman! Die Gorilladame Sally Jones muss handeln, als ihr Freund, der finnische Seemann Henry Koskela in Lissabon des Mordes verdächtigt und zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Die Suche nach der Wahrheit über die Hintergründe des Verbrechens führt Sally um die halbe Welt. Sie trifft die unterschiedlichsten Personen und nicht alle sind ihr wohlgesonnen. Wir Leser wünschen uns nach wenigen Seiten dringend auch eine Sally Jones zur Freundin. Lesen! Lesen! Lesen!

Sven Puchelt

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Wir beide wussten, es war etwas passiert (Steven Herrick )

Wir beide wussten, es war etwas passiert

Steven Herrick

ab 13 Jahren

Ausbrechen und ankommen
Der sechzehnjährige Billy läuft von zuhause fort. Er hält es nicht mehr aus mit seinem trinkenden, prügelnden Vater. In der Stadt Bendarat lässt er sich in einem stillgelegten Eisenbahnwaggon nieder. Im Waggon nebenan wohnt der mürrische Old Bill und im örtlichen McDonalds, wo immer etwas zu essen abfällt, putzt Caitlin. Ihre Begegnung ändert das Leben aller drei ganz entscheidend. Ruhig, poetisch und unsentimental erzählt Steven Herrick in diesem schönen Jugendroman vom Erwachsenwerden, von geplatzten Träumen, vom neu Anfangen, vom Leben.

Sven Puchelt

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Eine Woche voller Montage (Jessica Brody )

Eine Woche voller Montage

Jessica Brody

ab 14 Jahren

„Pass auf, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“
An einem Montag, der völlig katastrophal verläuft, kann man sich doch nur wünschen den Reset-Knopf  zu drücken und dann alles viel besser zu machen. Nach dem Motto „Pass auf, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen“, erlebt Ellie besagten Montag wie in einer Zeitschleife immer wieder. Zugegeben, dieser Plot ist nicht neu, aber wie die Protagonistin bei den Versuchen, das Geschehen in ihrem Sinn zu verändern, von einer absurden Situation in die nächste gerät, ist wirklich witzig und lesenswert.
Wer dem Verlauf der Geschichte folgt, erlebt eine zunehmende Veränderung Ellies, die mit der Zeit ihr Handeln immer mehr hinterfragt. Plötzlich stehen die eigenen  Wünsche und Gefühle auf dem Prüfstand.
Mit dem wiederholten Erleben des gleichen Tages verändern sich auch unmerklich ihre Wahrnehmung und Einstellung. Jessica Brody gelingt es sehr glaubhaft diese Entwicklung wiederzugeben.
Wen wundert es dann noch, wenn der Montag am Ende des Romans „wunschgemäß“ einen ganz anderen Verlauf nimmt, als am Anfang erhofft.

Elke Weirauch-Glauben   

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