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Buchtipps 2016 Frühjahr & Sommer

6 Uhr 41 ( Jean-Philippe Blondel)

6 Uhr 41

Jean-Philippe Blondel

Kopfkino im ZugIm Frühzug nach Paris sitzen Cécile und Philippe zufällig nebeneinander. Sie kennen sich eigentlich von früher und waren vor Jahrzehnten ein Liebespaar. Doch keiner von beiden möchte das zugeben und so schweigen sie sich während der knapp zweistündigen Zugfahrt konsequent an. Im Stillen lassen beide die Vergangenheit Revue passieren, und dieses Kopfkino mitzuerleben, ist für den Leser sehr spannend und amüsant. Natürlich steht die ganze Zeit die Frage im Raum, ob die beiden wirklich ohne ein offenes Wort auseinandergehen werden. Es sei nur so viel verraten: Das Ende ist schön unromantisch.

Elisabeth Nagel

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Am Ende bleiben die Zedern ( Pierre Jarawan)

Am Ende bleiben die Zedern

Pierre Jarawan

Fast eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht Der Roman ist das Erstlingswerk des Autors und erzählt die Geschichte von Samir, dessen Eltern aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet sind. Samir wächst hier in einem sehr liebevollen Elternhaus auf. Besonders zu seinem Vater, der ihm immer geheimnisvolle Geschichten aus seiner Heimat erzählt, hat er ein sehr inniges Verhältnis. Als Samir neun Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos. Dieser Verlust und die völlige Unklarheit über den Verbleib des Vaters prägen seine Kindheit und sein Erwachsenwerden. Als junger Mann reist er in den Libanon, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Eine Geschichte zum Abtauchen, geschrieben im Stil eines arabischen Geschichtenerzählers. Sehr schön auch die Beschreibung des Libanons. Eigentlich will man gleich seine Koffer packen und dorthin reisen.

Margret Thorwart

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Das barmherzige Fallbeil (Fred Vargas)

Das barmherzige Fallbeil

Fred Vargas

Adamsberg ermitteltDie französische Krimiautorin Fred Vargas ist Meisterin ihres Fachs und zieht auch mit diesem Buch die Leser in ihren Bann. Die typischen Vargas-Merkmale tragen wie immer zum Gelingen bei: ein höchst gegensätzliches Ermittlergespann - der eine rein intuitiv handelnd, der andere ein wandelndes Lexikon -, eine Reihe von undurchsichtigen Todesfällen, an den Tatorten ein mysteriöses Zeichen. Die Schauplätze der Handlung sind eine nebelverhangene isländische Insel und eine Pariser Geheimgesellschaft, die den Nationalkonvent der französischen Revolution nachspielt. Die große Kunst der Autorin besteht darin, aus diesen „schrägen“ Zutaten einen intelligenten, fesselnden und literarisch hochwertigen Krimi zu zaubern. 

Sven Puchelt

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Das Haus des Windes (Louise Erdrich)

Das Haus des Windes

Louise Erdrich

Begegnung mit einer fremden WeltSommer 1988: Der 13-jährige Joe Coutts lebt in einem Indianerreservat in North Dakota. Seine Welt gerät aus den Fugen, als seine Mutter überfallen und vergewaltigt wird. Joes Mutter zieht sich zurück und verweigert jegliche Aussage. Da der Angriff auf einem Grundstück geschehen ist, das an drei Territorien grenzt, fühlt sich keine Ermittlungsbehörde zuständig. Daher beschließen Joe und seine Freunde Cappy, Angus und Zack, den Täter im Alleingang zu finden…Louise Erdrichs Roman gibt Einblick in die Kultur der Indianer und das Leben im Reservat. Der Roman spielt zwar 1988, in ihrem Nachwort schreibt Erdrich allerdings, dass sich die Missstände im Rechtssystem bis heute nicht gebessert haben. 

Ulla Leber

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Der letzte Pilger (Gard Sveen)

Der letzte Pilger

Gard Sveen

Fesselndes Krimidebüt aus NorwegenEin Todesfall erschüttert Oslo. Der hochgeachtete Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wurde brutal ermordet. Ein Mann, der immer auf der richtigen Seite stand und auch später als Politiker sehr beliebt war. Kurz zuvor fand man in der Nordmarka ein Grab mit drei Leichen, darunter ein kleines Mädchen. Gibt es da einen Zusammenhang? Kommissar Tommy Bergmann, scharfsinnig, aber oft mit seinen eigenen Abgründen beschäftigt, soll diesen spektakulären Fall aufklären. Seine Recherchen führen ihn zurück in die deutsche Besatzungszeit und zu Agnes Gerner, einer Agentin des norwegischen Widerstands. Bergmann erfährt dabei, wie nah Hass und Liebe beieinander liegen. Sveens Debüt einer neuen Krimiserie liest sich hochspannend und ist voller interessanter historischer Bezüge. 

Anja Saly

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Der Pfau (Isabel Bogdan)

Der Pfau

Isabel Bogdan

Very british„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“ Damit beginnt der Roman der Hamburger Autorin, die bisher in erster Linie als Übersetzerin, unter anderem der Bücher von Jane Gardam („Ein untadeliger Mann“), auf sich aufmerksam gemacht hat. Lord und Lady McIntosh vermieten auf ihrem Anwesen am Fuß der schottischen Highlands Zimmer und Cottages. Vornehmlich an Touristen, aber nun hat sich eine Londoner Bankerin mit vier Mitarbeitern samt Psychologin und Köchin zu einem Teambuilding-Wochenende angekündigt. Besagter Pfau, ein Schneesturm, Stromausfall und die handfeste Köchin sorgen dafür, dass das Wochenende ganz anders verläuft, als von allen erwartet. Isabel Bogdan erzählt leicht, mit trockenem Humor und viel Liebe für ihre Figuren.

Sven Puchelt

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Die Bienen (Laline Paull )

Die Bienen

Laline Paull

Eintauchen in eine unbekannte und doch vertraute WeltFlora 717 ist ungewöhnlich groß, dunkel und struppig – eine hässliche Biene. Sie ist eigentlich nur Putzfrau wie alle anderen Floras im Bienenstock, die ganz unten in der Hierarchie stehen. Doch Flora 717 fühlt, dass sie mehr kann, und hinterfragt die Regeln ihres Volkes. Intelligent und mutig ergibt sie sich nicht einfach in ihr Schicksal. Mit einer unglaublichen Fantasie und in rasantem Tempo erzählt Laline Paull die Geschichte dieser Biene bis zum fulminanten Finale. Es ist ein tiefer Blick in eine völlig andere Welt, die man dennoch irgendwoher kennt. Dieses reine Lesevergnügen macht süchtig. Und wenn Sie nach der Lektüre eine Biene sehen, werden Sie sich erinnern: Auch Bienen sind nur Menschen!

Andrea Schubert

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Die Frauen von La Principal (Lluis Llach)

Die Frauen von La Principal

Lluis Llach

"Ein Roman über Kraft und Wärme der eigenen Heimat"Katalonien in den Jahren 1893, 1940 und 2001. Die Geschichte der Familie Roderich, des Weingutes La Principal und der drei eigenwilligen Frauen mit dem Namen Maria. Die Reblausepidemie 1893 - der Niedergang, dann Wiederaufbau und ungeahnte Erfolge durch die junge Maria. Ein ungeklärter Mord - die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch einen ehrgeizigen Inspektor in der Franco-Ära 1940. Und die Weitergabe der Familiengeschichte durch den greisen Vater an seine Tochter im Jahr 2001. Gute Unterhaltung für einen verregneten, stürmischen Sonntag im Lesesessel.

Birgit Rupp

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Die vierzig Tage des Musa Dagh (Franz Werfel)

Die vierzig Tage des Musa Dagh

Franz Werfel

Klassiker neu entdeckt1930 hatte Werfel eine Reise in den Nahen Osten unternommen und war durch die Begegnung mit armenischen Flüchtlingskindern tief getroffen. Er wollte mit diesem Roman verhindern, dass das Schicksal der Armenier in Vergessenheit geriet. Was er beschreibt, ist tatsächlich so passiert: Im Sommer 1915 rettete sich eine armenische Dorfgemeinschaft auf den Berg Musa Dagh vor der Verfolgung und Verschleppung durch die Türken. Diese belagerten die natürliche Festung wochenlang erfolglos, bis die Widerständler eher zufällig von den Franzosen gerettet werden konnten. Das Buch zu lesen, ist ein Projekt, denn es hat knapp tausend Seiten, auf denen Werfel ein bildreiches Panorama entwirft, das an großes Kino erinnert.

Elisabeth Nagel

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Kind aller Länder (Irmgard Keun)

Kind aller Länder

Irmgard Keun

Eine lesenswerte Wiederentdeckung!Aus Sicht der 10-jährigen Tochter Kully erzählt Irmgard Keun das Schicksal und die Stationen einer Familie im Exil. Mit ihren von Geld- und Visasorgen geplagten Eltern verschlägt es das Kind in den 1930er Jahren in die verschiedensten Gegenden und Metropolen Europas sowie nach Amerika. Der staunend naive Blick auf die Geschehnisse und das Verhalten der Erwachsenen macht den besonderen Reiz dieses Romans, der erstmals 1938 in Amsterdam erschienen ist, aus. Die Autorin verarbeitet darin auch ihre leidenschaftliche Liebesbeziehung zu dem Schriftsteller Joseph Roth.

Jutta Schleinkofer

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Gehen, ging, gegangen (Jenny Erpenbeck)

Gehen, ging, gegangen

Jenny Erpenbeck

Wichtiger Beitrag zur FlüchtlingsdebatteIm Jahr 2013/2014 lebte eine Gruppe von Flüchtlingen auf dem Oranienplatz in Berlin. Sie waren dorthin gekommen in der Hoffnung, in Deutschland, in Berlin eine Zukunft zu finden. Sie wollen hier leben und arbeiten. Diese Tatsache und die vielen neu hinzugekommenen Flüchtlinge in der Bundesrepublik haben Jenny Erpenbeck zu diesem Buch inspiriert. Der emeritierte Professor Richard ist auf der Suche. Er will seinem Leben einen neuen Sinn geben. Zufällig kommt er am Oranienplatz vorbei und sieht die Flüchtlinge. Langsam erwacht sein Interesse. Er sucht den Kontakt zu den Männern und erfährt deren Lebensgeschichte von Flucht, Angst und Verlust. Er möchte erforschen, was die Flüchtlinge denken, zugleich aber auch, was ihn selbst beschäftigt, was Zeit bedeutet, die er nun im Überfluss hat. So erfährt er die vielen individuellen Schicksale dieser Menschen. Spannend ist es, wenn Richards Begegnungen und Unterhaltungen mit den Flüchtlingen dargestellt werden, das Aufeinanderprallen der Kulturen, das Crossover von Freundlichkeit und Befremden.Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Sven Puchelt

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Letzter Bus nach Coffeeville (J.P. Henderson)

Letzter Bus nach Coffeeville

J.P. Henderson

Endstation CoffeevilleGene, ein pensionierter Arzt, möchte einer alten Freundin einen letzten Wunsch erfüllen. Sie reisen in einem alten Tourbus der Beatles nach Coffeeville im Süden der USA. Dass dies keine normale Urlaubsreise ist, wird schnell klar, denn Alzheimer und Tod reisen mit. Überhaupt sind die Protagonisten des Romans vom Schicksal schwer gebeutelt. Gene muss all seine Kraft mobilisieren, um Nancy zu begleiten. Doch je länger die Reise geht und umso mehr Fahrgäste zusteigen, desto deutlicher spürt der Leser, wie nicht nur Genes Lebensenergie wächst. Henderson hat jede Figur, auch wenn sie eine noch so kleine Rolle in der Handlung einnimmt, mit unglaublicher Präsenz und Lebendigkeit ausgestattet und man sieht sie beim Lesen förmlich vor sich. Der Autor hat im Roman die Erkrankung seiner Mutter und deren Tod auf ganz eigenwillige Art verarbeitet und so wechseln sich ständig tieftraurige, aber auch irre komische Momente ab. Die Gemeinschaft wächst zusammen und über sich hinaus, als man beschließt, einem kleinen Jungen bei der Suche nach seiner Cousine und damit einem neuen Zuhause zu helfen. Es ist anrührend, wie sich die Gruppe trotz schlechter Vorzeichen mit viel Zuversicht dem Schicksal entgegenstellt.Die besonderen Momente sind umso kostbarer, weil die gemeinsame Zeit ja begrenzt ist.Obwohl es sich für manche im Bus nach Coffeeville tatsächlich um die letzte Reise ihres Lebens handelt, legt man den Roman am Ende der Lektüre mit einem Lächeln aus der Hand.

Elke Weirauch-Glauben

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Löwen wecken (Ayelet Gundar-Goshen)

Löwen wecken

Ayelet Gundar-Goshen

Welchen Wert hat ein illegales Leben?Die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen hat einen äußerst vielschichtigen und packenden Roman geschrieben, der mich aufgrund seiner großen erzählerischen Kraft und seiner psychologischen Tiefe von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Der glückliche Familienvater und Neurochirurg Etan begeht eines Nachts auf einer einsamen Wüstenpiste Fahrerflucht, nachdem er einen Mann totgefahren hat. Eine folgenschwere Entscheidung, denn am nächsten Morgen steht die Ehefrau des illegalen Einwanderers vor Etans Haustür und „bittet“ ihn um einen Gefallen. Etans nichtsahnende Ehefrau, eine Polizistin, ermittelt in besagtem Todesfall. Eine spannungsgeladene Handlung nimmt ihren Lauf, wobei gerade der intensive Einblick in die Gefühlswelt der Beteiligten und die schlicht nicht zu beantwortende Frage nach Gut und Böse eine ungeheure Sogkraft entwickeln.

Jutta Schleinkofer

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Ohrfeige (Abbas Khider)

Ohrfeige

Abbas Khider

Die Odyssee eines AsylantenDrei Jahre dauert die Flucht von Karim aus dem Irak. Sein Ziel ist Paris, wo ein Onkel ihn erwartet. Als er aus dem Transporter geladen wird, glaubt er in einem Vorort von Paris zu sein. In Wirklichkeit aber wurde er nach Bayern „verschleppt“. Nachdem er  jahrelang bemüht war sich einzupassen, wird seine Anerkennung als Asylberechtigter nach dem Ende des Regimes in Bagdad widerrufen und er muss weiterziehen  …Eine Geschichte, die sicher gerade sehr „en vogue“ ist. Doch für Khider ist das Thema Flucht, Widerstand und Exil nicht neu. Politisch verfolgt und inhaftiert, gelang ihm 2000 die Flucht aus dem Irak. Seine Erfahrungen von Flucht und Migration sind in alle seine bisher erschienenen Bücher eingeflossen und alle sind eine hervorragende Lektüre zum Verständnis  des Alltags von Menschen, die gezwungen werden, Heimat, Familie und Kultur aufzugeben.

Margret Thorwart

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Männer mit Erfahrung (Castle Freeman)

Männer mit Erfahrung

Castle Freeman

Helden aus Vermont
Lilian wohnt in einem kleinen Nest in Vermont. Sie fühlt sich bedroht von einem zwielichtigen Typen namens Blackway. Als eines Tages ihre Katze tot vor der Tür liegt, wendet sie sich an den Sheriff. Leider kann der ohne Beweise nichts für sie tun. Er schickt Lilian zu einem Club kauziger Männer, die sich regelmäßig in einem alten Sägewerk treffen. Die sind beeindruckt, dass sich die junge Frau dem gefährlichen Gangster entgegenstellen will. Als Schutz bekommt Lilian den alten Lester und den hünenhaften, aber etwas einfältigen Nate zur Seite gestellt. Gemeinsam versuchen sie, Blackway in den Wäldern von Vermont aufzuspüren, um ihn aus dem Weg zu räumen. Eine herrlich schräge, aber auch spannende Geschichte um drei ungleiche Helden.

Anja Saly

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Still – Chronik eines Mörders (Thomas Raab)

Still – Chronik eines Mörders

Thomas Raab

Mehr als nur die Chronik eines MördersMit diesem Roman wendet sich Raab von seinem Krimihelden Metzger ab und einem bedauerlichen und zugleich grausamen Wesen zu: Karl Heidemann. Dieser wird mit einem äußerst sensiblen Gehör geboren, das ihn sogar den Flügelschlag von Schmetterlingen wahrnehmen lässt. Seine Mutter möchte ihn lieben, doch ihr „Babytalk“ treibt Karl fast ihn den Wahnsinn. Ruhig wird seine Seele nur in tödlicher Stille. Raab erzählt die Chronik dieses Mörders wertfrei, aber durchaus mit Empathie. So abstoßend Karl ist, so sehr fesselt sein Schicksal. Als er die Liebe entdeckt, ändert sich auch seine Einstellung zum Tod. „Still“ ist weit mehr als ein Thriller und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

Andrea Schubert

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Roman ohne U (Judith W. Taschler)

Roman ohne U

Judith W. Taschler

"Das U ist wichtig - es gehört in Wut, Russland und auch in Mut"Das "U" auf der alten Schreibmaschine wird langsam unleserlich. Wenn Thomas seine Erinnerungen an zwei Jahrzehnte in Sibirien im Arbeitslager niederschreiben will, muss er sehr fest aufdrücken. Aber das "U" ist wichtig: es gehört in Wut, Russland, Uranabbau, in Mut, und auch Ludovica kann man ohne "U" nicht schreiben. Der Roman umfasst eine große Zeitspanne: 1945 bis 2011. Vom jungen Thomas Bergmüller, der zwei Jahrzehnte Gulag überlebt und seine große Liebe Ludovica trifft, bis hin zu Julius Bergmüller, der seiner Frau Katharina nicht treu sein kann. Judith Taschler packt viel hinein in diesen Roman, mich hat er sehr berührt und mir spannende Lesestunden beschert.

Birgit Rupp

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Vom Ende der Einsamkeit (Benedict Wells )

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells

Über das Überwinden von Verlust und EinsamkeitEndlich ist er da – der nach „Fast genial“ lang erwartete neue Roman von Benedict Wells. Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Obwohl sie auf dasselbe Internat geschickt werden, verlieren sie sich aus den Augen. Jules zieht sich von allen zurück und ist allein. „Ich war der seltsame neue Junge, der nicht darauf achtete, was er morgens anzog, und der aus Nervosität anfing, einzelne Wörter zu verdrehen: zum Beispiel lostenkos statt kostenlos. Um nicht zum Gespött der Klasse zu werden, sagte ich deshalb kaum noch etwas, und so saß ich isoliert in der letzten Bank. Bis sich nach Wochen ein Mädchen neben mich setzte.“ Das war Alva und der Beginn einer wunderbaren Freundschafts- und Liebesgeschichte.  

Jeannine Beihofer

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Bestimmt wird alles gut (Kirsten Boie)

Bestimmt wird alles gut

Kirsten Boie

ab 6 Jahren 

Ein wichtiges Buch
Der zehnjährigen Rahaf und ihrem neunjährigen Bruder Hassen ging es gut in Homs. Sie lebten mit ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in einem Mehrfamilienhaus. Der Vater war Arzt und die Kinder waren stolz auf ihn. Dann kamen die Flugzeuge und das Leben änderte sich schlagartig. Die Familie machte sich auf den Weg nach Deutschland. Kirsten Boie hat sich von Kindern in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft ihre Geschichte erzählen lassen und diese aufgeschrieben. In einfachen Worten und dadurch umso eindringlicher. Bei allen Diskussionen, die derzeit geführt werden, lenkt sie damit den Blick auf die Schicksale, die sich hinter dem Begriff „Flüchtlingskrise“ verbergen. Ich wünsche diesem kleinen Buch unendlich viele Leser.

Sven Puchelt

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Der Bär und das Wörterglitzern (Agnès de Lestrade)

Der Bär und das Wörterglitzern

Agnès de Lestrade

ab 3 Jahren

Wörterstaunen
Worte und Bilder drücken Gefühle aus. Zusammen schaffen sie es in diesem zauberhaften Bilderbuch, neue, unbekannte Wortgebilde zu kreieren. Das Buch erweckt bei kleinen und großen Lesern Lust auf allerlei Wortspielereien. Sensibel und phantasievoll zeigen die Autorin und die Illustratorin in ihrem gemeinsamen preisgekrönten Bilderbuch, was passiert, wenn man Sprache aus ihrem Gefüge löst. Der blaue Bär drückt seine Gefühle und Beobachtungen mit sehr poetischen Worten aus, fügt diese neu zusammen und geht dann neugierig auf das Unbekannte zu. Ganz am Rande von Sprache ist viel Raum für neue Wortgebilde. An uns liegt es, sie mit Emotionen und Farbe zu füllen, so die Botschaft. Gerade kleine Kinder mit ihrem unverkrampften, frischen Sprachempfinden können im gemeinsamen Betrachten und Staunen uns Erwachsene auf neue, unbekannte Wörterpfade führen. In Zeiten einer gewissen Sprachverarmung eine unnachahmliche Art, das Vakuum zu füllen.

Elke Weirauch-Glauben

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Die Bremer Stadtmusikanten ( Gerda Muller)

Die Bremer Stadtmusikanten

Gerda Muller

ab 5 Jahren

Aufstand der Tiere in zauberhaften Bildern
Gerda Muller, eine der ganz großen Bilderbuchillustratorinnen, hat ein Märchen, das wir alle kennen, zu neuem Leben erweckt. Auf großformatigen, wunderschön illustrierten Doppelseiten erzählt sie die Geschichte der vier aus der Gesellschaft aussortierten Tiere, die sich nach Bremen aufmachen, um Stadtmusikanten zu werden.
Selber anschauen und sich verzaubern lassen lohnt sich. Verschenken auch.

Margret Thorwart

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Digby (Stephanie Tromly )

Digby

Stephanie Tromly

ab 14 Jahren

Atemlos im Digby-Universum
Wer Stephanie Tromlys  Debütroman „Digby“ zur Hand  nimmt, sollte sich gleich darauf einstellen, auf 316 Seiten ganz und gar im Digby-Universum zu versinken. Bestimmt ist es der Tatsache geschuldet, dass die  Autorin auch Drehbuch-schreiberin ist, denn dem Leser eröffnet sich von Anfang an ein rasantes, schräges und spannendes Kopfkino, das sich nicht auf ein „Ich-lese-mal-eben-ein-paar-Seiten“ einlässt.
Der charismatische, abgedrehte Digby zieht die eher brave 16-jährige Zoe in eine wilde, witzige und völlig unvorhersehbare Kriminalgeschichte. Es geht um Entführung und Drogen, und Zoe und auch der Leser wissen bald nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. „Er ist unverschämt, akzeptiert kein Nein und behandelt alle wie ein Buch, das er schon gelesen hat und von dem er weiß, wie es ausgeht, während man selbst noch keine Ahnung hat“, so beschreibt Zoe Digby, und spätestens nach der Sache bei einem Gynäkologen hätte sie vor ihm Reißaus nehmen sollen, aber so entwickelt sie sich allmählich zu einem weiblichen Watson. Wie sich die beiden Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein können, durch die Geschichte bewegen, ist, was Spannung und Humor betrifft, kaum zu überbieten.
.Aber gerade im Miteinander von Zoe und Digby kann Tromly auch andere ernste Themen wie Scheidung, Einsamkeit, erste Liebe u.s.w. ansprechen. Fazit des Jugendromans, der für weibliche und männliche Jugendliche gleichermaßen geeignet ist und viel Spaß und Spannung garantiert: Sherlock und Watson sind im digitalen Zeitalter angekommen.

Elke Weirauch-Glauben

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Löwen zählen (Katie Cotton & Stephen Walton)

Löwen zählen

Katie Cotton & Stephen Walton

ab 5 und für alle

Wilde Tiere ganz nah
1 Löwe, 2 Gorillas, 3 Giraffen. Eigentlich nichts Neues im Bilderbuch. Denkt man. Aber die poetischen, kurzen Texte von Katie Cotton und die unglaublichen, gestochen scharfen Kohlezeichnungen von Stephen Walton machen aus diesem Buch ein großes Kunstwerk. Die Meeresschildkröten scheinen schwerelos durch den Raum zu gleiten und die Aras wirken selbst in ihrem Schwarz-Weiß-Bild schillernd bunt. Bilder, die sich einprägen. Bilder, die uns die Schönheit und die Schutzbedürftigkeit der Natur vermitteln. Knappe Sachinformationen am Ende runden dieses großartige Buch ab.

Sven Puchelt

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Rigo und Rosa (Lorenz Pauli & Kathrin Schärer)

Rigo und Rosa

Lorenz Pauli & Kathrin Schärer

ab 5 Jahren

Freundschaft ist das Wichtigste!
Das Duo Pauli – Schärer steht schon seit Langem für wunderschöne, hintergründige Kinderbücher. Ihr neuester Streich, „Rigo und Rosa“, ist eine Sammlung von 28 kurzen Vorlesegeschichten rund um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen der Maus Rosa und dem Zoo-Leoparden Rigo. Sie necken sich, sie helfen sich, sie machen sich gemeinsam Gedanken und können sich aufeinander verlassen.
Ein wunderbares Vorlesebuch!

Sven Puchelt

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Thabo, Detektiv und Gentleman – Der Nashornfall (Kirsten Boie)

Thabo, Detektiv und Gentleman – Der Nashornfall

Kirsten Boie

ab 10 Jahren

Ein Kinderkrimi im südlichen Afrika
Thabo (Alter unbekannt, denn ein Gentleman redet nicht über sein Alter) hilft seinem Onkel Vusi bei Safaritouren mit Touristen und ist befreundet mit Miss Agatha, die in dem Dorf Hlatikulu eine Lodge betreibt. Bei Miss Agatha sieht sich Thabo manchmal alte englische Filme an, in denen eine ältere Dame Kriminalfälle löst. Für Thabo ist klar: Eines Tages wird auch er ein bekannter Detektiv. Als im Reservat ein Nashorn getötet und Onkel Vusi verdächtigt wird, ist Thabos große Stunde gekommen. Kirsten Boie erzählt in diesem schönen Kinderkrimi ganz beiläufig vom Leben in einem südafrikanischen Land.

Sven Puchelt

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Wilma Willnichraus (Claudia Gliemann & Stephanie Gustai)

Wilma Willnichraus

Claudia Gliemann & Stephanie Gustai

ab 4 Jahren

Eine kleine Geschichte über ein großes Abenteuer
Wilma hat es gut in ihrem Kokon. Es ist warm und gemütlich, niemand stört sie. Was soll sie also draußen? „Nein, ich gehe da nicht raus.“ Draußen lauern bestimmt schreckliche Gefahren, es könnte bibberkalt sein oder unerträglich heiß. Ein kleiner Riss im Kokon öffnet Wilma dann aber den Blick auf eine Welt, die doch gar nicht so uninteressant wirkt. Claudia Gliemann erzählt in einfachen Worten eine Geschichte über das Überwinden von Ängsten und das Neugierigsein. In den  farbenfrohen, verspielten Illustrationen von Stephanie Gustai gibt es dabei immer Neues zu entdecken.

Sven Puchelt

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