Unsere Kundenbriefe

In unserem Kundenbrief (PDF) stellen wir Ihnen regelmäßig interessante Neuerscheinungen vor und informieren über unsere Veranstaltungen. Der aktuelle Kundenbrief liegt auch in gedruckter Form in unseren Buchhandlungen aus.

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Belletristik

Die letzte Flucht

Wolfgang Schorlau

Der sechste Fall um den ehemaligen BKA-Fahnder und jetzigen Privatermittler Georg Dengler spielt  dieses Mal in Berlin. Ein Medizinprofessor, Forscher an der Berliner Charité, wird verdächtigt, ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Sein Freund und Anwalt ist fest von dessen Unschuld überzeugt und engagiert Georg Dengler, der Beweise dafür finden soll. Zeitgleich wird der Europachef eines Pharmakonzerns entführt. Der Entführer will kein Geld und verspricht die sofortige Freilassung, wenn dieser folgende Frage ehrlich beantwortet: "Was verkaufen Sie wirklich?" Wie immer verknüpft Schorlau ein aktuelles Thema mit einer spannenden Krimihandlung. Hier geht es um die Machenschaften der Pharmaindustrie. Zwei Jahre hat Schorlau für seinen neuen Krimi recherchiert und weiß nun: "Die Pharmaindustrie wird von einer beispiellosen kriminellen Energie getrieben." 

Margret Thorwart

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Im Eis

Melanie McGrath

Der Schauplatz dieses Krimis, Edward Islands, befindet sich in der Nähe des Nordpols. Edi Kiglatuk, eine Inuit, lebt hier als Arktis-Jägerin. Bei einer von ihr geführten Jagdexpedition kommt ein Mann unter mysteriösen Umständen ums Leben. Der Rat der Dorfältesten möchte diesen Todesfall gern vertuschen. Nachdem es aber einen weiteren Mord gibt, beginnt Edi selbst zu recherchieren. Sie macht sich dabei innerhalb ihrer Gemeinschaft, aber auch international mächtige Feinde und muss bald um ihr eigenes Leben bangen. Die Handlung ist sehr spannend und hält viele unerwartete Wendungen bereit. Das Buch gibt auch einen interessanten Einblick in das Alltagsleben der Inuit, das von extremen Umweltbedingungen und einer sozial angespannten Lage geprägt ist.

Anja Saly

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Die Akte Rosenherz

Jan Seghers

In seinem vierten Roman um den Frankfurter Kommissar Marthaler lässt Jan Seghers einen vierzig Jahre alten Mord an einer Prostituierten wieder aufrollen. Daneben muss der Polizist noch einen Kunstraub aufklären, bei dem seine schwangere Verlobte Tereza schwer verletzt wurde.  Privat in einer traumatischen Situation gefangen, wird der Kommissar von einer jungen Journalistin unterstützt, die sich auf merkwürdige Weise  in den Fall der toten Karin Rosenherz verbissen hat.  Die Zusammenarbeit der beiden  macht einen der besonderen Reize des Romans aus, hat der Autor mit  Anna Buchwald doch eine unglaublich komplexe Figur geschaffen, die geradezu durch die Handlung "fegt". Jan Seghers lässt sich viel Zeit für seine Figuren und Ihre Beweggründe. Ein anderer Höhepunkt des Romans ist die Schilderung der sechziger Jahre und ihrer gesellschaftlichen  Zwänge, die für den Fall nicht unerheblich sind. Äußerst spannend und sprachlich gelungen ist der Krimi, der auf einem wahren Fall beruht,  nicht nur für Leser zu empfehlen, die Frankfurter Lokalkolorit lieben.

Elke Weirauch-Glauben

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Ameisenroman

E.O. Wilson

E.O. Wilson ist der bekannteste Biologe unserer Zeit und Begründer der Soziobiologie. Nach einigen Sachbüchern hat er nun mit 81 Jahren seinen ersten Roman geschrieben. "Ameisenroman" erzählt die aufregenden Abenteuer eines Huckleberry Finn unserer Tage. Raffs Forscherdrang macht ihn zum Zeugen der Entstehung und Zerstörung von vier Ameisenvölkern, deren Geschichten "Epen auf einem Picknickplatz" gleichen. In der "Ameisenchronik", Raffs Abschlussarbeit am College und zugleich das literarische Herzstück des Romans, wird von ihnen berichtet. Trotz seiner vielversprechenden Anfänge als Naturforscher entscheidet sich Raff für ein Jurastudium in Harvard. Und bald wartet eine große Herausforderung auf ihn: Ein Immobilienunternehmen will sich die Nokobee-Wildnis seiner Jugend unter den Nagel reißen. In einem atemberaubenden Ende, das kein Leser so leicht vergisst, bekommt er es mit den wütenden und korrupten Geistern eines alten Südens zu tun, den er längst untergegangen glaubte. "Ameisenroman" ist eine raffinierte Mischung aus Thriller, Familiensaga und Parabel. Er fasziniert nicht nur durch die verblüffenden Wendungen, wundervollen Naturbeschreibungen und bestürzenden Enthüllungen seiner Geschichte, sondern vermittelt seinen Lesern auch neue Einsichten in den Sinn des Lebens und Überlebens in unserer sich rasch verändernden Welt. 

Birgit Rupp

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Der Sonnenfürst

Tilman Röhrig

Im Jahr 1733 wird am Kölntor in Brühl vor den Augen der Gänsemagd Margaretha heimtückisch ein adliger Kavalier ermordet. Der Tote ist der Favorit des Kurfürsten Clemens August, auch Sonnenfürst genannt. Margaretha findet am Hofe eine Anstellung als Zofe. Dort schwebt sie aber in großer Gefahr. Denn Intriganten des Hofstaates wollen sie mit allen Mitteln zum Schweigen bringen und auch der Kurfürst soll gestürzt werden. Nur seinen engsten Dienern und der Harfespielerin Mechthild Brion kann er noch vertrauen. Der Roman lässt die kurfürstliche Zeit mit ihrem Glanz und ihrer Pracht auferstehen und die zahlreich auftretenden Personen sind wunderbar gezeichnet. Es ist eine gelungene Mischung aus historischen Fakten und Fiktion.

Anja Saly

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dtv Jubiläumsedition

Taschenbuch Verlag mit einer Jubiläumsedition, in der bis Oktober 24 Highlights der Verlagsgeschichte in bibliophilen, flexiblen Leinenausgaben herausgebracht werden. Bölls „Irisches Tagebuch“ (das erste Buch des Verlages überhaupt) ist genauso dabei wie Tolkiens „Kleiner Hobbit“, „Die philosophische Hintertreppe“ von Weischedel oder Erich Fromms „Haben oder Sein“. Bücher zum Neuoder
Wiederentdecken.

Sven Puchelt

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Schurken der Landstraße

Michael Chabon

Großartige Unterhaltung bietet Chabons bislang letzter Roman, der in den USA unter dem etwas passenderen Titel „Gentlemen of the Road“ erschienen ist. Schauplatz dieses Abenteuer- und Schelmenromans ist das historisch reale Chasarische Reich im 10. Jahrhundert. Hier begleiten wir Chabons Helden, Zelikman, den jüdischen Weltenbummler aus Regensburg und seinen, ebenfalls
jüdischen, schwarzafrikanischen Freund Amram auf Ihrer abenteuerlichen und teils grotesken Reise durch die kaukasischen Berge, bei der sie einem um den Thron betrogenen Prinzen zu seinem Recht verhelfen. Chabon verknüpft in seinem nur 176 Seiten dünnen Roman Mantel-und-Degen-Abenteuer, Humor à la Woody Allen und ein paar historische Fakten zu einem literarischen Kabinettstück von überschäumender Sprachgewalt.

Sven Puchelt

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Es geschah an einem Samstag

Valerie Wilson Wesley

Was geschah an jenem folgenschweren Samstag 1979, als Marie wegen einem Liebhaber aus dem Leben ihrer Töchter Dani, 7, und Rose, 17 Jahre, einfach verschwand? Ihre Tante Lucille kümmerte sich um die beiden, aber sie tragen schwer an dem Verlust und können dieses mutwillige Verlassen-werden bis heute nicht verarbeiten. Erst Jahrzehnte später erkennen die Schwestern die tragischen Hintergründe.
Erzählt wird uns die Geschichte aus der Sicht Maries, Roses, Danis und ihrer Tante. Wieder ein toller Roman von Valerie Wilson Wesley, der schwarzen Stimme
Amerikas.

Jeannine Beihofer

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Kälteschlaf

Arnaldur Indridason

In seinem achten Fall wird der isländische Kommissar Erlendur zu einem Selbstmord gerufen. Der Fall scheint klar, bis eine Freundin des Opfers ihm eine Kassette übergibt. Maria, die Tote, hatte Kontakt zu einem Medium.
Erlendur wird trotz Skepsis neugierig und beginnt zu ermitteln. Parallel dazu beschäftigt er sich mit einem alten ungelösten Fall, der ihn schon seit dreißig Jahren in seinem Berufsleben begleitet. Es handelt sich dabei um einen verschwundenen jungen Mann, dessen Vater Erlendur in regelmäßigen Abständen aufsucht und sich nach dem Ermittlungsstand erkundigt. Wie der Kommissar mit großer Beharrlichkeit dem Leben Marias nachforscht, welches von einer großen Tragödie in ihrer Kindheit überschattet war, und dabei ein Band zu dem alten Fall knüpft, ist extrem spannend. Im kalten isländischen Herbst wird Erlendur durch die beiden Fälle auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, und die Lösung gestaltet sich als eine universelle
Suche nach Wahrheit. Toll, wenn ein Krimi so etwas kann! Ein leichter, aber guter Krimi mit einer sympathischen Hauptfigur. Ideal für den Sommerurlaub!

Elke Weirauch-Glauben

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Caravaggios Geheimnis

Tilman Röhrig

Dieser historische Roman ist ein spannendes Portrait des bekannten italienischen Malers Caravaggio (1571-1610), der mit seinem neuen Malstil für Bewunderung, aber auch Empörung sorgte. Nach einer harten Lehrzeit in Mailand kommt er 1593 nach Rom. Der künstlerisch hochbegabte Caravaggio muss sich seinen Erfolg dort schwer erkämpfen. Nicht nur Standesdünkel, Abhängigkeit von Mäzenen und die bösartigen Angriffe seiner Konkurrenten machen ihm das Leben schwer. Er steht sich oft mit seinem aufbrausenden Wesen und seinem großen Freiheitsdrang selbst im Weg. Am Ende begeht Caravaggio, von allen in die Enge getrieben,
eine Verzweiflungstat. Röhrig beschreibt das Leben des Malers mit großem Einfühlungsvermögen und gibt einen tiefen Einblick in sein künstlerisches Schaffen. Er entwirft außerdem ein faszinierendes Gesellschaftspanorama dieser Zeit, das den Leser in seinen Bann zieht.hinterlässt.

Anja Saly

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Fallers große Liebe

Thommie Bayer

Bayer beschreibt ein scheu beginnendes Männergespräch mit einer überraschenden Schlusspointe. Der eine ist Alexander, ein junger Buchhändler der mit mäßigem Erfolg ein Antiquariat betreibt. Der andere, Faller, ist ein
wohlhabender Mann, mit dem es das Leben gut meint. Nur seine große Liebe, die hat Faller nicht mehr. Eines Tages steht Faller bei ihm im Laden und macht ihm ein Angebot: „Nehmen Sie auch eine ganze Bibliothek?“ Es ist eine
kostbare Sammlung. Während Alexander überlegt, macht ihm Faller ein überraschendes Angebot: „Begleiten Sie mich auf eine Reise. Sie fahren, ich bezahle Sie.“ Über das Ziel verrät Faller kein Wort. Das Ziel und der Sinn der Reise sind für Alexander nicht erkennbar. Geht es hier um eine Schuld? Um
Rache oder Liebe? Je länger sie unterwegs sind, je länger sie über das Leben und die Liebe reden, desto klarer wird Alexander, dass er endlich Gewissheit über Agnes bekommen muss, seine eigene große Liebe. Buchstäblich auf der letzten Seite löst sich das Rätsel auf!

Barbara Casper

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Unter dunklen Wassern

Bernadette Calonego

„Unter dunklen Wassern" nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch die kanadische Wildnis. Die Schweizer Autorin ist Auslandskorrespondentin für die Süddeutsche Zeitung und lebt zurzeit an der Westküste Kanadas. Während des Lesens hatte ich die ganze Zeit eine Karte des Landes neben mir liegen. Die Historikerin Sonja Werner ist im Auftrag ihres Museums unterwegs, um eine Ausstellung über die deutsche Dichterin Else Seel vorzubereiten, die 1927 nach Kanada ausgewandert ist. Heimlich aber versucht sie herauszufinden, was vor drei Jahren wirklich geschah, als ihr Mann und ihr Stiefsohn bei einem Flugzeugabsturz in Kanada ums Leben kamen, und bringt sich dabei selbst in
Lebensgefahr. Auch ihre beste Freundin ist seit damals spurlos verschwunden. Tolle Mischung aus Abenteuerroman, historischer Spurensuche und klassischem Krimi.

Jeannine Beihofer

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Nächsten Sommer

Edgar Rai

Zoe, Felix, Marc und Bernhard sind schon seit Kindertagen befreundet. Eigentlich wollten sie sich nur zum Fußballschauen treffen. Doch Felix hat von seinem Onkel ein Haus in Südfrankreich geerbt und spontan machen sie sich am nächsten Morgen auf den Weg dorthin. In einem schrottreifen VW-Bus beginnt ein Road-Movie der besonderen Art: fünf Tage werden gefüllt mit Atmosphäre,
besonderen Menschen, dramatischen Ereignissen und der Frage „Was ist das Leben?“. Ein Sehnsuchtsbuch, mitreißend, wunderbar und sehr empfehlenswert.

Birgit Rupp

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Barfuß

Elin Hilderbrand

Drei Frauen wollen unbedingt weg aus New York und verbringen daher den Sommer zusammen in einem kleinen Cottage auf der Ferieninsel Nantucket. Jede Frau hat einen Grund, ihrem Leben für eine Zeit lang den Rücken zuzukehren: Vicki hat Lungenkrebs und muss sich einer Chemotherapie unterziehen, ihre Schwester Brenda hat ihre Stelle als Literaturprofessorin verloren und ihre Freundin Melanie erwartet ein Kind – doch ihr Mann hat inzwischen eine andere… Elin Hilderbrand erzählt ernste und tiefgründige Themen auf eine leichte, fast humorvolle Art. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen mag und das noch lange nachwirkt! Nicht stimmig empfinde ich das Cover des Buches, da es eine eher seichte Unterhaltung verspricht und dem Inhalt nicht gerecht wird.

Ulla Zachmann-Leber

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Überm Rauschen

Norbert Scheuer

Nach Jahren kehrt der Ich-Erzähler Leo zurück in seine Heimat in der Eifel, in das Gasthaus seiner Eltern am Fluss. Seine Jugendliebe Alma hat ihn gerufen, weil sein älterer Bruder Hermann den „Verstand verloren hat“. Der Vater,
der allerdings nicht der leibliche Vater der Brüder war, war ein leidenschaftlicher Angler und hat Hermann und Leo schon früh in die Geheimnisse des Fischens eingeweiht. Angelnd im Fluss lässt Leo sein Leben, das seines Bruders und seiner Familie Revue passieren. Die Kindheit am Fluss, die Liebe zu Alma, die sich dann für Hermann entscheidet und doch nicht glücklich wird. Die Rivalität zum Bruder, der eigentlich der begabtere war und doch im bigotten Dorf hängen blieb. Glück und Unglück. „Überm Rauschen“ ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, in die man hineingezogen wird, wie in einen Strudel. Gegenwart und Vergangenheit fließen ineinander. Und wenn man auftaucht, ist man ganz verzaubert. Ja, Lesen macht eben doch glücklich.

Margret Thorwart

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Alles über Sally

Arno Geiger

In seinem Roman „Alles über Sally“ beschreibt Geiger äußerst klug und mit seiner unnachahmlichen Erzählkunst eine dreißigjährige Ehe, die an sich zunächst völlig banal erscheint, gleicht sie doch in ihrer Beschreibung so vielen
anderen. Die beiden Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein und gehen deshalb mit dem Ereignis, das Geiger zu Beginn seines Romans schildert,
völlig konträr um. Alfred leidet sehr unter dem Einbruch in das gemeinsame Haus und erlebt die Verletzung seiner Intimsphäre schmerzlich, er zieht sich zurück. Die starke weibliche Hauptfigur, seine Ehefrau Sally, immer in Bewegung,
immer beharrlich auf der Suche nach Bestätigung und dem sogenannten Glück, wird hingegen weiter vorangetrieben. Dabei nimmt sie rücksichtslos Ehebruch, Lügen und Verletzungen in Kauf. Der Autor möchte aber nicht das Scheitern einer Ehe darstellen, sondern ihm geht es um die Frage, was eine Beziehung trotz aller Brüche und Schwächen nach so vielen Jahren doch noch stärkt und erhält. Gerade Alfred, der Betrogene, ist sich seiner und seltsamerweise auch Sallys Gefühle am sichersten und beschreibt sie völlig treffend. Die einfache Liebeserklärung gegen Ende des Romans macht so „die Geschichte nach dem Happy–End“ zu etwas ganz Besonderem. Arno Geiger ist ein wundervoller,
sensibler Roman über das Leben und die Ehe gelungen, und sein tiefgehender, behutsamer Umgang mit dem Thema lässt staunen. Lesenswert!

Elke Weirauch-Glauben

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Adams Erbe

Astrid Rosenfeld

Ehrlich gesagt war ich erst wenig begeistert, als ich das Buch vom Verlag ans Herz gelegt bekam. Doch dann begann ich zu lesen und änderte ganz schnell meine Meinung. Dieses Buch ist ein Juwel! Die Geschichte beginnt 2004 und handelt von Edward, der mit seiner Mutter bei seiner Großmutter lebt. Der Großvater hat sich auf den Dachboden zurückgezogen und die Familienverhältnisse sind eher unorthodox. Im zweiten Teil des Buches erzählt Edward das Leben seines Großonkels Adam, dem er auch so ähnlich sieht und dessen Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg er vor dem Vergessen bewahren möchte. Astrid Rosenfeld ist eine wunderbare Erzählerin, sie gibt jeder Person eine eigene Geschichte, legt in die Tragik eine Leichtigkeit und verfügt über eine Sprachgewalt, die mich beeindruckt hat. Ein sehr kluges, warmherziges und weises Buch gegen das Vergessen.

Birgit Rupp

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Rimbaud und die Dinge des Herzens

Samuel Benchetrit

Der zehnjährige Charly Traoré wächst in einer Pariser Vorstadt in einfachen Verhältnissen auf. Seine Mutter wurde schon öfter von der Polizei abgeholt, meist wegen Charlys sechzehnjährigem Bruder und dessen Drogenproblemen. Diesmal ist es anders. Charlys Mutter hat ihm nicht wie sonst zugelächelt als die Beamten sie mitgenommen haben. Charly begibt sich in der Banlieu auf die Suche nach seinem Bruder, um diesen um Rat zu fragen. Vor einem traurigen und ernsten Hintergrund erzählt der Filmemacher, Schauspieler und Drehbuchautor Benchetrit mit Witz und Einfühlungsvermögen von einem liebenswerten und nachdenklichen Jungen, der mehr Lebensweisheit besitzt als mancher Erwachsene. Fesselnd und wunderschön!

Sven Puchelt

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Little Bee

Chris Cleave

Little Bee ist 16 Jahre alt und aus ihrer Heimat Nigeria nach England geflüchtet. Dort lebt sie zwei Jahre in einem Abschiebegefängnis. Am Tag ihrer Entlassung wendet sie sich an die einzigen Menschen, die sie in diesem Land kennt: Sarah und Andrew. Die Journalisten hatten in Nigeria einen Urlaub verbracht und wurden bei einem Ausflug am Strand in dramatische Begebenheiten verwickelt, die alle drei traumatisierten. Nun tritt Little Bee wieder in ihr Leben und löst damit eine Kette von Reaktionen aus, die alles verändert. Dieses Buch ist eigentlich unbeschreiblich, Chris Cleave besticht durch eine ganz klare Sprache und einen herausragenden Erzählstil, er wühlt auf und verstört und lenkt den Blick auf Tatsachen, die wir westliche Wohlstandsmenschen nur zu gerne übersehen. Ein Buch, das sehr nachdenklich macht und beim Leser tiefgreifende Spuren hinterlässt.

Birgit Rupp

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Die hellen Tage

Zsuzsa Bánk

In einer wunderschönen, poetischen Sprache schildert die Autorin die Kindheit und Freundschaft dreier Kinder im Süddeutschland der sechziger Jahre. Sie bedient sich einer langsamen, magischen Erzählweise, die der kindlichen Betrachtungswelt sehr entgegenkommt. Man wird von den bildgewaltigen Beschreibungen verzaubert. Mir als Leserin drängte sich bei der Beschreibung die Vorstellung eines träge fließenden, zauberhaft glitzernden Wassers auf. Erst langsam werden, um bei dem Bild zu bleiben, Untiefen und bedrohliche Stellen sichtbar. Evi, eine ehemalige ungarische Artistin, zieht mit ihrer Tochter Aja an den Rand eines Dorfes und wird zum Mittelpunkt der Geschehnisse. Sie zieht die handelnden Personen zu sich her und verwebt deren Leben mit dem eigenen. Ihr baufälliges Häuschen mit Garten wird gleichsam die sprichwörtliche Kindheitsidylle für Aja, Seri und Karl. Nach und nach wird dem Leser aber auch das Unaussprechliche und Tragische gezeigt. Frühe Verluste prägen das Leben der Protagonisten. Wenn am Ende der Geschichte der Leser, eher widerwillig, die mittlerweile erwachsenen Kinder und deren Familien verlässt, bleibt aber das befriedigende Gefühl, dass eher die hellen Tage überwogen. Zsuzsa Bánk ist sprachlich und inhaltlich ein besonderes Buch über das Leben gelungen.

Elke Weirauch-Glauben

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Léon und Louise

Alex Capus

So beginnt ein gutes Buch: eine grandiose Anfangsszene, die das Ende der Geschichte erzählt, nämlich die Beerdigung von Léon Le Gall 1986. Obwohl nicht  gläubig, hat Léon bestimmt, dass er eine Totenmesse  in der Kirche von Notre Dame mit viel Weihrauch, lateinischer Liturgie, gregorianischen Gesängen - eben mit allem was dazugehört - haben möchte. Nun sitzen seine zahlreichen Nachkommen dort - schweigsame Männer mit dem typisch „flachen“ Hinterkopf der Normannen und lebenstüchtige Frauen - und warten auf den Beginn der Trauerfeier. Plötzlich betritt eine kleine alte Dame die Kirche, trippelt resolut nach vorne zum offenen Sarg, legt eine Fahrradglocke hinein, küsst Léon und verschwindet wieder. Keiner kennt sie, doch jeder weiß, wer sie ist: Louise Janvier. Mit der Fahrradglocke beginnt 1918 die Geschichte. Léon, unterwegs mit dem Rad nach Saint-Luc-sur-Marne, um dort seine Stelle als Morseassistent anzutreten, wird überholt von einem Mädchen: Louise. Schnell wird aus den beiden ein Paar, genauso schnell verlieren sie sich wieder. Bei einem Fliegerangriff werden beide verletzt,  in verschiedene Lazarette eingeliefert und vorschnell für tot erklärt. Zehn Jahre später begegnen sie sich zufällig in Paris wieder. Léon ist inzwischen mit Yvonne verheiratet. Der Roman wird aus der Sicht des Enkels in Ich-Form erzählt (in der Figur Léons steckt wohl viel von Capus’ Großvater). Und wie immer gelingt es Capus gekonnt aus realen Ereignissen und historischen Tatsachen eine wunderbare Geschichte zu spinnen, in der auch das bewegte 20. Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen eine tragende Rolle spielt.

Margret Thorwart

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Allmen und die Libellen

Martin Suter

Allmen ist ein Virtuose des Schuldenmachens.  Er führt in Zürich ein aufwändiges Leben, das er sich eigentlich nicht mehr leisten kann. Immer mehr seiner Besitztümer muss er veräußern. Nachdem auch seine Stadtvilla verkauft ist, lebt er mit seinem Diener Carlos im Gartenhäuschen. Eine diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Bredouille.  Bis ihn nach einem alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die Seevilla ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden Jugendstil-Schalen entdeckt. Jede mit einem Geheimnis. „Allmen und die Libellen“ ist der Auftakt zur ersten Krimibuchserie des Autors – unterhaltsam und spannend erzählt!

Barbara Casper

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Angerichtet

Herman Koch

Zwei sich nicht besonders nahestehende Brüder mit ihren Ehefrauen treffen sich in einem Spitzenrestaurant zum Abendessen. Der Ich- Erzähler Paul ist Lehrer, sein Bruder Serge ein aufstrebender Politiker. Dass es bei dem Treffen um mehr geht, als mehr oder weniger ungezwungenes Beisammensein wird dem Leser schnell klar. Bei der Vorspeise kommt der Roman noch ironisch-witzig daher, die Abgründe, die Herman Koch dann jedoch beim Hauptgang und zum Dessert auftischt, sind nicht leicht verdaulich, denn die Söhne der Paare haben etwas „angerichtet“ und nun stellt sich die Frage, wie damit umzugehen ist. Ein zu Recht hochdekorierter, literarischer Roman über Schuld, Moral, Macht und Ohnmacht.

Sven Puchelt

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Rubinrotes Herz, eisblaue See

Morgan Callan Rogers

Die elfjährige Florine lebt behütet und geborgen in einem Fischerdorf an der Küste Maines. Ihre Familie lebt, wie die meisten anderen Dorfbewohner, vom Hummerfang. Als Florines Mutter Carlie von einem auf den anderen Tag spurlos verschwindet, bricht Florines Welt zusammen. Das Verschwinden ihrer Mutter wird nie aufgeklärt und Florine wartet unbeirrbar auf ihre Rückkehr. Sie erträgt es kaum mit anzusehen, dass für alle anderen das Leben einfach weiterzugehen scheint. Ihr einziger Halt ist ihre Großmutter: „Es war gut, dass Grand mich liebte, denn in dem Frühjahr, als ich vierzehn wurde, hätte mir jeder andere einen Zentnersack Zement ans Bein gebunden und mich im Meer versenkt.“ Morgan Callan Rogers hat ein Buch über das Erwachsenwerden geschrieben, zum Lachen und zum Weinen!

Ulla Zachmann

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Hunkeler und die Augen des Ödipus

Hansjörg Schneider

Basel in Aufruhr. Wenige Tage nach der spektakulären und umstrittenen Aufführung von „König Ödipus“ ist der Theaterdirektor Bernhard Vetter spurlos verschwunden. Sein Hausboot treibt herrenlos im Basler Rheinhafen. Kommissär Hunkeler, eigentlich schon im Beinahe-Ruhestand aber uneigentlich doch noch nicht so ganz bereit „die Bühne zu verlassen“, ermittelt auf eigene Faust. Er taucht ein ins Theatermilieu und in die schillernde Halbwelt des Basler Rheinhafens. Im Niemandsland zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich herrschen eigene Gesetzmäßigkeiten. Die zwiespältigen Gefühle, die die bevorstehende Pensionierung in Hunkeler auslösen, sind sozusagen die „Hintergrundmusik“ der Geschichte. Gut gefallen haben mir auch die stimmungsvoll beschriebenen Szenen im Elsass, wo Hunkelers Wochenendhäuschen steht. Und immer wenn er „seine Mitte“ sucht, zieht er sich dorthin zurück und solidarisiert sich mit Hahn Fritz, ebenfalls ein in die Jahre gekommenes „Auslaufmodell“! Ein schön zu lesender Krimi.

Margret Thorwart

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Die Landkarte der Zeit

Felix J. Palma

Die „Landkarte der Zeit“ ist ein Schmöker, in den ich einfach eingetaucht bin – genau das richtige Buch für verregnete Herbsttage auf der Couch!
London, 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikantensohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wiederzugewinnen. Die junge Claire macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, in den sie sich unsterblich verlieben wird. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden. Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit.
Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser Jack the Ripper - begegnet und H.G. Wells, den Erfinder der Zeitmaschine, in einer völlig überraschenden Rolle kennenlernt.

Birgit Rupp

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Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand

Natasha von Solomons

Jack Rosenblum emigriert 1937 mit Frau und Tochter nach England. Bei der Ankunft wird ihm eine kleine Broschüre überreicht, die der jüdischen Familie die Eingliederung in das neue Leben vereinfachen soll. Mit Hilfe einer Liste, die er Punkt für Punkt abarbeitet, ist der kauzige Neu-Engländer tatsächlich erfolgreich. Wie Rosenblum mit schier unglaublicher Energie darangeht ein richtiger Engländer zu werden, ist zugleich komisch und anrührend. Schließlich fehlt ihm nur noch die Mitgliedschaft in einem Golfclub, um seinem perfekten Bild eines britischen Gentleman zu entsprechen. Doch diese Sache gestaltet sich nicht so einfach, versteht doch der Engländer an sich mit seinem Volkssport keinen Spaß. Wie Jack dem Spleen der Briten und allen Widrigkeiten begegnet ist so unglaublich witzig, dass der Leser leicht vergessen könnte, welch ernster Hintergrund der Geschichte zugrunde liegt. Deshalb stellt die Autorin der Hauptfigur seine Frau Sarah gegenüber. Im Gegensatz zu ihm kann und will sie nicht vergessen, ist ihre Erinnerung doch die einzige Verbindung zur toten Familie und der verloren Heimat. Solomons zeigt hier zwei Figuren, die völlig konträr mit dem Thema Heimat und Identität umgehen. Es gelingt ihr aber, dem Leser mit ihrer liebevollen Darstellung große Sympathien für beide zu erwecken, und dies macht den besonderen Reiz dieses herzerwärmenden Buches aus. Die Autorin hat ihren Großeltern mit diesem Roman ein wunderbares Denkmal gesetzt - und den Lesern vergnügliche und nachdenkliche Lesezeit geschenkt.

Elke Weirauch-Glauben

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Liebste Tess…

Rosamund Lupton

Die Schwestern Beatrice und Tess sind nicht nur durch 5 Jahre Altersunterschied, sondern auch durch eine große räumliche Entfernung voneinander getrennt. Beatrice, die Karrierefrau, lebt in New York, ihre "kleine" Schwester Tess ist Kunststudentin in London. Doch die beiden Frauen verbindet sehr viel und sie stehen eigentlich täglich in Kontakt miteinander. Dann wird Tess plötzlich vermisst und Beatrice reist nach London, um ihre Schwester zu suchen. Der schreckliche Verdacht bestätigt sich, Tess wird tot im Hyde Park aufgefunden. Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Doch Beatrice glaubt nicht daran - sie weiß, dass sich ihre Schwester niemals das Leben genommen hätte. In einem Brief an Tess berichtet Beatrice von ihrer einsamen Suche nach dem Mörder – dabei bekommt man ein Bild der gemeinsamen Vergangenheit und erlebt die Veränderungen der Gegenwart mit. Bis zum absolut überraschenden Schluss war ich von der Geschichte der Schwestern gefesselt und konnte das Ende nur schwer annehmen…

Birgit Rupp

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Dreizehn Stunden

Deon Meyer

Was für ein rasanter Krimi. Er beginnt morgens um 5:36 und endet am gleichen Tag um 19:51, spielt sich also, wie der Titel schon ankündigt, innerhalb von dreizehn Stunden ab. Ort der Handlung ist Kapstadt. Eine amerikanische Touristin ist ermordet worden, eine zweite wird von den Mördern durch die Stadt gejagt und traut sich nicht zur Polizei zu gehen. Ein Musikproduzent liegt tot in seinem Haus und Inspektor Benny Griessel kämpft mit privaten Problemen. Hochspannende Krimihandlung, gut gezeichnete Charaktere und immer wieder die Schwierigkeiten unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zumindest in staatlichen Behörden vertrauensvoll zusammenarbeiten zu lassen. Deon Meyer at it’s best!

Sven Puchelt

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